Opel-Erfolge: cw-Bestwert für Limousinen (1984)

•1. Mai 2021 • Kommentar verfassen

Spätestens seit der zweiten Ölpreiskrise 1979 war das Thema Spritsparen zum Muss für alle Automobilhersteller geworden. Abgesehen von verbesserten Motoren und Gewichtseinsparungen war hier auch der Bereich Windschnittigkeit relevant und fand somit zwangsläufig Einfluss in die Gestaltung der Modelle.

Mit der 1984 präsentierten „E“-Ausgabe des Opel-Klassikers „Kadett“ kamen etliche Neuerungen. Sehr viele Modellvarianten, eine reichhaltige Motorenauswahl sowie eine im Vergleich zur eher kantigen Vorgängerversion deutlich rundere Formensprache sorgten dafür, dass der „E“ zum dato bestverkauften Opel.Modell avancierte.

Außerdem überraschte der „E“ mit dem inoffiziellen Rekord eines cw-Weltmeisters. Denn dessen schnittige (und schnelle) „GSi„-Variante erreichte einen Luftwiderstandsbeiwert (cw-Wert) von gerade mal 0,30 – das bedeutete neuen Bestwert für Serien-Limousinen! Möglich machte es der kleine „GSi“-Heckspoiler, die normale Limousine lag um 0,02 Punkte höher.

Zum Vergleich: der aktuelle „Astra“ (K) liegt heute, knapp vierzig Jahre danach, auch ’nur‘ bei einem cw-Wert von 0,28 – der „Kadett“ (E) war im Bereich Aerodynamik also schon richtig gut.

Opel-Veredler: Döbelner Karosseriewerke

•24. April 2021 • Kommentar verfassen

Als Opel zu Beginn der Dreißiger Jahre mit seinem künftigen Lkw-Klassiker „Blitz“ einen vollen Erfolg landete, hatte das auch Auswirkungen auf den Omnibusbau. Denn dessen gut sechzig PS starker Motor hatte natürlich genug Power, um auch für Busse als Antriebsaggregat zu wirken.

Fahrgestell und Motor dieser Busse stammten dabei von Opel, die jeweiligen Aufbauten von verschiedenen Herstellern. Einer davon waren die in Mittelsachsen gelegenen Döbelner Karosseriewerke (DK), welche erst 1929 gegründet worden waren. Offenbar war die Omnibusnachfrage gut, laut Homepage der heutigen Nachfolgefirma nahm die DK-Mitarbeiterzahl bis zum Kriegsbeginn stetig zu.

Im Krieg selbst wurden vorrangig Sanitätsfahrzeuge hergestellt, nach Kriegsende dann unter anderem wieder Karosserieaufbauten. In den Siebziger Jahren wurde der Betrieb in das DDR-Kombinat VEB Kraftfahrzeuginstandhaltung Döbeln (VEB KIH) überführt.

Seit der deutschen Wiedervereinigung hat sich das inzwischen als RKB firmierende Unternehmen wieder auf seine ‚klassische‘ Thematik (Sonder-)Fahrzeugaufbauten fokussiert.

Ob noch erhaltene Exemplare der DK-Opel existieren ist fraglich, denn leider wurden im Zweiten Weltkrieg zivile Omnibusse aller Art sehr gerne von der Wehrmacht requiriert und früher oder später durch Kriegseinwirkungen zerstört.

Homepage der Firma RKB: https://www.rkb.de/

Opel-Derivate: Chevrolet Vectra (Chile)

•17. April 2021 • Kommentar verfassen

Seit zehn Jahren ist Opel ja wieder offiziell in Chile präsent, als aktuelle Modelle haben die Rüsselsheimer dabei unter anderem ihre recht zeitgeistigen SUV „Crossland“ und „Grandland“, welche nicht mehr auf einer GM-Plattform basieren, im Angebot.

Stichwort GM: de facto bekamen Chilenos zumindest ein Opel-Modell auch schon ab Ende der Neunziger Jahre, den „Vectra“ nämlich. Dessen „B“- und „C“-Ausgaben wurden in Chile äußerlich beinahe unverändert als „Chevrolet Vectra“ offeriert, die „B“ kamen dabei aus einem brasilianischen Werk, die „C“ wieder aus Europa.

Verwirrend? Es geht noch weiter: der „Vectra“-Nachfolger „Insignia“ kam auch nach Chile, behielt aber zunächst den Chevrolet-Modellnamen bei, um dann doch als „Opel Insignia“ vermarktet zu werden. Besonders gut lief es wohl nicht, nach wenigen Jahren wurde der Verkauf eingestellt.

Hoffen wir mal auf bessere südamerikanische Zeiten. Venceremos!

Opel-Klassiker: Astra (H) Caravan

•10. April 2021 • Kommentar verfassen

In den Neunziger Jahren begann Opels Image zeitweise zu bröckeln – und dies im wahrsten Sinne des Wortes, denn viele Fahrzeuge hatten ein Rost-Problem. Hauptursache dürften die einige Jahre zuvor eingeführten knallharten Kostenreduktionsmaßnahmen des zeitweiligen Opel-Einkaufschefs José Ignacio López de Arriortúa gewesen sein.

Erst zu Beginn des neuen Jahrtausends bekamen die Rüsselsheimer das Rost-Problem wieder in den Griff. Bester Beweis dafür ist die „H“-Generation des Opel-Klassikers „Astra“, welche ab 2004 vom Band lief. Nicht zuletzt deren Caravan-Version ist noch halbwegs häufig anzutreffen.

Der erschwingliche „H“-Caravan war vermutlich deshalb so beliebt, weil er über 1550 Liter Stauraum fasste, unprätentiös aussah sowie ein reichhaltiges Motorensortiment zur Auswahl bot – der stärkste Benziner kam immerhin mit 200 PS angerollt. Der solide Eindruck trog nicht, Verarbeitung und Rostschutz waren tatsächlich deutlich besser als bei den beiden Vorgängermodellen.

Lässt nix anbrennen: Opel-Klassiker Astra H Caravan als Einsatzfahrzeug der Haarlemer Feuerwehr

Lässt nix anbrennen: Opel-Klassiker Astra H Caravan als Einsatzfahrzeug der Haarlemer Feuerwehr

Das aktuelle Gebrauchtwagenangebot der „H“-Caravans ist noch recht gut, die aufgerufenen Preise sind günstig – es ist und wird eben kein klassisches „Youngtimer“-Modell. Allerdings weisen viele der angebotenen Fahrzeuge schon ziemlich hohe Laufleistungen auf. Aber das ist eben auch ein Beleg für ordentliche Verarbeitungsqualität.

Opel-Historie: Erste GM-Kontaktaufnahme (~1926)

•3. April 2021 • Kommentar verfassen

Nachdem Opel zu Beginn der Zwanziger Jahre erhebliche Summen in einen neuen, für die moderne Fließbandfertigung geeigneten Maschinenpark investiert hatte, kam die Bewährungsprobe – und gelang. Der als erstes deutsche Auto entsprechend hergestellte „Laubfrosch“ wurde ein Erfolg. Und überhaupt schien die wirtschaftliche Lage Mitte der Zwanziger Jahre wieder glänzende Aussichten zu versprechen.

Doch Opels Gewinnmargen waren nicht üppig und vieles am wirtschaftlichen Aufschwung der „Goldenen Zwanziger“ war kreditfinanziert, stand also latent auf wackeligen Füßen. Wilhelm von Opel scheint eine Ahnung vom kommenden ökonomischen Ungemach gehabt zu haben, als er General Motors 1926 streng vertraulich kontaktierte.

Hintergrund war sicher der Wunsch nach verstärkter Zusammenarbeit, denn technisch bessere amerikanische Automodelle drangen massiv in den deutschen Markt ein. Allerdings fehlte den US-Autobauern die Erfahrung im Bereich der Kleinwagen. Interessantes Detail: erst im Vorjahr hatte GM den englischen Hersteller Vauxhall, die künftige Schwestermarke Opels, erworben. Inwieweit dies einen Ansporn für die Kontaktaufnahme Wilhelms darstellte bleibt aber spekulativ.

Wie auch immer, zunächst hatte er keinen Erfolg, blieb aber am Ball. Und nachdem sich nur wenige Jahre später die deutschen Zollbestimmungen drastisch zum Nachteil von Importfahrzeugen änderten, entschied sich GM dann doch zum Kauf eines kontinentalen Automobilherstellers – Opel. Wilhelms proaktive Kontaktaufnahme hatte sich ausgezahlt.

Opel-Zukunft: Mittelfristiges Aus für Ellesmere Port?

•27. März 2021 • Kommentar verfassen

Ende letzten Jahres kündigte Großbritanniens Premier Boris Johnson an, dass neue Autos mit reinen Verbrennungsmotoren bereits ab 2030 im Land nicht mehr verkauft werden dürfen – einige Hybridmodelle seien davon vorerst ausgenommen. Hintergrund ist natürlich der Klimawandel und das damit verbundene Ziel, den CO²-Ausstoß drastisch zu reduzieren.

In diesem Zusammenhang äußerte sich Stellantis-Chef Carlos Tavares vor einigen Wochen zum Thema Werkszukunft für den englischen Vauxhall-Standort Ellesmere Port. Dort werden seit den Sechziger Jahren die Klassiker „Kadett“ & „Astra“ gefertigt. Da der kommende „Astra“ außer in Rüsselsheim nur noch in einem anderen Werk hergestellt werden soll, wurde es sowieso etwas enger für Ellesmere Port.

Nun aber erklärte Tavares, dass im Zusammenhang mit dem geplanten Verbrennerverbot auf der Insel entsprechende Investitionen nur noch auf dem Kontinent Sinn machten – womit er zweifellos recht hat. Ergo bleiben nur noch die Alternativen Schließung oder Umstellung auf die Produktion von reinen Elektrofahrzeugen. Hier steht Ellesmere Port nach der PSA-FCA-Fusion aber ebenfalls in Konkurrenz zu mehreren kontinentalen Stellantis-Werken.

Das Brexit-Chaos dürfte hierbei sicher nicht für den englischen Standort sprechen. Und ob sich die teuren E-Autos überhaupt so durchsetzen werden wie es politisch gewollt ist bleibt sowieso abzuwarten.

Vielleicht helfen ja staatliche Subventionen bei der Standortentscheidung…

Opel-Auszeichnungen: TÜV-Dauersieger Adam

•20. März 2021 • Kommentar verfassen

Seit der PSA-Übernahme sind Opels Geschäftszahlen wieder in die Gewinnzone gewandert – sicher auch aufgrund von „Synergieeffekten“. Inwieweit sich selbige auch auf die Verarbeitungsqualität auswirken (werden), kann man jetzt noch nicht sagen. Ein guter Indikator hierfür wäre auf jeden Fall der jährlich veröffentlichte TÜV-Mängelreport.

Aktuell sieht es jedenfalls ganz gut aus für Opel, denn bei den untersuchten zwei- bis dreijährigen Fahrzeugen holten sich die Rüsselsheimer in der 2021er Wertung vielleicht etwas überraschend Platz 1 in der Mittelklasse: der „Insignia“ war hier das Modell mit den wenigsten gravierenden Mängeln (2,2%).

Und in der Kleinstwagenklasse gewann der inzwischen leider eingestellte „Adam“ gar zum vierten Mal in Folge die Wertung (3,7% hatten gravierende Mängel). Damit ist der Dauer-„Mängelzwerg“ eindeutig ein Gebrauchtwagentipp!

Beide Modelle stammen allerdings noch aus der GM-Ära. Was definitiv ein bisschen Sorgen machen sollte: Fiat-Modelle, speziell der „500“, sind des öfteren bei den Fahrzeugen mit den meisten Mängeln aufgeführt. Klischee und Wirklichkeit liegen eben manchmal gar nicht so weit auseinander…

Da die Megafusion zwischen der PSA-Gruppe und FiatChrysler inzwischen durch ist, könnten hier eventuelle Qualitätsprobleme dräuen.

Opel-Persönlichkeiten: Alexander Lippisch

•13. März 2021 • Kommentar verfassen

Nachdem die Reichsbahn weitere RAK-Starts verboten hatte, verlagerte Fritz von Opel seine RAK-Experimente in die Luft. Da die Anbringung von Raketen an einem normalen Flugzeugheck aus Sicherheitsgründen nicht möglich war, suchten Fritz von Opel und August Sander nach einem geeigneten Flugzeug. Fündig wurden sie bei Alexander Lippisch, dem Leiter des Konstruktionsbüros der „Rhön-Rossitten-Gesellschaft“ , einem auf der hessischen Wasserkuppe angesiedelten Segelflugverein.

Lippisch war seit einigen Jahren im Bereich von Gleit- und Segelflugzeugen mit teilweise recht innovativen Konstruktionen aufgetreten. Unter anderem hatte er kleine Flugzeuge in der sogenannten Entenflügler-Bauweise konstruiert, deren Besonderheit das vor den Tragflächen befindliche Höhenleitwerk war. Der in München geborene Lippisch erklärte sich nach entsprechenden Gesprächen dazu bereit, ein für Raketenstarts entsprechend modifiziertes Modell zu konstruieren. Heraus kam die „Lippisch-Ente“ , welche 1928 bei ihrem zweiten Startversuch – natürlich auf der Wasserkuppe – auch tatsächlich fast eineinhalb Minuten flog. Damit war der erste bemannte (und de facto von Opel finanzierte) Raketenflug der Welt gelungen. Der dritte Start endete dann allerdings mit einem Brand und der Zerstörung der „Ente“.

Für weitere raketengetriebene Flugversuche wandte sich Fritz von Opel an andere Konstrukteure, was den historischen Erfolg der „Ente“ und damit auch Lippischs aber nicht schmälert. Er ging später nach Darmstadt und Ende der Dreißiger Jahre zu Messerschmitt, wo er an der Entwicklung von militärischen Raketenflugzeugen sowie schwanzlosen Flugzeugen beteiligt war. Nach Kriegsende wurde er wie viele weitere deutsche Wissenschaftler im Rahmen der sogenannten „Operation Paperclip“ in die USA gebracht, wo er weiter im Bereich Flugzeugkonstruktion und -forschung arbeitete. Er starb 1976 in Cedar Rapidas/Iowa.

Opel-Historie: Erster OHC-Motor (1979)

•6. März 2021 • Kommentar verfassen

Ende der Siebziger Jahre war Opel noch bestens im Geschäft, von der entfallenen K.A.D.-Reihe mal abgesehen. Das lag unter anderem an solider Technik, einem guten Preis-Leistungsverhältnis und an einer großen Auswahl an Motorenvarianten.

1979 kam ein ganz neuer Motor hinzu: Opels Klassiker „Ascona“ erhielt ein komplett neu entwickeltes 1.3-Liter-Aggregat, dessen Ventile nicht mehr durch die Opel-typische CIH-Technik gesteuert wurden, sondern mittels obenliegender Nockenwelle (OHC). Zudem bestand dessen neuer Querstrom-Zylinderkopf aus Leichtmetall und nicht mehr aus Grauguss, das sparte ordentlich Gewicht.

Diese neue, nicht zuletzt auch spritsparende Motorengeneration setzte sich in den Folgejahren allmählich bei Opel durch, die CIH-Technik blieb in einigen wenigen Modellen parallel noch weiter bestehen.

Opel-Nutzfahrzeuge: „Blitz Hub-Transporter“

•27. Februar 2021 • Kommentar verfassen

Der in den Dreißiger Jahren (zunächst) wieder auflebende Trend zur individualisierten Fortbewegung per Automobil brachte dem mit Abstand größten deutschen Autobauer Opel naturgemäß bald gute Geschäfte. Ergo war auch die Produktion ordentlich ausgelastet. Problem: der innerbetriebliche Warentransport nahm entsprechend zu.

Gerade das Rüsselsheimer Werkgelände war (und ist) sehr weitläufig. Für größere Transporte nutzte man natürlich die Werksbahn, aber die war schienengebunden und konnte nicht in einzelne Hallen hinein, schon gar nicht in höhere Etagen. Abhilfe schuf die Entwicklung eines eigenen „Hub-Transporters“ (Schreibweise unterschiedlich), die (laut Quelle „Opel-Post“ 12/76) vom langjährigen Opel-Mitarbeiter Heinrich Müller initiiert wurde.

Bei dem Gefährt handelte es sich um einen ungefähr dreieinhalb Meter langes Fahrzeug, welches Behälter mit Fahrzeugteilen übereinander gestapelt aufnehmen und transportieren konnte. Maximale Zuladung immerhin drei Tonnen. Der Fahrer saß dabei quer zur Fahrtrichtung gleich hinter dem Motor. Letzterer war zunächst ein 1.3, später ein 1.5-Liter-Benziner, beide vermutlich aus dem „Olympia“ stammend.

Das Teil dürfte ordentlich Lärm gemacht haben, soll dank Allradlenkung aber sehr wendig sowie sehr zuverlässig gewesen sein. Das sprach sich herum, etliche Exemplare wurden bald auch an externe Firmen verkauft, etwa die Post. Nach zwischenzeitlicher kriegsbedingter Produktionseinstellung waren die „Hub-Transporter“ – später mit anderen Motoren versehen – beim Wiederaufbau der zerstörten Rüsselsheimer Opel-Produktionsanlagen sehr hilfreich und auch sonst bis mindestens in die Siebziger Jahre hinein solide im Dienst. R.I.P.