Opel-Historie: Kriegsbedingter Nähmaschinen-Aufschwung (1866 & 1870/71)

•24. September 2022 • Kommentar verfassen

Die Startphase der Opelschen Nähmaschinenfabrik war sicher hart und mühsam. Produktion in einem ehemaligen Kuhstall, Fertigung in Handarbeit, zugeliefertes Rohmaterial in teilweise schlechter Qualität. Doch Adam Opels Nähmaschinen verkauften sich bald auch im etwas weiteren Umland – sie waren gut.

Richtig ab ging es aber vor allem aufgrund mehrerer Umstände: zunächst durch den Preußisch – Österreichischen Krieg 1866. Uniformen mussten geschneidert werden und zwar schnell, es brauchte Nähmaschinen. Adam Opel musste gar zukaufen, um die hohe Nachfrage überhaupt decken zu können, der Laden brummte.

Und zum Glück fand sich im Folgejahr ein geräumiges Grundstück, auf dem die neue, dringend benötigte Fabrikanlage errichtet werden konnte. Es war zudem recht praktisch in der Nähe des Rüsselsheimer Bahnhofs gelegen, was dem späteren Automobilbauer noch sehr nützlich werden sollte.

1870 folgte der nächste, erneut kriegsbedingte Boom. Diesmal war es der Deutsch – Französische Krieg, welcher Uniformbedarf hatte. Adam Opel soll hierfür eine Spezialnähmaschine konstruiert haben, die sich naturgemäß bestens verkaufte. Ob es davon noch erhaltene Exemplare gibt?

Opel-Derivate: Buick/Chevrolet Sail

•17. September 2022 • Kommentar verfassen

Unlängst nachdem in Europa die dritte Generation des Opel-Klassikers „Corsa“ angelaufen war, kam im fernen China ein auf dem just abgelösten Vorgänger basierendes Kleinwagenmodell auf den Markt, nämlich der Buick „Sail“. Produziert wurde dieser von SAIC GM, einem Joint-Venture zwischen Opels damaligem Mutterkonzern General Motors und der staatseigenen chinesischen SAIC Motor Corporation.

Der „Sail“ basierte unschwer erkennbar auf der B-Karosse des „Corsa“, wurde nun aber nicht als knuffiger Zweitürer, sondern jeweils viertürig als Limousine oder Kombi sowie – wiederum zweitürig – als kleiner und sicherlich nicht unpraktischer Kastenwagen angeboten. Im Prinzip war letzterer eine Abart des B-„Combo“, allerdings wie alle „Sail“-Versionen nicht mit Opel-Aggregaten motorisiert.

2005 wurde die Marke Chevrolet auf dem chinesischen Markt eingeführt und der „Sail“ fortan unter deren Logo angeboten, kleines Facelift inklusive. 2010 erschien die zweite Generation des Chevrolet „Sail“ als komplette chinesische Neuentwicklung ohne Opel-Gene.

Link: Bild des Buick Sail als Limousine auf favcars.com

Opel-Persönlichkeiten: Helmut Schmidt

•10. September 2022 • Kommentar verfassen

Er war selbst bei Nichtrauchern populär und galt als pragmatischer Realpolitiker: der vor einigen Jahren im hohen Alter verstorbene Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt. Ob er eine besondere Beziehung zu Opel-Autos hatte oder nicht, können wir nicht sagen – aber mutmaßlich schätzte er deren Zuverlässigkeit.

Denn bereits Mitte der Sechziger Jahre unternahm der damals aufstrebende SPD-Politiker nebst einigen Begleitern eine mehrwöchige Autofahrt durch Osteuropa. Hintergrund war der Versuch, einen politischen Dialog mit den hinter dem „Eisernen Vorhang“ gelegenen Ostblockländern zu beginnen.

Die Fahrt führte unter anderem nach Warschau, Moskau und Leningrad und endete in Helsinki, zurück ging es mit der Fähre. Unterwegs war Schmidt dabei mit einem Opel „Rekord“ , welcher die eher bescheidene osteuropäische Straßenqualität offenbar klaglos überstand. Was aus dem Fahrzeug wurde ist nicht bekannt.

Etliche Jahre später, Schmidt war inzwischen Elder Statesman und schon Anfang siebzig, wurde nochmal ein Opel angeschafft. Denn 1991 kauften die Schmidts einen „Kadett“ (E) Gsi – etwas altersuntypisch, das Modell war vor allem bei ’sportlichen‘ Fahrern recht populär und schaffte knappe 200 Spitze. Die Schmidts benutzten den zwischenzeitlichen Opel-Klassiker fünf Jahre. Das Fahrzeug ist inzwischen wieder im Opel-Besitz und wird bisweilen auf Oldtimer-Fahrten präsentiert.

Opel und der Abgasskandal – eine Einschätzung

•3. September 2022 • Kommentar verfassen

Nur wenige Jahre ist’s her, als Deutschlands größter Automobilhersteller, die Volkswagen AG, dabei erwischt wurde, die Abgas-Grenzwerte einiger ihrer Dieselmodelle künstlich herunterzumanipulieren, um entsprechende Normen einhalten zu können. Betroffen waren auch Motoren von Tochtergesellschaften wie etwa Audi, weltweit ging es um mehrere Millionen Fahrzeuge. Eine Klagewelle rollte an und ist immer noch nicht abgeschlossen. Bußgelder in Milliardenhöhe wurden verhängt, der Schaden für die betroffenen Autobesitzer alleine schon wegen des Wertverlustes war und ist gigantisch.

Auch andere Automobilhersteller wurden entsprechender Manipulationen wegen verdächtigt und ggf. etwa vom deutschen Kraftfahrtbundesamt (KBA) zu Fahrzeugrückrufen aufgefordert, vor allem Mercedes-Benz. Und Opel?

Gleich vorneweg: eine illegale Abgas-Abschalteinrichtung konnte den Rüsselsheimern nicht nachgewiesen werden, KBA-Rückrufe für einige Modelle gab es aber. Betroffen sind bislang meist Opel-Diesel der 2010er Jahre. Einen Prozess gegen Opel im Zusammenhang mit festgestellten erhöhten NOx-Werten gab es nicht, Opel akzeptierte allerdings einen entsprechenden Bußgeldbescheid in Höhe von über sechzig Millionen Euro.

Fazit: glimpflich davongekommen wie auch andere Hersteller. Dieselmotoren haben so oder so jetzt allgemein einen schlechten Ruf weg und verkaufen sich bei weitem nicht mehr so gut wie ehedem, egal wie betroffen der jeweilige Hersteller ist. Einige Autobauer sind bereits komplett vom Dieselmotor abgesprungen. Diesel-Besitzer haben den Schaden spätestens beim Weiterverkauf, möglicherweise aber auch schon nach einem erfolgten Softwareupdate – etwa durch Leistungsverluste und/oder höhere Verbräuche.

Inwieweit die stetig verschärften NOx-Grenzwertvorgaben überhaupt noch praxistauglich bzw. technisch ’sauber‘ umsetzbar sind / sein werden, steht auf einem anderen Blatt.

Opel-Konzeptfahrzeuge: Manta (B) Studie (1972)

•27. August 2022 • Kommentar verfassen

Der künftige Opel-(Design-)Klassiker „Manta“ war gerade mal zwei Jahre alt, als man sich in Rüsselsheim schon Gedanken über das Aussehen des Nachfolgers machte. Im Nachhinein wirkt das vielleicht etwas voreilig, denn immerhin verkaufte sich der A-„Manta“ in seinen fünf Baujahren bereits knapp eine halbe Million mal und damit kaum schlechter als der „B“ in dreizehn Baujahren…

Technisch sollte der Nachfolger auch nicht sonderlich verändert werden, es gab keinen Grund – der erste „Manta“ war nicht nur schön, sondern auch solide gebaut. Aber egal – Opel wollte das Ganze neu verpacken, das Ergebnis ist bekannt und auch nicht schlecht geworden. Natürlich gab es mehrere Entwürfe für das Aussehen des B-„Manta“, einer davon steht heute noch in den Katakomben der Opel-Classic-Sammlung (Bilder siehe Link).

Dieser nicht realisierte dunkelrote Prototyp erinnert vor allem frontal stark an den ersten Chevrolet „Monza“ (ab 1974); eine Kopie kann es aber nicht sein, da dieser „Manta“-Entwurf bereits von 1972 stammt. Die Wahrheit liegt immer im Auge des Betrachters, schon klar – aber erinnert das Teil schräg von der Seite betrachtet mit seinen leicht bulligen Radkästen nicht auch etwas an den legendären Lancia „Stratos HF“ ?

Man urteile selbst: Bilder des Manta-B-Entwurfes von 1972 auf Flickr

Opel-Historie: Die „lebenslange Garantie“ wird ein Marketingflop (2011)

•20. August 2022 • 1 Kommentar

Krisen sind bekanntlich nichts Neues – wenngleich die globale Klimakrise vermutlich zur nachhaltigsten und längsten von allen avancieren dürfte. Global kriselte es etwa auch vor ungefähr 15 Jahren, damals nannte sich das Problem Weltfinanzkrise. Jene erwischte nicht nur etliche Finanzunternehmen, auch branchenfremde Firmen wackelten. Darunter Opels damaliger Mutterkonzern General Motors, welcher Anfang 2009 Insolvenz anmeldete und in Folge Staatshilfen bekam. Auch Opel musste den Staat um Unterstützung angehen (und erhielt sie).

Vielleicht war dieser unsichere Hintergrund die Ursache für eine Marketingidee, welche ziemlich nach hinten losging. Denn im Herbst 2010 präsentierte das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen eine „zeitlich unbefristete Anschlussgarantie [= an die reguläre Hersteller-Neuwagengarantie] für Neufahrzeuge“ an.

Das klang erstmal super. Lebenslange Garantie! Jedoch saß der Teufel im Detail… (die kompletten Bedingungen finden sich mittels Internetsuche recht schnell). Denn es gab etliche Einschränkungen: sie galt u.a. nicht für Verschleißteile, nicht für alle Modelle, nur bei regelmäßiger Fahrzeugwartung beim Opel-Händler (wobei man das noch nachvollziehen kann) und vor allem nur bis maximal 160.000 km Laufleistung. Zudem wurden ggf. zwar die Lohnkosten für Garantiearbeiten voll übernommen, die Materialkosten aber nur bis 50.000 km. Danach sank der Übernahmeanteil kontinuierlich ab, ab 100.000 km betrug er nur noch 50%.

Vor allem die angegebene maximale Laufleistung dürfte das Vertrauen in die Produktqualität nicht gerade verstärkt haben. Bereits im Herbst des Folgejahres war schon wieder Schluss mit der vermeintlich lebenslangen Garantie, sie wurde von einer kostenpflichtigen Verlängerungsmöglichkeit der regulären Neuwagengarantie abgelöst.

Opel-Klassiker: Kadett A „Luxus“

•13. August 2022 • Kommentar verfassen

Nur ein paar Monate nach dem erfolgreichen Start des neuen Einsteigermodells „Kadett“ wagte Opel doch gleich mal etwas Luxus. Denn ab März 1963 konnte man mit 450 DM mehr – das entsprach immerhin knapp 9% des Grundpreises – einen besser ausgestatteten „A“ erwerben.

Diese sogenannte „L“-Version war in den Bereichen Motor, Fahrwerk oder Abmessungen überhaupt nicht verändert, die Unterschiede lagen in der Ausstattung. Äußerlich sah man davon nicht sonderlich viel, etwas mehr Chrom gab’s immerhin und den fetten „L“-Buchstaben natürlich.

Im Innenraum aber bedeuteten etwa feinere Polster, Velourteppiche, eine Zeituhr, Aschenbecher im Fond oder das beleuchtete Handschuhfach den Unterschied. Die beiden nützlichsten Extras dürften aber die ausstellbaren Seitenfenster hinten sowie vor allem die Rückfahrscheinwerfer gewesen sein – damals noch lange nicht Standard. Nota bene: offiziell für Pkw in Deutschland vorgeschrieben wurden selbige tatsächlich erst Ende der Achtziger (!) Jahre.

Wie viele Käufer eine „L“-Version wählten oder nur Teile der Extras als Zubehör mitbestellten ist unklar. Alternative Konkurrenz kam aus dem gleichen Haus: für weitere 250 DM mehr gab’s schon das elegante „Kadett“ Coupé.

So oder so sind die Dinger heute selten und kosten in gutem Zustand ungefähr das Doppelte des damaligen DM-Preises in Euro.

Opel in der Populärkultur: Corsa-Werbung mit Tom und Jerry

•6. August 2022 • Kommentar verfassen

Schon wieder so lang geworden, der vorherige Artikel! Deshalb machen wir es heute mal kurz – schließlich sind ja auch Sommerferien. Wohlan denn:

Ob sich noch jemand an die „Corsa“ -Werbung mit Karl Lagerfelds Katze „Choupette“ erinnert? Muss so 2014 gewesen sein. Aber egal. Gut dreißig Jahre früher machte jedenfalls schon mal eine Katze Werbung für den damals brandneuen Opel-Kleinwagen und künftigen Opel-Klassiker, nämlich „Tom“ zusammen mit Mäusepartner „Jerry“ .

Werbung mit Augenzwinkern. Hier ein Youtube-Link zu einer kleinen Clip-Zusammenstellung: Corsa-Werbung mit Tom und Jerry

Opel-Zukunft: Insignia-Aus noch in diesem Jahr

•30. Juli 2022 • Kommentar verfassen

Opel hat ja bekanntlich die vollständige Elektrifizierung seiner Modellpalette im Fokus. Auf dem Weg dorthin bilden zwei aktuelle Modelle kleine Hindernisse: der „Crossland“ – wird wohl 2024 runderneuert und mit E-Option kommen – sowie das nominelle Spitzenmodell „Insignia“. Hierbei handelt es sich um ein Mittelklassefahrzeug, welches bereits seit 2008 auf dem Markt ist. Eigentlich wurde es als Nachfolger des „Vectra“ eingeführt, gefühlt wirkt vielleicht eher der „Omega“ als Vorgänger.

Optisch stellte der „Insignia“ jedenfalls zu beiden eine deutliche Verbesserung dar, auch die Motorisierung war recht ordentlich – die erste Baureihe hatte auch eine über 300 PS starke V6-„OPC“ -Version im Portfolio. Ab der 2017er B-Ausgabe wurde keine Stufenheckvariante mehr angeboten, generell dürfte der Kombi mit Dieselantrieb eh am beliebtesten gewesen sein.

Der „Insignia“ schlug sich in Vergleichstests üblicherweise wacker und hatte auch kein schlechteres Preis-Leistungsverhältnis als die Konkurrenz. Unlängst annoncierte Opel aber das vorzeitige Produktionsende in diesem Jahr, warum?

Zwei Gründe: erstens die Verkaufszahlen. Mittelklasse-Limousinen sind zumindest in Europa immer weniger angesagt, die Leute wollen SUV SUV SUV. Das Land, in welchem man entsprechende Fahrzeuge noch gut absetzen kann, nämlich China, scheidet für einen Export jedoch dummerweise aus – denn der „Insignia“ basiert noch auf einer GM-Plattform. Diese hat er wiederum mit dem Buick „Regal“ gemeinsam, welcher sogar bis vor wenigen Jahren in Rüsselsheim gebaut wurde. Bedeutet: der „Regal“ wurde in China angeboten, der „Insignia“ nicht.

Hier sind wir auch schon bei Grund zwei: der GM-Plattform. Denn selbige lässt den Einbau eines Elektromotors offenbar nicht zu und verhindert zudem einen Export des Modells in GM-Verkaufsregionen. Da die „Insignia“-Herstellung zudem angeblich oder tatsächlich eine Produktionsausweitung des neuen „Astra“ am Opel-Stammsitz verhindert, wurde nun kürzlich das vorzeitige Modell-Aus für dieses Jahr angekündigt.

Was kommt danach? Sicher wird Opel wieder ein Fahrzeug für die Mittelklasse anbieten, aber dann auch elektrifiziert und vermutlich als SUV [gähn…] und/oder SUV-Coupé. Ob der Modellname dann wieder „Insignia“ lautet oder anders (was wir vermuten) wird man sehen. „Monza“ steht angeblich im Raum und warum auch nicht.

Vielleicht wird der „Insignia“ nach seiner Einstellung die letzte Opel-Limousine der Firmengeschichte gewesen sein – eine kleine Zeitenwende. Und da Fords „Mondeo“ in Europa auch nicht mehr verkauft sowie Volkswagens „Passat“ nur noch als Kombi angeboten wird, kann Skoda im Segment erschwinglicher Mittelklassemodelle demnächst vermutlich schön den verbliebenen Limousinen-Rahm abschöpfen: „Superb“ !

Opel-Exoten: Kadett C „Jagdwagen“

•23. Juli 2022 • Kommentar verfassen

Ende der Siebziger Jahre bot Opel ein etwas skurril benanntes Sondermodell an. Der Klassiker „Kadett“ in seiner Caravanversion wurde nämlich auch als „Jagdwagen“ , alternativ als „Pirsch“ , offeriert. Dabei handelte es sich aber keineswegs um eine Variante mit Allradantrieb, wie man vielleicht meinen könnte. Die „Jagdwagen“ kamen lediglich mit etwas verstärkter Federung, höherer Bodenfreiheit, Sperrdifferential sowie leistungsfähigerer Heizung daher. Keiner Standheizung wohlgemerkt!

Zudem wurde der Laderaum durch ein Sicherheits-Fangnetz (etwa für Hunde) abgetrennt, vier bereits auf Felgen vormontierte Winterreifen waren auch dabei. Als Außenfarben standen nur „Forstgrün“ oder „Coloradobeige“ zur Verfügung, motorisiert waren die Modelle mit einem 55-PS-Benziner. Zielgruppe waren offiziell Jäger und Landwirte, der Kundenkreis dürfte aber größer gewesen sein – Hundebesitzer gibt es schließlich viele und matschige Straßen spätestens im Winter sowieso. Preislich lag das Modell bei gut elftausend DM und damit klar höher als beim Standard-Caravan, dafür aber auch klar niedriger als bei einem „Land Rover“.

Das Sondermodell erschien 1978 und damit gerade mal ein Jahr vor dem neuen D-„Kadett“. Sowohl dieser als auch der E-„Rekord“ wurden einige Jahre darauf abermals als „Pirsch“-Sonderversion offeriert.

Link: Informative Webseite zum Kadett-Sondermodell Jagdwagen/Pirsch