Opel-Klassiker: Diplomat (B) V8 Langversion

•20. Februar 2021 • Kommentar verfassen

Die 1969 erschienene „B“-Version von Opels Spitzenmodell „Diplomat“ V8 ließ technisch sowie ausstattungsmäßig eigentlich keine Wünsche mehr offen. Halogenscheinwerfer, elektrische Fensterheber, innenbelüftete Scheibenbremsen und so weiter bedeuteten damals definitiv Oberklasse. Zudem war der V8 preislich erheblich günstiger als sein Hauptkonkurrent Mercedes-Benz 300 (später 450) SEL. Und nicht nur das: „Diplomat“ waren wahrhaft repräsentative Fahrzeuge, welche auch von Ministerien genutzt wurden – für Opel heutzutage leider kaum noch vorstellbar.

Besonders exklusiv rollte ab Mai 1973 eine Sonderversion mit 15cm längerem Radstand daher, welche allerdings auch zehntausend DM mehr kostete als die Standardausgabe. Fabriziert wurde sie vom nicht mehr existenten Karosseriebetrieb Vogt in Bad Neuenahr, der auf entsprechende Umbauten spezialisiert war.

Insgesamt sollen vierzig individualisierte Langversionen entstanden sein. Vermutlich hat die im Herbst 1973 entstandene erste Ölkrise nicht unerheblich zu der niedrigen Produktionszahl beigetragen, denn der offizielle „Diplomat“-Spritverbrauch von gut zwanzig Litern dürfte bei flotter Fahrt deutlich überboten worden sein.

Überlebende Exemplare der langen V8er sollten allesamt ähnlich gehegt und gepflegt auftreten wie dieses Exemplar hier (Link): Foto einer Diplomat-Langversion auf Flickr

Sonstiges: GM ohne Opel – was geht?

•13. Februar 2021 • Kommentar verfassen

Wir erinnern uns: nach etlichen Dauerverlust-Jahren verkaufte General Motors Opel/Vauxhall unlängst an die französische Groupe PSA und beendete so de facto seine Präsenz auf dem europäischen Pkw-Markt. Damit beraubte sich GM unter anderem des Rüsselsheimer Opel-Entwicklungszentrums nebst der damit verbundenen Möglichkeit, Opel-Konstruktionen mittels „Badge Engineering“ ohne eigene Entwicklungskosten anderswo anbieten zu können – etwa als „Buick“ in Nordamerika & China oder als „Holden“ in Australien. Andererseits war GM eben die Verluste in Europa los. Eine „Win-win-Situation“?

In Bezug auf Erträge vermutlich – vorerst zumindest. Denn das CO²-Thema wird auch am nordamerikanischen Automarkt, wo ja spritfressende Pick-Up-Monstren mit V8-Motor weiterhin hoch angesehen sind, nicht vorbeigehen. Und die konzerninterne Entwicklungskompetenz für vergleichsweise kleinere, sparsame Motoren lag nun mal in Rüsselsheim. Ouch!

– Nota bene: im letzten Jahr wurde eine längerfristige Kooperation zwischen GM und Honda angekündigt, vorerst im Bereich künftiger Elektroautos. –

Die verbliebenen GM-Marken Buick, Chevrolet und Cadillac agieren bis dato jedenfalls kaum in der Mittelklasse und so gut wie gar nicht in der Kompakt- oder gar Kleinwagenklasse. Entsprechende Entwicklungsarbeit müsste GM also entweder selbst aufbauen – gemeine Zwischenbemerkung: als Grundlage haben sie ja sicher etliche Opel-Konstruktionszeichnungen da – oder ggf. mittels Joint-Venture oder Kauf extern erwerben. So oder so letztlich wieder ein Kostenfaktor.

GM scheint sich aktuell auf die Americas sowie China zu fokussieren, ein europäischer Reboot ist vorerst kaum denkbar. Hier herrschen spezifische, in Nordamerika so gar nicht gegebene Anforderungen – Stichworte: Aufprallschutz für Fußgänger, Hochgeschwindigkeitsabschnitte. Zudem sind die Qualitätsansprüche vermutlich höher – die Preise allerdings auch. Vorstellbar ist aber mittelfristig der Kauf eines in Europa halbwegs etablierten asiatischen Herstellers.

Opel-Exoten: Vectra/Signum i35 (Irmscher)

•6. Februar 2021 • Kommentar verfassen

Die ab 2002 produzierte „C“-Baureihe des „Vectra“ verkaufte sich deutlich schlechter als ihre beiden Vorgänger. Ob’s am (zumindest bis zum Facelift) eher öden Aussehen lag? Antriebsmäßig war die Auswahl der „C“ jedenfalls gut, das erste Benziner-Topmodell 3.2 V6 hatte immerhin schon 211 Pferde unter der Haube und schaffte knapp 250 Spitze. Reicht.

Später folgten noch einige „OPC“ mit bis zu 280 PS – leider alle nur mit Frontantrieb erhältlich; ein leidiges Opel-Manko, das sich sich bis heute weitgehend gehalten hat.

Aber nochmal zurück zum angesprochenen 3.2 V6. Der langjährige Opel-Veredler und -Tuner Irmscher offerierte zum 35jährigen Firmenjubiläum eine auf diesem Aggregat basierende leistungsgesteigerte Version an. Das Ergebnis nannte sich „i35“ und war sowohl für den „Vectra“ wie auch für den „Signum“ erhältlich (letzteres Modell basierte auf derselben Plattform, hatte aber nie die „OPC“-Motoren im Programm).

Clou des Ganzen war ein zusätzlich eingebauter (knallrot lackierter) Kompressor, welcher eine Leistungssteigerung auf 302 PS nebst gut 280 Spitze erbrachte – und damit nominell mit dem legendären „Lotus Omega“ fast auf Augenhöhe lag. Jedoch: trotz Sportfahrwerk und allerlei optischem Zierat blieb auch den „i35“ weiterhin nur der Vorderradantrieb vergönnt. Für eine ordentliche Hatz über kurvige Landstraßen passten die Irmscher-Ableger deshalb vielleicht nicht ganz perfekt, auf Autobahnen hingegen dürften „i35“ jedoch so manchen Sportwagenfahrer aufs Unangenehmste verblüfft haben.

Ganz billig war der exotische Spaß aus Remshalden nicht: das Kompressor-Kit kostete fast zwanzigtausend Euro zusätzlich zum Fahrzeugpreis. Damit lagen „i35“ klar über den später angebotenen und nicht allzu viel schwächeren Serien-„OPC“. Besitzer der vermutlich sehr wenigen verkauften „i35“ konnten und können sich dafür am Reiz des Seltenen erfreuen.

Tipp: bis zum „H“-Kennzeichen dauert’s noch, weswegen man gebrauchte „Vectra OPC“ aktuell immer noch für unter zehntausend Euro angeboten findet. Wer sich am eher hohen Benzinverbrauch und der Optik nicht stört, bekommt dafür einen kleinen Wolf im Schafspelz für vergleichsweise wenig Geld.

Opel-Zukunft: Nur noch Mainstream-Fahrzeuge?

•30. Januar 2021 • Kommentar verfassen

Mal ein wehmütiger Blick zurück in die Neunziger Jahre. Opel hatte zwar Qualitätsprobleme – Stichwort: Rost -, war aber in Bezug auf Marktanteile noch gut dabei. Erst recht im Vergleich zu heute – wo das Thema Rost schon lange keines mehr ist.

Bei einem Blick auf die aktuelle Modellpalette fällt schon auf, dass sie ziemlich Mainstream-orientiert ist. Immerhin drei SUVs sind im Angebot, zudem die ewigen Klassiker „Corsa“ und „Astra“, zwei Vans für Familie und/oder Handwerk sowie als Spitzenmodell der schwächelnde „Insignia“. Allradoptionen findet man kaum noch und einen OPC überhaupt nicht mehr im Programm. Oooch.

Wie war das noch in den Neunzigern? Es gab zuzüglich zu den gängigen Mainstream-Modellen wie „Astra“ oder „Vectra“ verschiedene Klein(st)wagen, das windschnittige Sportcoupé „Calibra“ (mit dessen 4×4-Rennversion Opel übrigens 1996 die DTM gewann), den „Frontera“ als Geländewagen-Trendsetter oder den „Campo“ als praktischen Pick-Up. Ach ja: vom an sich eher biederen „Omega“ existierten gleich mehrere leistungsgesteigerte Versionen, der (Opel-untypisch teure) „Lotus Omega“ rollte dabei als Spitzenprädator über die Straßen. Mal eine klare Ansage aus Rüsselsheim…

Auch der „Speedster“ , erschienen 2001, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Klar ein Fahrzeug, welches von vornherein nur als totales Nischenmodell gelten konnte – aber trotzdem gebaut wurde. Nicht ausreichend ROI, na und? What the hell!

Schicke Designstudien wie „Monza Concept“ oder „GT Experimental“, welche mal kurz für Aufsehen sorgen und dann im Depot verschwinden, reichen eben nicht. Es sollte auch wenigstens ein Modell im Programm sein, dem die Leute hinterherglotzen (müssen). Hier sollten die Rüsselsheimer mal in ihre eigene jüngere Modellgeschichte schauen, um daraus für die Zukunft zu lernen.

Nächstes Thema: die Farbauswahl im Vergleich zu ehedem… aber gut (oder auch nicht), das betrifft ja leider fast alle Hersteller.

Opel-Erfolge: Sieg bei den „2000 km durch Deutschland“ (1933)

•23. Januar 2021 • Kommentar verfassen

1933 kehrte Opel wieder offiziell zum Motorsport zurück. Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, etwa bei der „Dreitage-Harzfahrt“ oder der „Ostpreußenfahrt“. Das lag vor allem daran, dass die Rüsselsheimer mit ihrem „1.8-Liter“ in offener Sportzweisitzerausführung ein richtig gutes und auch sehr zuverlässiges Modell am Start hatte.

Bei den im Sommer 1933 erstmals ausgetragenen „2000 km durch Deutschland“ konnte Opel ebenfalls auftrumpfen. Dabei handelte es sich um einen Langstrecken-Straßenrundkurs für Pkw und Motorräder, welcher in Baden-Baden begann und endete. Unter anderem traten zwölf Rüsselsheimer Werksteams an, von denen nur eines nicht ins Ziel kam.

Den Gesamtsieg errang Erwin Sander mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 79 km/h, natürlich auf einem „1.8 Liter“ Sportzweisitzer. Das war schon deshalb beachtlich, weil die maximale Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs nicht viel höher lag – Sander muss im Prinzip also fast ständig Vollgas gefahren sein und auf Pinkelpausen weitgehend verzichtet haben 😉

Die „2000 km“ wurden im Folgejahr mit erheblich mehr Teilnehmern noch einmal durchgeführt, diesmal räumte Mercedes mit seiner eigens für den Wettbewerb konzipierten „Typ 150 Sport-Limousine“ die Preise ab.

Seit einigen Jahrzehnten wird in Deutschland in unregelmäßigen Abständen eine „2000 km“-Rallye für Oldtimer durchgeführt, allerdings nicht mehr nonstop.

Opel-Historie: Zunehmende US-Konkurrenz (~1925)

•16. Januar 2021 • Kommentar verfassen

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg musste Deutschland harte Zeiten durchstehen. Gebietsabtretungen, Reparationszahlungen, Massenarbeitslosigkeit und Hyperinflation folgten. Die Wirtschaft erholte sich nur mühsam, viele Autohersteller mussten für immer aufhören.

Dabei existierten zu Beginn der Zwanziger Jahre immerhin noch Schutzzölle, um die ausländische Konkurrenz möglichst außen vor zu lassen. Vor allem US-Hersteller begannen nämlich ab Mitte des Jahrzehnts, in deutschen Städten erste Verkaufsbüros zu eröffnen. Und damit nicht genug: bald folgten Montagewerkstätten und -werke, denn der reine Zusammenbau von gelieferten Karosserieelementen wurde nicht so stark besteuert wie komplette Fahrzeuge.

Der Absatz von Buick & Co begann zu boomen, was zu einem weiteren Markensterben führte. Vor allem kleine Hersteller mit niedrigen Produktionszahlen und vergleichsweise hohen Preisen waren betroffen. Am ehesten gegen die nordamerikanische Konkurrenz gewappnet war Opel: erstens aufgrund seiner Größe, zweitens aufgrund seiner wenigstens teilweise bereits eingeführten modernen, an US-Vorbildern orientierten Produktionsmethoden. Ein für den ‚kleinen Mann‘ erschwingliches zuverlässiges Modell wie den erfolgreichen „Laubfrosch“ hatte die Konkurrenz aus Übersee zudem nicht im Portfolio.

Gerade deswegen ist es eine seltsame Ironie der Automobilhistorie, dass ausgerechnet das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen einige Jahre später an einen US-Wettbewerber verkauft wurde.

Opel-Konzeptfahrzeuge: AUTOnomy (2002)

•9. Januar 2021 • Kommentar verfassen

Klassische Verbrennermotoren sollen bald abgelöst werden – möglichst bald jedenfalls, wie es immer wieder aus verschiedensten Politikermündern lautet. Als alternative Antriebe kennen wir bereits die seit längerem existierenden, vergleichsweise günstigen und seltsamerweise trotzdem kaum populären Flüssiggas– bzw. Erdgasmotoren sowie die politisch derzeit sehr gepushten Elektroautos. Letztere sind bekanntlich Fahrzeuge, welche mit Strom aus mitgeführten Batterien betrieben werden, die wiederum regelmäßig aufgeladen werden müssen und obendrein erheblich teurer sind als ihre Verbrenner-Konkurrenten.

Bleibt noch das Brennstoffzellenfahrzeug. Bei diesem wird der benötigte Strom direkt im Fahrzeug produziert, indem Sauerstoff in Verbindung mit Methanol oder Wasserstoff gebracht wird. Eine halbwegs saubere Sache also, die seit inzwischen Jahrzehnten in der experimentellen und praktischen Forschung erprobt wurde, nicht zuletzt von Opel.

Das vermutlich bekannteste entsprechende Opel-Versuchsfahrzeug dürfte der 2001 präsentierte „HydroGen3“ gewesen sein. Dabei handelte es sich um ein auf dem Opel-Klassiker „Zafira“ basierendes Auto mit Wasserstoffantrieb. Dessen Prototypen fuhren unter anderem zigtausende von Kilometern problemlos quer durch Europa, geplant war eine Serienfertigung so um 2010 (woraus nichts wurde, aber das ist eine andere Geschichte).

Sozusagen als Spin-Off präsentierte Opels damaliger Mutterkonzern GM im Folgejahr auf der Detroiter Motor Show ein Konzeptfahrzeug namens „AUTOnomy“ . Hierbei handelte es sich um eine ultrafuturistisch gestaltete Studie, welche als gänzliche Neuheit ein sogenanntes „Skateboard-Chassis“ aufwies. Dies war ein relativ flaches Fahrgestell mit integriertem „HydroGen3“-Brennstoffzellensystem, auf das dann eine je nach Anforderung oder Kundenwunsch relativ individualisierbare Andockstation gesetzt werden konnte. Zudem sollte das Teil komplett autonom fahren können – ob es das jemals tat bleibt unklar, vermutlich nicht.

Die Studie blieb eine Studie und verstaubt vermutlich irgendwo in den USA. Immerhin erhielten Opel & GM für „AUTOnomy“ beim „International Engine of the Year Award“ 2002 den Preis als bestes Konzept zugesprochen.

Nota bene: Unter der neuen Konzernmutter PSA bekam Opel unter anderem das Thema Zukunftstechnologie Brennstoffzelle als „spezielles Kompetenzzentrum“ zugewiesen. Auf ein Neues!

Link: Mehr infos und Bilder der Studie AUTOnomy auf motor1.com

Opel-Klassiker: Kadett (A) Caravan 1000

•2. Januar 2021 • Kommentar verfassen

Als Opel Anfang der Sechziger Jahre mit seinem neuen Werk in Bochum auch die Produktion der komplett neuen Baureihe „Kadett“ einleitete, zielte das Traditionsunternehmen natürlich voll auf den Konkurrenten aus Wolfsburg, welcher mit seinem „1200“, vulgo: „Käfer“ , seit Jahren in der Kleinwagenklasse ordentlich abräumte.

Im Nachhinein kann man sagen, dass die Kombination neues Werk / neues Modell ein großer Wurf der Rüsselsheimer war, auch wenn das Bochumer Werk inzwischen leider geschlossen werden musste. Der „Kadett“ entwickelte sich zu einem absoluten Nachkriegs-Klassiker und existiert als „Astra“ im Prinzip immer noch in der Opel-Modellpalette.

Eine nach wie vor ziemlich beliebte „Astra“-Variante ist dessen „Caravan“-Ausgabe – deren Wurzeln tatsächlich bereits in der ersten „Kadett“-Version liegen. Im Gegensatz zum „Käfer“ war der „A-Kadett“ nämlich nicht nur in verschiedenen Motoren-, sondern auch mehreren Chassisvarianten erhältlich, unter anderem auch als Kombiversion, dem „Caravan 1000“.

Der schnörkellos gestaltete „Caravan 1000“ kam zwar auch nur als Zweitürer daher, hatte aber etwas größere Reifen, dreilagige Blattfedern und ergo eine etwas höhere Zuladung zu bieten. Insgesamt kam der kleine Handwerkerliebling immerhin auf elfhundertfünfzig Kilo maximales Gesamtgewicht. Als Antriebsaggregate standen wahlweise eine 40- oder eine 48-PS-Version zur Verfügung. Letztere brachte das in seiner Klasse sowieso konkurrenzlose Fahrzeug auf immerhin gut 130 Spitze.

Stichwort konkurrenzlos: der „Caravan 1000“ verkaufte sich naturgemäß hervorragend (die Listenpreise lagen bei zirka fünfeinhalbtausend DM). Insgesamt wurden gut 126t Exemplare produziert, sehr viele gingen dabei in den Export – auch nach Übersee. Hierzulande erhalten sind generell nur noch wenige „A“ und von der Kombiversion höchstens noch ein paar Dutzend, es sind also inzwischen echte Oldtimer-Exoten geworden. Entsprechend schwer sind auch Gebrauchtpreise einzuschätzen, fünfstellig sollte es für einen gut erhaltenen „Caravan 1000“ aber auf jeden Fall werden.

Link: Kadett A Caravan auf Flickr

Opel 2020 – ein vorläufiges Fazit

•26. Dezember 2020 • Kommentar verfassen

Wie war das Jahr? Pandemisch beeinflusst natürlich, was man an den starken Einbrüchen der Verkaufszahlen vor allem im zweiten Quartal sehen kann. Klar, davon waren alle Mitbewerber auch betroffen, allerdings hatten die Rüsselsheimer offenbar einen überdurchschnittlichen Rückgang der Verkäufe zu verkraften.

In Deutschland etwa verzeichnet Statista ohne Dezember einen Absatzrückgang von 36% im Vorjahresvergleich. Der November 2020 war im Vorjahresvergleich immerhin wieder besser, sogar die seit längerem unbefriedigenden „Insignia“ -Umsatzzahlen legten etwas zu.

In Europa (hier: die meisten EU-Länder plus Norwegen, Schweiz, Island, Großbritannien) verzeichnete Opel laut carsalesbase bis inklusive Oktober 2020 eine weiteren Rückgang der Marktanteile und wird vermutlich die 5%-Marke nicht mehr schaffen. Das ist schon heftig, Mitte der Neunziger Jahre lagen Opel/Vauxhall noch bei über zwölf Prozent Anteil. Damals hatten die Rüsselsheimer eben auch deutlich mehr Modellvielfalt im Angebot.

Stichwort Modelle: der neue „Corsa“ scheint die Erwartungen zu erfüllen, dessen „e“-Version erhielt gar die Auszeichnung „Goldenes Lenkrad“ in der Kleinwagenklasse. Auf Ähnliches hoffen darf man im kommenden Jahr, wenn der äußerlich offenbar sehr gelungene neue „Mokka“ an den Start geht. Die vor einiger Zeit verkündete neue Designlinie mit „Kompass“ und „Vizor“ scheint also tatsächlich umgesetzt zu werden.

Auch der halbwegs gut laufende SUV „Crossland“ erhielt jüngst ein entsprechendes moderates Facelift. In diesem Segment schlägt sich Opel überhaupt ganz gut, die drei Rüsselsheimer SUV-Musketiere „Crossland“, „Mokka“ sowie „Grandland“ stehen hier eben nicht für hausinterne Kannibalisierung, sondern für markeninterne Auswahl. Ein Blick zurück in Opels Mittelklasseangebot der Neunziger Jahre empfiehlt sich auch hier.

Auf Basis der „Corsa“-Plattform mal ähnlich loszulegen wäre sicherlich nicht verkehrt, nach wie vor vermisst man den niedlichen kleinen Imagebringer „Adam“ doch sehr im Portfolio. Allein die Farbauswahl! Vielleicht steht dem Ganzen schlicht die anstehende Fusion der PSA-Gruppe mit Fiat Chrysler im Wege – der zukünftige Markennachbar Fiat hat ja gefühlt außer dem knuddeligen kleinen „500“ nichts Weltbewegendes am Start.

Und überhaupt 2021, was darf man erhoffen? Abgesehen vom bereits präsentierten neuen „Mokka“ hauptsächlich den neuen „Astra“ – das Opel-Traditionsmodell nun erstmals auf PSA-Plattform, soll im Spätsommer/Frühherbst anrollen und muss ein Treffer werden, der „Astra“ verkauft sich ja leider seit Jahren weit unter Wert. Gerüchteweise könnte ein kräftiger Hybridmotor im Angebot sein, eventuell als „OPC“ – das würde letzthin fehlende Sportlichkeit in das Marken- und Modellimage zurücktransferieren.

Die schlimmsten „Brexit„-Befürchtungen scheinen kurz vor Toresschluss hinfällig geworden sein, was sicher gut für die britischen Standorte ist (oder zumindest einen). Trotzdem werden die Mitarbeiterzahlen insgesamt sicher weiter sinken, wenn die Verkäufe nicht wieder anziehen – operativer Gewinn hin oder her. Hier spielen auch die avisierten neuen Märkte außerhalb Europas eine wichtige Rolle, Opel wurde regional einfach seit langem viel zu sehr eingeschränkt.

Es bleibt also weiter spannend. Und wacklig. Einen Marken-Impfstoff bräuchte man… 😉

[Update Januar 2021]

Laut Statista lagen die Neuzulassungen von Opel in Deutschland im Jahre 2020 bei knapp 68% im Vergleich zum Vorjahr (146.219 Pkw im Vergleich zu 215.864). Von den Top Ten der Marken hatte nur Ford einen prozentual vergleichbaren Rückgang zu verzeichnen.

Opel-Derivate: Rekord (C) „Olimpico“

•19. Dezember 2020 • Kommentar verfassen

Mit der 1968er Sommerolympiade in Mexiko-Stadt kamen einige Neuerungen und Rekorde. Erstmals liefen etwa die damaligen beiden deutschen Teilstaaten mit eigenen Mannschaften auf, erstmals fanden die Sommerspiele in einem Entwicklungsland statt, erstmals in einem spanischsprachigen Land, erstmals in Lateinamerika, erstmals nahmen mehr als einhundert Nationen teil.

Die damals erfolgreichsten Medaillengewinner und -innen dürften heute allerdings kaum noch bekannt sein, hingegen sehr wohl der Weitspringer Bob Beamon, dessen damaliger nach wie vor erstaunlicher Satz von 8,90m immer noch (!) Olympiarekord bedeutet. Nachhaltig in Erinnerung blieben zudem die „Black Power“-Gesten der beiden Sprinter Tommie Smith und John Carlos – völlig zu Recht und weiterhin hochaktuell, man denke nur an die diesjährig entstandene „Black Lives Matter“-Bewegung.

Finalmente, aunque no menos importante: anlässlich der Spiele vermarktete Opels damaliger Mutterkonzern GM den Opel-Klassiker „Rekord C“ in Mexiko als „Opel Rekord Olimpico“ . Es gab ihn als Zwei- und Viertürer, unter der Haube werkelte allerdings ein 2.5-Liter Chevy-Aggregat. Der „Olimpico“ wurde nur zwei Jahre gebaut, Produktionszahlen sind unbekannt. Nachfolger wurde der „Opel Fiera“ .