Opel zu Kriegszeiten: Arop-Räder

•10. Juli 2021 • Kommentar verfassen

Als sich im Sommer 1914 die politischen Spannungen in Europa zuspitzten, wurde zunehmend klar, dass es bald zu einem größeren Krieg kommen würde. Entsprechende Kriegsziele wurden allseits formuliert, es wurde aufgerüstet – und, nicht nur seitens des Deutschen Reiches, auf einen kurzen, schnellen Offensivkrieg gesetzt. Ein fataler Irrtum, denn wie bekannt wandelte sich zumindest der deutsch-französische Konflikt bald in einen mehrjährigen, Mensch und Natur malträtierenden Grabenkrieg um.

Doch auch außerhalb von Europa tobte der Krieg. Die deutschen Kolonien in Afrika und Asien wurden direkt oder indirekt von den Alliierten angegriffen und früher oder später auch besiegt und übernommen. Das hatte zusammen mit der britischen Nordsee-Blockade unter anderem zur Folge, dass (kriegs)wichtige Rohstoffe und „Kolonialwaren“ kaum mehr nach Deutschland gelangten – unter anderem Kautschuk.

In Folge wurde Gummi rasch knapp, ergo auch Reifen. Doch das Militär benötigte viele Fahrzeuge, vor allem Lastwagen – unter anderem von Opel. Als eine der vielen improvisierten Notlösungen kamen deshalb während der Kriegsjahre die sogenannten „Arop-Räder“ zum Einsatz. Jene waren eine Erfindung des Berliners Arnold Seidel, wobei „Arop“ für „Auto Räder ohne Pneu“ stand. Genauer betrachtet handelte es sich um Stahl-Laufreifen, welche zwischen verkleinertem Speichenkranz und Felge zirka zwanzig gewickelte, senkrecht aufgestellte Stahlfedern aufwiesen.

Ob die entsprechend ‚bereiften‘ Fahrzeuge besonders komfortabel rollten oder nicht bleibt ungewiss, aber auch unwichtig – an der Front hatte man vermutlich andere Sorgen, Hauptsache eine Transportmöglichkeit war gegeben. Die „Arop“-Räder dürften sich bis Kriegsende nolens volens ganz ordentlich verkauft haben. Auch andere Hersteller lieferten entsprechend ausgestattete Fahrzeuge aus, viele wurden zudem nachträglich umgerüstet.

Ob irgendwo noch erhaltene „Arop-Räder“ existieren ist unklar. Deren Erfinder Seidel entwarf nach dem Krieg ein eigenes Fahrzeugmodell, gelangte aber nie über den Prototypenstatus hinaus.

Opel-Zukunft: Keine IAA-Teilnahme mehr?

•3. Juli 2021 • Kommentar verfassen

1897 fand in Berlin die erste Vorläuferveranstaltung der heutigen „Internationalen Automobil-Ausstellung“ (IAA) statt. Ganze acht Motorwagen wurden vor das noble Hotel Bristol gebracht und dort präsentiert. Opel war naturgemäß nicht dabei, weil das Unternehmen damals noch keine Motorwagen baute – sehr wohl aber Friedrich Lutzmann, dessen „Anhaltinische Motorwagenfabrik“ bekanntlich zwei Jahre darauf von Opel übernommen und nach Rüsselsheim transferiert wurde.

Damit war auch Opel fortan auf den entsprechenden Nachfolgemessen vertreten, teilweise mit sensationellen Fahrzeugen. „Laubfrosch“ , „Blitz“ , „Olympia“ etwa vor dem Krieg, in den Nachkriegsjahrzehnten dann auch immer wieder mit wegweisenden Konzeptfahrzeugen.

Die IAA selbst hat in den letzten Jahren an Attraktivität verloren und litt an Besucherschwund. Ab diesem Herbst findet deren Pkw-Ableger nicht mehr in Frankfurt am Main, sondern – etwas verteilt und unter Inzidenz-Vorbehalt – in München statt. Und Opel ist nicht mehr dabei.

Tatsächlich ist der gesamte „Stellantis“-Konzern nicht dabei, offenbar aus Budgetgründen. Ob die Entscheidung der Nichtteilnahme zukünftig ausnahmslos für alle europäischen Automobilmessen gilt oder man sich vielleicht nur auf eine pro Jahr und Marke beschränkt, bleibt unklar. In letzterem Fall könnte der prestigeträchtige „Genfer Auto-Salon“ profitieren.

Fazit: klar, irgendwie verständliche Entscheidung; auch andere Hersteller bleiben weg oder sind nur mit ausgewählten Marken vertreten. Den neuen „Astra“ etwa kann man auch anders präsentieren, das meiste läuft heutzutage sowieso online. Trotzdem schade. Jetzt ist Daimler/Mercedes das letzte Messefossil aus der Kaiserzeit 😉

Opel-Rennsport: Sieg bei der Safari-Rallye (1983)

•26. Juni 2021 • Kommentar verfassen

Die zumindest außerhalb des Kontinents bekannteste Rallye der Afrikanischen Rallye-Weltmeisterschaft dürfte die berüchtigte Safari-Rallye sein. Sie galt lange Zeit aufgrund Länge, schlechten Straßenverhältnissen sowie Luftfeuchtigkeit und Hitze als die vielleicht härteste Strecke im Rallyesport und war viele Jahre Bestandteil der Rallye-Weltmeisterschaft.

Diese sehr traditionsreiche Rallye hat ihre Wurzeln zu Anfang der Fünfziger Jahre, wo sie angeblich zur Feier der Krönung Königin Elizabeths II ins Leben gerufen wurde. Das Austragungsland Kenia war damals noch „Kronkolonie“; das Siegerfahrzeug der allerersten Safari-Rallye war übrigens, man mag es heutzutage kaum glauben, ein VW Käfer.

Opel gewann diese legendäre Rallye genau einmal, und zwar 1983. Auf dem Opel-Klassiker „Ascona 400“, einem damals fast schon veralteten Frontantriebler, holten sich Fahrer Ari Vatanen sowie Beifahrer Terry Harryman nach über fünftausend (!) Streckenkilometern den Sieg. Die Ausfallquote war hoch: weniger als dreißig Prozent der gestarteten Teams kam ins Ziel. Zweiter wurde übrigens auch ein Finne, nämlich der spätere WM-Gesamtsieger Hannu Mikkola.

Vatanen kam in dieser WM-Saison ansonsten nie aufs Podest und belegte insgesamt Rang sechs, Opel wurde in der Herstellerwertung immerhin Dritter.

Zulassungen 2021 (bis Mai)- Opel holt etwas auf

•19. Juni 2021 • Kommentar verfassen

Dass die Autozulassungen in Deutschland im Vergleich zum eher finsteren Vorjahreszeitraum nunmehr deutlich gestiegen sind, dürfte kaum verwundern. Die Impfungen gegen das dohfe Covid-19-Virus schreiten allmählich voran, man hat sich irgendwie auch auf die nervige Maskenpflicht eingestellt und die Konjunktur läuft in den meisten Branchen auch wieder so halbwegs. Doch wie geht es Opel im Vergleich?

Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) stiegen die Opel-Neuzulassungen von Januar bis Mai 2021 um 33,5%, das ist besser als bei den meisten anderen Marken. Bei den drei meistverkauften Modellen je Segment ist Opel aber nur bei den Kleinwagen vertreten, hier belegt Opels Klassiker „Corsa“ immerhin Platz eins. Auch bei den nach wie vor populären SUVs, welche mit 23,4% einen nicht unerheblichen Marktanteil aufweisen, ist Opel nicht in den Top 3 gelistet, obwohl es inzwischen mehrere solcher Modelle im Angebot gibt. Facelifts sowie der schnittige neue „Mokka“ werden hier hoffentlich Abhilfe schaffen.

Bei den Antriebsarten auffallend ist der hohe Anteil von sogenannten Hybridfahrzeugen (also mehr oder weniger verkappte Benziner). Verkappt oder nicht, auch hier muss Opel eindeutig nachlegen: aktuell gibt es gerade mal ein einziges Modell mit verfügbarem Hybridantrieb im Programm – den „Grandland“ .

Das ist schon arg wenig. Der kommende „Astra“ sowie der nächste „Insignia“ werden hier hoffentlich entsprechende Antriebsoptionen bekommen.

Link zum KBA

Opel-Historie: Adam-Sonderserie bei Tchibo

•12. Juni 2021 • Kommentar verfassen

Mit dem ab 2012 offerierten schmucken Kleinstwagen „Adam“ bewegte sich Opel recht erfolgreich in Richtung „Lifestyle“-Gefilde. Schnuckeliges Design, große Farbauswahl sowie vielfältige Individualisierungsmöglichkeiten standen hier zur Verfügung. Dazu kamen ein etwa im Vergleich mit dem „Mini“ niedriger Einstiegspreis sowie eine gute Verarbeitungsqualität – die letzten „TÜV“-Mängelreporte belegen es.

Eigentlich also alles richtig gemacht im Hause Opel. Nichtsdestotrotz erschien zwei Jahre später eine limitierte „Adam“-Sonderauflage in der diskutablen Außenfarbe „Chocolate [sic!] Brown“ nebst weißem Dach, welche exklusiv über „Tchibo“ erhältlich war. Angeblich sollten so neue Kundenkreise angesprochen sowie neue Vertriebswege eruiert werden. Allerdings mussten entsprechende Interessenten zur näheren Beratung letztendlich doch in ein kooperierendes Autohaus.

Motorisiert war das Teil mit dem Basis-Benziner, kleinere Extras waren auch an Bord – na ja. Insgesamt standen 750 Exemplare für die Aktion zur Verfügung, eine Kaffeemaschine bekamen die Käufer auch dazu. Zum Glück hieß das Ganze nicht noch ‚Adam-to-go‘ 😉

Fazit: Eine IM „Adam“ eingebaute Kaffee- oder Espressomaschine, das wäre mal ein Marketing-Gag gewesen…

Opel-Persönlichkeiten: Norbert Blüm

•5. Juni 2021 • Kommentar verfassen

Betrachtet man die Berufsgruppen im Deutschen Bundestag, so wird schnell eines klar: eine Ausbildung in einem klassischen Handwerker- oder Arbeiterberuf haben die wenigsten. Die sogenannten Volksvertreter haben statt dessen sehr häufig einen juristischen, wirtschafts- oder sozialwissenschaftlichen Hintergrund. Sollte es da etwa an Bodenständigkeit fehlen?

Eine rühmliche Ausnahme machte hier ehedem ein ehemaliger Opelaner: Norbert Blüm. Denn der gebürtige Rüsselsheimer absolvierte im Opel-Stammwerk eine dreijährige Ausbildung zum Werkzeugmacher und war danach noch einige Jahre in diesem Beruf tätig. Ab 1957 machte Blüm dann über den zweiten Bildungsweg das Abitur, studierte und promovierte in Bonn.

Blüm war zudem seit 1950 sowohl Gewerkschafts- als auch CDU-Mitglied. Von 1972 war er mit einer kurzen Unterbrechung bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages, ab 1982 Minister für Arbeit und Sozialordnung im ersten Kabinett Kohl. Blüm behielt diese Funktion bis zum Ende der Kohl-Kanzlerschaft 1998 bei.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag engagierte sich Blüm immer wieder authentisch für soziale Themen. Im Zusammenhang mit der Opel-Krise 2010 äußerte sich Opels angeblich ‚bekanntester Lehrling‘ wiederholt kritisch gegenüber dem damaligen Eigentümer General Motors.

Der Rüsselsheimer Ehrenbürger starb im April 2020. R.I.P.

Opel-Klassiker: Olympia (1950)

•29. Mai 2021 • Kommentar verfassen

Als Opel Ende 1947 wieder mit einer bescheidenen Pkw-Produktion beginnen konnte, war das schon eine kleine Sensation. Los ging es mit dem Opel-Klassiker „Olympia“ , welcher abgesehen von der Vorderachse sowie durch Aluminium ersetzte Chromteile keine Veränderungen zum Vorkriegsmodell aufwies.

1950 – der westdeutschen Wirtschaft ging es bereits spürbar besser – präsentierten die Rüsselsheimer dann ihren neuen Oly. Kennzeichnend war die stark an US-amerikanische Autos erinnernde neue Karosserie mit auffallend vielen Chromteilen. Erhältlich waren die 1950er-Olys zudem nicht nur als Zweitürer-Limousine, sondern auch als Lieferwagen sowie als Cabrio-Limousine. Kein Zweifel: man wurde schon wieder wer.

Unter der Haube blieb alles beim Alten, die Fahrleistungen waren mit dem Vorgänger identisch. Einziger nennenswerter technischer Unterschied war der Wechsel von der Viergang-Mittelschaltung zur mondäneren Dreigang-Lenkradschaltung.

In dem mit etwas mehr als einem Jahr recht kurzen Produktionszeitraum liefen ordentliche 46.636 Olys vom Band, das war etwas mehr als die Hälfte der gesamten Vorkriegs-„Olympia“ – nicht schlecht.

Damalige Preise lagen zwischen 6700-7000 DM, heutige im Zustand ‚gut‘ erhaltene Limousinen / Lieferwagen dürften mehr als das Doppelte in € kosten, die Cabrio-Limousine das Dreifache.

Sonstiges: Opelwald Kaiserslautern

•22. Mai 2021 • Kommentar verfassen

Ökonomie versus Ökologie – das ist kein neues Konfliktthema, aber eines mit steigender Bedeutung angesichts Klimawandel & Co. So auch im nicht unbedingt strukturstarken Kaiserslautern, wo an das Opel-Werksgebiet angrenzende Waldflächen existieren. Dieser sogenannte Opelwald weist laut Naturschutzbund Kaiserslautern und Umgebung (NABU) unter anderem einen „außer­gewöhn­lichen Eichen- und Buchen­wald“ auf.

Doch selbiges Areal war auch seit längerem als Erweiterungsfläche für das Opel-Werk vorgesehen und soll nun als allgemeines Industriegebiet ausgewiesen werden. Unter anderem wird der Onlinehändler Amazon dort ein neues Logistik-Zentrum errichten lassen.

Immerhin konnte dank NABU-Einsatz knapp die Hälfte der ungefähr fünfzig Hektar großen Fläche vor dem Kahlschlag gerettet werden, wobei dieses Areal dann wohl offiziell als „Ausgleichsfläche“ herhalten soll.

Fazit: umweltpolitische Augenwischerei – die andere Hälfte des betroffenen Waldgebietes fällt trotzdem für immer weg. Mögliche Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel sind anscheinend auch nicht abschließend klar.

Link: Artikel des NABU Kaiserslautern über den Opelwald

~ von opabo – 22. Mai 2021.

Veröffentlicht in Opel-Werke, Sonstiges um und über Opel
Schlagwörter: Opel-Werke, Sonstiges um und über Opel

Opel-Konzeptfahrzeuge: Astra OPC Extreme (2014)

•15. Mai 2021 • Kommentar verfassen

Es geschah wieder einmal auf dem Genfer Auto-Salon, zunächst 2001. Opel präsentierte eine fett aufgemotzte „Astra“-Version namens „X-treme“ . An Bord allerlei technische Schmankerl, Flügeltüren, Spoiler sowie ein V8-Motor. Schon ziemlich weit weg vom Normalo-Modell… Die angeblich geplante Kleinstserie wurde nie verwirklicht, immerhin existiert der voll fahrfähige Prototyp noch.

Wieder auf dem Genfer Auto-Salon, nunmehr 2014. Opel präsentierte eine vergleichsweise diskretere „Astra“-Version namens „OPC Extreme“ . Abgeleitet von den Fahrzeugen des „Astra“-Markenpokals sollte der „Extreme“ die Möglichkeit für eine entsprechende Supersport-Straßenversion des Opel-Klassikers aufzeigen – möglicher Preisbereich unklar.

Der voll fahrfähige Renner hatte im Gegensatz zum „X-treme“ Vorderradantrieb und ’nur‘ einen auf 330 PS aufgemotzten Zweiliter-Vierzylinder unter der Haube. Durch allerlei Aluminium-, Karbon- und Kohlefaserteile sparten die Rüsselsheimer Techniker immerhin einhundert Kilo Gewicht im Vergleich zum Serien-OPC ein – und das trotz zusätzlich eingebautem Überrollbügel. Schalensitze mit Sechspunktgurten waren weitere Sicherheitsfeatures des „Extreme“. Spoiler, verbesserte Federung, tiefergelegtes Fahrwerk und so – eh klar.

Bei den Fahrleistungen dürfte der „Extreme“ wohl etwas unter dem „X-treme“ gelegen haben, von der Optik und generellen Konzeption in Hinblick auf Straßentauglichkeit aber war er sicherlich ein praxisbezogenerer Ansatz.

Trotz entsprechender Ankündigung, bei entsprechender Nachfrage eine Kleinserie bauen zu wollen, kam es auch hier nie dazu. Warum, wieso, weshalb – man weiß es nicht.

Fazit: eine völlig unverständliche Entscheidung, denn ein Serien-„Extreme“ hätte zweifellos eine interessante Alternative etwa zum BMW „1er M Coupé“ dargestellt – von welchem übrigens über sechstausend Exemplare gebaut wurden.

Link: Bilder des Astra OPC Extreme auf carpixel.net

Opel-Historie: Erste Werksführungen (1930)

•8. Mai 2021 • Kommentar verfassen

Not macht bekanntlich erfinderisch. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise hatten natürlich auch erhebliche Auswirkungen auf Opel: Umsatz und die Zahl der Beschäftigten gingen zurück, die Produktionsanlagen standen teilweise still.

Eine gute Gelegenheit, selbige mal durch Besucher besichtigen zu lassen. Tatsächlich fanden ab Mitte 1930 erste Werksführungen statt, das Interesse war anscheinend auch recht hoch. Natürlich war Opel hier erneut innovativer Vorreiter.

Das Ganze bedeutete sicher nur eine kleine Zusatzeinnahme für das Unternehmen, schwerer wog vermutlich der durch die gewonnenen Eindrücke und Einblicke entstandene Marketingeffekt – auch wenn das damals niemand so nannte.

Nota bene: so eine Pressmaschine anno dreißig hatte schon mal die imposante Höhe eines Einfamilienhauses und Schwungräder mit mehreren Metern Durchmesser. Der Lärmpegel im Presswerk dürfte denn auch erheblich gewesen sein – jedenfalls bei laufender Produktion.

Aktuell bietet Opel Rüsselsheim immer noch Werkstouren an, das Presswerk ist überigens nach wie vor ein Teil der Führung.