Opel-Historie: Telematikdienst „OnStar“

•19. Januar 2019 • Schreibe einen Kommentar

Die Vernetzung unseres Alltags ist inzwischen schon ziemlich weit – vielleicht auch schon zu weit – fortgeschritten, man kann sich die World-Wide-Web-lose Zeit kaum noch vorstellen. Dabei sah das Ganze vor zwanzig Jahren noch ganz anders aus. Bestes Beispiel dafür ist Opels Ende der Neunziger Jahre eingeführter Telematik-Service „OnStar“.
Dieser Service stammte eigentlich von Opels damaligem US-Mutterkonzern General Motors. Opel bot ihn zunächst beim „Corsa“ und „Omega“ an, allerdings mit merkbarem Aufpreis. Hinzu kamen ordentliche Grund- und Servicegebühren.
Möglich war das damalige „OnStar“-System zudem nur über bestimmte, mit Mobilfunkeinheit und Freisprecheinrichtung versehene Radiomodelle. Diese waren wiederum mit einer speziellen „OnStar“-Taste ausgestattet; per Knopfdruck konnte man so zur Servicezentrale verbunden werden. Selbige half (hoffentlich) freundlich und kompetent weiter, wenn es etwa um drohende Staus, Notfälle, Reiserouten oder auch aktuelle Veranstaltungen am Zielort ging (die jeweilige Fahrzeugposition wurde parallel zum Anruf per GPS übermittelt).
Nochmal zur Klarstellung: rein fernmündlich das Ganze, nicht etwa über ein Navidisplay. Mitte der Nullerjahre wurde „OnStar“ dann schon wieder abgeschaltet, vermutlich war das Preis-/Leistungsverhältnis etwa im „TomTom“ -Vergleich nicht so der Brüller.
Doch 2015 präsentierten die Rüsselsheimer eine Reloadedversion. Naturgemäß mit etlichen Verbesserungen wie etwa schneller Internetverbindung, Fahrzeuglokalisierung im Falle eines Diebstahls, Fahrzeugdiagnose und sogar ferngesteuerter Türöffnung im Falle eines im Wagen vergessenen Schlüssels.
Nichts für Überwachungsparanoiker, ansonsten aber recht praktisch – doch bald ist es schon wieder vorbei mit Opels „OnStar“, denn vom Verkauf an die Groupe PSA ist auch der Telematikdienst betroffen. Rien ne va plus heißt es voraussichtlich 2020, „Opel Connect“ nennt sich der Nachfolger.

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Opel-Unikate: Kadett Vignale Spider/Coupé

•12. Januar 2019 • Schreibe einen Kommentar

Nicht lange, bevor Opels Klassiker „Kadett A“ von der „B“-Version abgelöst wurde, präsentierte der in Turin beheimatete Karosseriebauer Vignale auf dem 1965er Genfer Auto-Salon ein ziemlich schönes Cabriolet, welches auf dem „A“ basierte.
Dessen Opel-Ursprung war dabei optisch so gut wie überhaupt nicht mehr erkennbar, frontal erinnert der „Kadett Vignale Spider“ ein wenig dem im selben Jahr vorgestellten „Glas V8“ . Die Linienführung ist ansonsten in klassischer Cabioletform gehalten, gaanz leichter Hüftschwung inklusive.
Ob Opel damals überhaupt viel von diesem hübschen kleinen Zweisitzer mitbekam ist unklar. Offenbar und seltsamerweise war die Resonanz nicht besonders, denn Vignale baute den „Spider“ alsbald zu einem ebenfalls recht gelungenen Coupé um und präsentierte dieses auf dem Turiner Autosalon im gleichen Jahr.
So – und das war’s dann anscheinend. Es kam nie zu einer Serienproduktion und auch nicht zu einem nachvollziehbaren Design-Einfluss auf die Rüsselsheimer. Das ist rückblickend wirklich sehr, sehr schade, auch wenn es gegen die serienmäßigen „Kadett“-Modellversionen an sich ja gar nichts zu sagen gibt. Aber eine Verwirklichung dieser Entwürfe, eventuell auch nur als Kleinserie, hätte Opel durchaus gut zu Gesicht gestanden – gerade weil sie vom Standardmodell eben so klar abweichen.
PS Das Fahrzeug soll angeblich noch in Privathand existieren, Zustand unklar.
Links: Bilder beider Versionen auf carstyling.ru
Bilder beider Versionen auf coachbuild.com

Opel-Veredler: Wendler (Reutlingen)

•5. Januar 2019 • Schreibe einen Kommentar

Bekanntlich präsentierte Opel 1935 als erster deutscher Hersteller einen Großserienwagen mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie – ohne Zweifel eine Revolution im Fahrzeugbau. Wie so häufig hatte auch diese Neuerung eine Schattenseite, denn nach und nach erwischte es etliche unabhängige Karosseriebauer, da der Markt für eigene Aufbauten zunehmend wegbrach.
Einer der ältesten, wenn nicht sogar der älteste Karosseriebauer Deutschlands war die Firma Wendler aus Reutlingen. Bereits 1840 gegründet, starteten die Schwaben klassisch als Wagenbauer. Vergleichsweise spät, nämlich erst um 1920, begann Wendler mit dem Karosseriebau für Pkw. Bis zum Krieg entstanden vermutlich nur gut dreihundert Exemplare, darunter viele Unikate und Cabriolets. Häufig wurde in Stromlinienform gebaut.
Sämtliche Entwürfe stammten von Helmut Schwandner. Wendler-Umbauten gab es für fast alle deutschen Hersteller von Rang und Namen, darunter BMW, Adler, Wanderer, Mercedes und sogar die Luxusmarke Horch.
Wie viele Opel Wendler umbaute ist unklar, es gab aber immerhin eine „Jagdwagen“ -Ausführung des Opel-Klassikers „P4“ mit verlängertem Heck und Stollenreifen. Waidmannsheil!
Nach dem Krieg wurden die Aufträge spärlicher, immerhin entstanden bei Wendler auch einige Exemplare der Sportwagen-Ikone Porsche „550 Spyder“.
Irgendwann in den Fünfziger Jahren war es dann vorbei mit dem Karosseriebau, Wendler fokussierte fortan hauptsächlich auf Oldtimer-Restaurationen sowie Panzerung von Fahrzeugen. Im Jahre 2000 kam die Insolvenz und damit das Aus.

Opel 2018 – mal eine erste Bilanz

•29. Dezember 2018 • Schreibe einen Kommentar

Nachdem das erste komplette Opel-Jahr unter PSA-Ägide so gut wie vorüber ist, soll hier mal ein erster Überblick gewagt werden. Alsdann!
Die vermutlich wichtigste Opel-Meldung des Jahres erfolgte im Sommer – und es war eine erfreuliche. Im ersten Halbjahr soll Opels Betriebsergebnis (ohne Einmalbelastungen) gut 500 Millionen im Plus gelegen haben. Chapeau! Hoffentlich hielt sich das auch für HJ zwo.
Und damit gleich zum Thema Verkaufszahlen – die lagen in Europa nämlich bislang klar unter denen des Vorjahres (Quelle: http://carsalesbase.com/european-car-sales-data/opel-vauxhall/ ). Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein, sondern kann auch an einer reduzierten Zahl von Eigenzulassungen gelegen haben. Marge ist wichtig, nicht unbedingt Masse.
Richtig interessant wird zukünftig auf jeden Fall der Anteil von Opels europäischen Verkaufszahlen im Verhältnis zu den restlichen Märkten, da sollen ja einige Länder neu bzw. wieder bedient werden. Inwieweit der anstehende „Brexit“ Auswirkungen für Opels (Vauxhalls) Produktion bzw. Gewinne haben wird, ist auch noch unklar.
In Deutschland lag Opel zwischen Januar und November 2018 mit 6,6% Marktanteil leider nochmal unter dem eh bescheidenen 2017er Wert. Aufpassen müssen die Rüsselsheimer hier vor allem beim ewigen Opel-Klassiker „Astra“, welcher im Vergleich zu früheren Jahrzehnten gegenüber Volkswagens „Golf“ bzw. dessen artverwandten Konzernmodellen schon arg zurückgefallen ist. Entsprechend der wirklich gelungene „Insignia“ gegenüber „Passat“, Audi, Mercedes & Co. Man kann sich’s eigentlich kaum erklären.
Opels Negativnachricht des Jahres war sicher die vom Teilverkauf seines Entwicklungszentrums. Begründet wurde dies vor allem mit dem Wegfall von Aufträgen seitens des früheren Eigners GM.
Im Modellbereich gab es leider auch einige – mehr oder weniger heimliche – Kahlschläge zu vermelden. Der erst im Vorjahr als stärkstes „Insignia“-Aggregat eingeführte 260-PS-Turbo verschwand schon wieder aus dem Motorenangebot. Hintergrund waren sicherlich mal wieder die künftigen verschärften EU-Abgasnormen.
Der schnittige „Astra“-Zweitürer „GTC“ scheint nunmehr ebenso das Zeitliche gesegnet zu haben wie dessen noch schnittigere „OPC“-Version – wirklich sehr bedauerlich. Ersetzen „GSi“ künftig die „OPC“ ? Es scheint so.
Weitere Modellstreichungen dürften folgen: gerüchteweise werden „Cascada“, „Karl“ sowie der Imageträger „Adam“ im kommenden Jahr auslaufen. Zumindest in letzterem Fall ist das etwas verwunderlich, sollen doch die Entwicklungskosten des kommenden „Corsa“ dank PSA-Plattformverwendung um sensationelle 50% reduziert worden sein. Da hätte sich ein neuer „Adam“ ja vielleicht ähnlich günstig kreieren lassen…
Stichwort neue Modelle: 2018 erschien ein neuer „Combo“ und gewann zusammen mit seinen PSA-Schwestermodellen immerhin gleich den (2019er) „Van of the Year“-Preis. Nett.
Neu war auch die aufregende Opel-Studie „GT X Experimental“ , welche von manchen schon als optische Blaupause für etwa einen kommenden „Mokka X“ gesehen wird. Mal abwarten – an begeisternden Designstudien hat es bei den Rüsselsheimern in den letzten Jahrzehnten wohl kaum gemangelt.
Last but not least feierte das Team HP Racing International den Gesamtsieg der ADAC TCR Germany Serie – Siegerfahrzeug war ein „Astra TCR“ . Man wird sehen, inwieweit Opels (mittelbare) Rennsportaktivitäten künftig auch dem Konzernprofit untergeordnet werden.

Opel-Klassiker: Astra „G“ OPC

•22. Dezember 2018 • Schreibe einen Kommentar

Als Ende der Neunziger Jahre die neue „G“-Version des Opel-Klassikers „Astra“ ihren Vorgänger ablöste, gab es bei der Benennung der sportlichsten Ausgabe eine kleine Zeitenwende: aus „GSi“ wurde „OPC“. Selbige vom „Opel Performance Center“ entwickelte Version bekam unter anderem eine etwas bulligere Optik verpasst, stärkere Bremsen, ein modifiziertes und tiefer gelegtes Fahrwerk, Recaro-Sportsitze sowie einen im Vergleich zum 136-PS-Basisaggregat auf 160 Pferde gesteigerten Motor, welcher den kleinen Renner auf immerhin 220 Spitze brachte.
Jene erste „OPC“-Version des „G“ erschien in mehreren Karosserievarianten inklusive einer Caravan-Ausgabe. Allerdings war die Produktion insgesamt auf dreitausend Exemplare limitiert.
Im Herbst 2002 verschärften die Rüsselsheimer das Teil dann endlich, die überarbeitete (und unlimitierte) Zweitausgabe kam nun zunächst mit 192, bald darauf 200 PS an den Start und bot zudem ein erheblich besseres Drehmomentband. Außerdem wurden Fahrwerk und Bremsen abermals optimiert. Damit war der „OPC“ nun auch definitiv fit genug für ein paar flotte Runden auf der legendären Nürburgring-Nordschleife – wo die entsprechenden Prototypen im Übrigen sowieso ausgiebig getestet worden waren.
Gebrauchte Exemplare sind zunehmend selten und weisen meist hohe Laufleistungen auf. Zudem müssen Interessenten aufpassen, dass die angebotenen „OPC“-Astra tatsächlich entsprechend motorisiert sind und nicht bloß lediglich in der Ausstattungslinie „OPC Line“ daherkommen.
Astra-„G“-typisch bis inklusive Baujahr 2003 ist leider auch das Thema Rostbefall.

Opel-Historie: Joint Venture in Kikinda/Jugoslawien

•15. Dezember 2018 • Schreibe einen Kommentar

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderten sich die politischen Verhältnisse in Europa gravierend – der Kontinent wurde politisch geteilt, ein sogenannter „Eiserner Vorhang“ trennte Ost- und Westeuropa für Jahrzehnte. Aber es verblieben auch einige wenige, überwiegend zum Westen tendierende neutrale Staaten. Irgendwo in der West-Ost-Mitte verharrte Jugoslawien.
Das „realsozialistische“ Vielvölkerland war zwar keine Demokratie, distanzierte sich aber immerhin klar von der Sowjetunion. Im Bereich der Wirtschaftspolitik hielt sich Jugoslawien halbwegs offen, es existierten sogar Privatbanken.
Und es gab Kooperationen mit westlichen Firmen, sogenannte Joint Ventures. Unter anderem eines mit Opels damaligen Mutterkonzern General Motors, welcher 1977 nach mehrjähriger Zusammenarbeit einen Fünfzehnjahresvertrag mit einer Gießerei im heute serbischen Kikinda abschloss.
Das neu gegründete Gemeinschaftsunternehmen nannte sich IDA (=Industrija Delova Automobila, frei übersetzt etwa ‚Autoteile Industrie‘), GM hielt 49% der Anteile. Fortan produzierte IDA teilweise bzw. komplett gefertigte Teile für Opel, im Gegenzug lieferten die Rüsselsheimer Fahrzeugbestandteile zur Endmontage vor Ort.
Die betroffenen Modelle waren „Kadett“ , „Ascona“ (als „Askona“), „Corsa“ , „Omega“ , „Vectra“ (als „Vektra“) sowie „Senator“ (als „Kikinda“). Alle bekamen ein zusätzliches IDA-Emblem an den Kühlergrill verpasst.
Aufgrund der UN-Sanktionen gegen die Nachfolgerepublik BR Jugoslawien endete das Joint Venture 1992 vorzeitig. Insgesamt soll ein Handelsvolumen von gut einer Milliarde DM erzielt worden sein.

Opels „Van of the Year“-Auszeichnungen

•8. Dezember 2018 • Schreibe einen Kommentar

Anfang der Neunziger Jahre ward mal wieder eine Auto-Auszeichnung ins Leben gerufen, in diesem Falle konkret für leichte Nutzfahrzeuge. Eine niederländische Mediengruppe lobte den „International Van of the Year Award“ aus, der Sieger wird alljährlich von über zwei Dutzend meist europäischen Fachzeitschriften auserkoren.
Kann es Zufall sein? Die Gewinner waren bislang ebenfalls fast immer europäische Hersteller… Opel ist darunter leider eher wenig vertreten, immerhin belegten der „Campo“ einmal den dritten sowie der „Combo“ zweimal den zweiten Platz.
Den ersten Platz erreichten die Rüsselsheimer erstmals 1999 mit dem (fast ausschließlich auf ausländischen Märkten angebotenen) „Opel Astra Van II“ . Drei Jahre darauf schaffte der „Vivaro“ ebenfalls den Gesamtsieg.
Es folgte eine laange Durststrecke, bis jüngst der brandneue „Combo“ zusammen mit seinen PSA-Schwestermodellen Peugeot „Partner“ / Citroen „Berlingo Van“ den 2019er-Preis abräumte. Die Kooperation mit der neuen Mutterfirma trägt also erste Früchte. Glückwunsch!