Opel zu Kriegszeiten: Schwere Werksbombardierungen (1944)

•29. Juni 2019 • Schreibe einen Kommentar

Nachdem in Rüsselsheim ab Herbst 1940 die Automobilproduktion zwangsweise eingestellt wurde und die Fabrik hauptsächlich mit der Herstellung von Flugzeugteilen beschäftigt war, entwickelte sich das Werk zunehmend zu einem kriegswichtigen Betrieb. Denn hier wurden viele Teile für die vorwiegend als „Nachtjäger“ und Bomber eingesetzten Junkers „JU 88“ sowie für den legendären „Strahljäger“ ME 262 produziert, außerdem natürlich massenweise Motoren für die im Werk Brandenburg/Havel montierten und von der Wehrmacht sehr geschätzten „Blitz“ -Lkw.
Kein Wunder also, dass man früher oder später mit ernsthaften Bombenangriffen der Alliierten rechnen musste. Entsprechend gab es zumindest im Stammwerk auch schon relativ solide ausgeführte Bunkeranlagen.
Im Sommer 1944 war es dann soweit: sowohl das Brandenburger als auch das Rüsselsheimer Werk wurden von britischen Bombern angegriffen. Die Zerstörungsrate der Werksanlagen lag hernach bei mindestens 50%, manche Schätzungen gehen weit höher. Im Rüsselsheimer Stadgebiet gab es zudem weitgehende Zerstörungen inklusive mehreren hundert Toten, darunter auch viele Opel- Zwangsarbeiter.
Die Produktion litt in Folge naturgemäß erheblich, war aber aufgrund der immer schlechter werdenden Rohstoffversorgung sowieso schon im Niedergang begriffen.
Der „Blitz“ wurde im Übrigen fast zeitgleich ab Sommer 1944 von Mercedes-Benz als Lizenzbau-Version „L 701“ in Mannheim hergestellt.

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Opel-Derivate: Combo Carissimo

•22. Juni 2019 • Schreibe einen Kommentar

Nachdem ab Anfang 1993 Opels neuer „Corsa“ (B) erhältlich war, folgte einige Monate darauf dessen Kastenwagen-Variante „Combo“ : ideal als Nutzfahrzeug etwa für kleine [sic!] Handwerkerbetriebe.
Tatsächlich hatte der inzwischen nicht mehr existente Schwabmünchener Reisemobil-Hersteller Bavaria-Camp die Idee, Opels Kleintransporter als umgebautes Mini-Wohnmobil anzubieten. Der sogenannte „Carissimo“ bekam in in Folge ein Hubdach verpasst, welches ausgefahren eher dämlich aussah und vermutlich auf etlichen Campingplätzen für Erheiterung sorgte – vielleicht auch für mitleidige Blicke. Angeblich sorgte es aber in diesem Bereich für eine maximale Stehhöhe von 185 Zentimetern.
Hinter den beiden Sitzen bot der „Carissimo“ rechtsseitig einen Küchenblock mit Spüle (Edelstahl), kleinem Wassertank sowie Gaskocher (zweiflammig); linksseitig eine Längssitzbank, welche als Bett in den Maßen 182x100cm ausklappbar war.
Wer genau als Zielgruppe des Mikro-Campers angepeilt war, ist schwer zu sagen. Studenten? Haben meist kein Geld. Obdachlose? Haben (vermutlich) erst recht kein Geld. Sogenannte Schlangenmenschen? Möglicherweise…
Besonders viele „Carissimo“ dürften sich aus offensichtlichen Gründen wohl nicht verkauft haben, zumal die Dinger inklusive „Campo“-Grundpreis ungefähr dreißigtausend Mark kosteten, mit allem Zubehör sogar noch einige tausend mehr. „Carissimo“ bedeutet im Italienischen unter anderem übrigens „sehr teuer“…
Ob noch irgendwo erhaltene Originalexemplare existieren ist unklar.

Opel-Historie: Fünfhunderttausend Fahrzeuge/Jahr (1963)

•15. Juni 2019 • Schreibe einen Kommentar

In den letzten Jahren vor der zwangsweisen Einstellung zumindest der Pkw-Fertigung 1940 war Opels Fahrzeugproduktion über einhunderttausend Einheiten/Jahr geklettert. Das war allerdings auch der zunehmend starken Nachfrage von Nutzfahrzeugen (Nfz) geschuldet – den Hintergrund kann man sich denken. Bevor im Rüsselsheimer Werk ganz auf Rüstungsprodukte umgestellt werden musste, lief immerhin noch der einmillionste Opel vom Band. Dazu hatte es mehrere Jahrzehnte gebraucht.
Die Nachkriegs-Produktionsaufnahme Ende der Vierziger Jahre war zunächst auch von Nfz dominiert. Doch bald kippte das Verhältnis zugunsten von Pkw – ein „Wirtschaftswunder“ inkl. zunehmender Massenmotorisierung kündigte sich an. Gerade mal acht Jahre nach Kriegsende war Opel wieder bei über hunderttausend Einheiten/Jahr angekommen – wer hätte das mitten im Bombenhagel jemals geglaubt…
Doch ein richtiger Kapazitätsschub wurde erst 1962 mit der Eröffnung des neuen Opel-Werks in Bochum ermöglicht. Der dort hergestellte künftige Opel-Klassiker „Kadett“ brachte das Traditionsunternehmen schließlich im Folgejahr erstmals auf gut eine halbe Million Einheiten/Jahr. Nfz spielten dabei übrigens kaum noch eine Rolle, deren Anteil lag klar unter drei Prozent.
Opels Sechziger-Jahre-Boom hatte begonnen.

Opel-Konzeptfahrzeuge: Corsa A „Eco 3“

•8. Juni 2019 • Schreibe einen Kommentar

1992, der Genfer Auto-Salon mal wieder. Opel präsentierte dortselbst nicht nur sein eher unschönes Konzeptfahrzeug „Twin“, sondern auch eine Spar-Studie des bereits am Ende seines Produktionszyklus angekommenen A-„Corsa“ – den „Eco 3“.
Ein gaaanz selbstständiges Konzeptfahrzeug war der „Eco 3“ vielleicht nicht, sondern eher eine in vielen Kleinigkeiten modifizierte Version des „Corsa“. Einige Karosserieteile wurden bündiger gebaut, die Übersetzung etwas in Richtung untertouriges Fahren verändert, Spezialpneus mit niedrigerem Rollwiderstand aufgezogen, der vorhandene 1,5-Liter Turbo-Diesel erhielt eine extra Kühlung verpasst und – last but not least – eine Start-Stop-Automatik wurde eingebaut. DAS war damals wirklich sehr modern, bei Kleinwagen erst recht.
Immerhin erbrachten die angewandten Maßnahmen eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs um ein Fünftel, das ist doch schon mal was. Was eine entsprechende Umsetzung für eine Serienfertigung an Mehrkosten bedeutet hätte ist unklar, die Vermutung: zu viel. Die im Zusammenhang mit dem „Eco 3“ erhaltenen Forschungsergebnisse dürften ansonsten in die allgemeine weitere Modellentwicklung eingeflossen sein usw. usf. etc.
Opels Öko-„Corsa“ steht heute vermutlich zusammen mit vielen, vielen anderen Opel-Konzeptfahrzeugen irgendwo in den Rüsselsheimer Katakomben herum.

Opel-Persönlichkeiten: Heinrich Bärsch

•1. Juni 2019 • Schreibe einen Kommentar

Typisch für Opel – wenigstens früher – war der teilweise jahrzehntelange Verbleib der Mitarbeiter im Unternehmen. Und zwar unabhängig davon, ob diese in Produktion oder Verwaltung tätig waren. Ein solch typisches Beispiel war auch der gebürtige Rüsselsheimer Heinrich Bärsch.
Bärsch machte zunächst eine Lehre als Bauhandwerker, die er mit Gesellen- und Meisterprüfung abschloss. Danach studierte er mit Abschluss der entsprechenden „Reifeprüfung“ in Darmstadt Architektur sowie Bauingenieurwesen.
1920 begann Bärsch bei Opel als Bausachbearbeiter. 1929 wurde er Assistent des Leiters der Abteilung Fabrikinstandhaltung, 1935 übernahm er dann selbst deren Leitung. In dieser Zeit war er unter anderem an den Planungen einer Hafenanlage samt Kraftwerk, etlichen Werkswohnungen und nicht zuletzt des neuen Lkw-Werks in Brandenburg/Havel maßgeblich beteiligt.
Auch nach dem Krieg formte er das architektonische Gesicht Opels als Leiter der Abteilung Bauwesen und Energieversorgung bzw. der Hauptabteilung Werksanlagen. Besonders markant wurde das Mitte der Fünfziger Jahre am Opel-Stammsitz entstandene, mit rotem Backstein verkleidete riesige Industriewerk K 40, welches er in einem Aufsatz als „modernstes Automobilwerk Europas“ bezeichnete – vermutlich zu Recht.
Heinrich Bärsch starb 1971 in Rüsselsheim.

Opel-Zukunft: Kleinstwagen-Aus?

•25. Mai 2019 • Schreibe einen Kommentar

Nur wenige Jahre ist es her, da präsentierte Opel mit „Umparken im Kopf“ nicht nur eine erfolgreiche Werbekampagne, sondern in Gestalt des neuen Lifestyle-Kleinstwagen „Adam“ auch höchst ansehnliche Tatsachen. Etwas später kam dann noch der „Agila“-Nachfolger „Karl“ als Opels Einstiegsmodell auf den Markt.
Bemerkung am Rande: Kleinstwagen mögen einigen Besitzern von Premium-Dienstfahrzeugen vielleicht lediglich ein müdes Lächeln abringen. Fakt ist aber, dass sie im überwiegenden Stadteinsatz ziemlich praktisch sein können, zudem ist diese Fahrzeugklasse auf anderen Märkten – etwa Südeuropa – erheblich populärer als hierzulande. „Smart“, „Mini“ oder der notorische Fiat „500“ verkaufen sich nicht ohne Grund konstant gut.
Wie auch immer – die Produktion des optisch wirklich gelungenen „Adam“ wurde in diesem Monat leider eingestellt, Neuwagen-Restbestände sind aber noch erhältlich. Der „Karl“ soll Ende des Jahres auslaufen, wobei man diese Entscheidung vielleicht noch eher verstehen kann. Denn dessen Produktion im fernen Korea plus Frachtkosten dürften die in dieser Klasse ohnehin schmalen Margen noch weiter gedrückt haben.
Beim stark individualisierbaren und in wahrlich großer Farbauswahl angebotenen „Adam“ sollen die Produktionskosten zu hoch gewesen sein. Zudem könnten auch die kommenden verschärften CO²-Flottenziele der EU bei dessen Aus eine Rolle gespielt haben. Entsprechende Technik in Fahrzeuge einzubauen kostet Geld und erhöht ergo den Preis. Was bei einem Mittel- oder Oberklassemodell nicht so ins Gewicht fällt, wäre bei einem Klein(st)wagen schon ein anteilig hoher Batzen.
Trotzdem: imagetechnisch ist zumindest das „Adam“-Aus ein Rückschlag, zumal es sogar eine eigene „Adam“-Rennserie gibt.
Ob unter der PSA-Ägide künftig überhaupt noch Modelle unterhalb des Klassikers „Corsa“ angeboten werden, ist also fraglich. Opels Fokus wird wohl auf dem weiteren Ausbau des SUV-Segments liegen – inzwischen ist mehr als jedes vierte neu zugelassene Auto ein SUV, Tendenz weiter steigend. Laut Internetgerüchten soll ein entsprechendes Einsteigermodell geplant sein, vielleicht wird das ja stylig mit einer elegant geschwungenen Dachlinie und heißt „Adam X“ . Wir hoffen’s.

Opel-Klassiker: 1,2 Liter „LG“-Version

•18. Mai 2019 • Schreibe einen Kommentar

Im Gefolge von GM-Übernahme und Weltwirtschaftskrise wurde Opels Modellpalette deutlich gestrafft sowie technisch überarbeitet. Zu Beginn der Dreißiger Jahre ging es dann wieder in Richtung behutsamer Ausweitung der Modellvarianten. So wagten sich die Rüsselsheimer mit ihren „Regent“ -Versionen der Modelle „1,8“ bzw. „1,2 Liter“ gar in Richtung (verhaltener) Luxusausstattung – allerdings ohne sonderlich großen Zuspruch.
Beim „1,2 Liter“ – der im Prinzip ja ein verkleinerter „1,8 Liter“ war – bot Opel zeitweise eine auf 2445mm verlängerte „Spezial-Limousine“ an. Diese wies im Antriebsbereich zwar keine Änderungen auf, kam aber immerhin mit Viergang-Schaltung angerollt.
Optisch erkannte man die knapp 16cm längere Version an ihrer bis an die Frontscheibe durchgezogenen Motorhaube, vier Türen sowie zwei zusätzlichen (kleinen) Seitenfenstern hinten.
Dieses auch als „12 LG“ (=1,2 Liter lang) bezeichnete Modell wurde nur 1933 gebaut und kostete ein paar hundert Mark mehr als ihr zweitüriges Pendant. Es gab auch eine Variante als „Cabrio-Limousine“ – mit Koffer (siehe Link)!
Spezifische „LG“-Stückzahlen sind nicht bekannt. Ob außer diesem Prachtexemplar noch andere überlebt haben bleibt ungewiss.