Opel-Exoten: Speedster „Scorpions Edition“

•23. September 2017 • Schreibe einen Kommentar

Volkswagen machte es (vielleicht) vor. In den Neunziger Jahren erschienen mehrere „Golf“-Sondermodelle mit dem Logo verschiedener Rockbands. „Rolling Stones“, „Pink Floyd“ oder gar „Bon Jovi“. Fazit: muss eigentlich nicht sein.
Inwieweit VW hier eine Vorbildfunktion bildete ist unklar, jedenfalls brachte auch Opel einige Jahre später eine Rockband-Sonderversion des „Speedster“ auf den Markt. Anlass des „Scorpions“-Sondermodells war angeblich ein Konzert der gleichnamigen Band in Rüsselsheim.
Der „Scorpions“-Speedster basierte auf der Zweiliter-Turboversion der Rüsselsheimer Rennflunder und war ausschließlich in silber erhältlich.
Der Clou: Jedes der achtzig Exemplare wurde inklusive einer von allen Bandmitgliedern signierten „Gibson Flying V“ ausgeliefert. Selbiges E-Gitarrenmodell ist bei vielen namhaften Rockmusikern beliebt, unter anderem spielte eben auch „Scorpions“-Gitarrist Rudolf Schenker häufig auf diesem Modell.
Instrumentenkabel und Verstärker waren in der Sonderedition übrigens nicht enthalten.

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Opel-Historie: GM-Übernahme #3 – Erste Auswirkungen

•16. September 2017 • Schreibe einen Kommentar

Nur wenige Monate nach dem Einstieg von General Motors bei Opel kam es zum legendären New Yorker Börsenkrach und in dessen Gefolge zur jahrelangen Weltwirtschaftskrise. Die Industrieproduktion sank teilweise dramatisch; die Arbeitslosenquote in den Industrieländern stieg enorm. In Deutschland kam es zu mehreren Notverordnungen, welche aber beinahe wirkungslos verpufften.
Natürlich war auch Opel von der Krise betroffen. Die Nachfrage sank deutlich, Mitarbeiter mussten entlassen werden. Gerettet wurde das Traditionsunternehmen durch den Export – und durch seine neue Muttergesellschaft.
Denn die neue amerikanische Führung beschloss eine Straffung von Opels Modellpalette. Oberklassefahrzeuge flogen bis auf Weiteres aus dem Programm, der Fokus lag auf kleinen Fahrzeugen, es gab Preisnachlässe. Die neu gegründete Opel-Bank finanzierte Fahrzeuge auf Kredit, auch das beruhte auf US-Vorbild. Trotzdem machten die Rüsselsheimer 1930 knapp 14 Millionen RM Verlust.
In den beiden Folgejahren sank die Zahl der von Opel produzierten Fahrzeuge weiter. Trotzdem wurden 1931 die Grundlagen für den Aufschwung der Dreißiger Jahre gelegt. Denn der unter Leitung von GM komplett neu konstruierte und mit einem „Buick“ -Sechszylinder ausgestattete Opel-Klassiker „1,8 Liter“ wurde zum Volltreffer und zur Grundlage mehrerer erfolgreicher Nachfolgemodelle.
Technisch weitgehend identisch mit dem „1,8 Liter“ war der kleinere „1,2 Liter“ , letzterer hatte aber nur einen Vierzylindermotor. Auch dieses Modell wurde mittelfristig ein Verkaufsschlager. Zudem forcierte Opel nun endlich die Produktion von Nutzfahrzeugen, der Lkw-Klassiker „Blitz“ erblickte das Licht der Welt und hielt sich sehr lange auf dem Markt.
Die Jahre während der Weltwirtschaftskrise waren hart für alle Automobilhersteller, etliche überlebten sie nicht. Opel schaffte es hauptsächlich dank der kapitalstarken US-Mutter, die das Unternehmen inzwischen komplett übernommen hatte. Nicht zuletzt half deren internationales Vertriebsnetz, die auf dem Heimatmarkt stark zurückgegangenen Umsätze leidlich zu kompensieren.

Opel-Zukunft: „InCharge“-Initiative

•9. September 2017 • Schreibe einen Kommentar

Die Europäische Union ist ein zweifellos ambitioniertes politisches Projekt, welches in den letzten Jahrzehnten meist so halbwegs funktionierte. In den letzten Jahren fing das riesige Konstrukt dann aber etwas zu wackeln an. Finanzkrise, Bürokratismus oder zuletzt der „Brexit“ hießen einige der aktuelleren Schwierigkeiten.
Ein leider schon seit längerem existierendes Problem ist die in manchen EU-Mitgliedsländern sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit. Vor allem in Südeuropa sind die Quoten hier schockierend hoch.
Deshalb gründeten mehrere deutsche Unternehmen im Jahre 2015 die sogenannten „InCharge“ -Initiative. Die Grundidee war, den zum damaligen Zeitpunkt mehr als fünf Millionen arbeitslosen EU-Jugendlichen eine Perspektive in Form eines Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes zu geben. Nützlicher Nebeneffekt in Form von qualifizierten Arbeitskräften für die beteiligten Firmen inklusive – aber das ist ja auch völlig legitim.
Opels damaliger Chef Dr. Karl-Thomas Neumann war maßgeblich an der Initiative beteiligt, Opel war und ist natürlich Mitglied. Weitere namhafte Partner sind etwa Continental, ZF, Schaeffler oder auch die Mainzer Universität. Ziel der Initiative war es, insgesamt einhundert Unternehmen zu finden, welche jeweils einhundert Chancen vergeben sollten.
Eine erste Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus. Laut Homepage der Initiative sind heute erst gut dreißig Teilnehmer registriert. Vergleicht man zudem die Statistiken zur Jugendarbeitslosigkeit, so hat sich in einigen Ländern zwar durchaus etwas getan – in Spanien, Italien und Kroatien fiel die Quote auf immerhin unter 40%, der EU-Durchschnitt fiel auf unter 20%. Der Brüller ist das aber immer noch nicht.
Woran das liegt, dürfte kaum festzustellen sein. EU-Förderprogramme gibt es sowieso (und werden teilweise kaum abgerufen), die Konjunktur in den meisten EU-Ländern verläuft derzeit gut. Wirtschaftlich stabile Länder wie etwa Schweden, Luxemburg oder die Slowakei weisen jedoch nach wie vor zweistellige Quoten auf. Die vergleichsweise niedrige Quote hierzulande dürfte hauptsächlich am jahr(zehnt)elangen Geburtenrückgang liegen.
Fazit: kein Fazit. Gut gemeint, Ergebnis offen.

Opel-Klassiker: Omega 3000/24V

•2. September 2017 • Schreibe einen Kommentar

Als Opels „Rekord“ -Nachfolger „Omega“ Mitte der Achtziger Jahre auf den Markt kam, hätte vermutlich kaum jemand damit gerechnet, dass von diesem eher konventionellen Obere-Mittelklasse-Modell einige durchaus rasante Varianten folgen würden.
Dabei sind nicht nur Exoten wie die üblichen leistungsgesteigerten Irmscher-Versionen oder gar der Supersportler „Lotus Omega“ gemeint.
Ab 1987 boten die Rüsselsheimer nämlich ihren „Omega 3000“ an. Das Modell hatte den bereits vom „Senator“ und „Monza“ bekannten Dreiliter-Sechszylinder verbaut, der nicht gerade dem neuestem Stand der Motorentechnik entsprach. Dessen heutzutage kaum vom Hocker reißende 170 PS (Kat-freie Version) brachten den „3000“ aber tatsächlich auf gut 220km/h Spitze, womit er zum damals schnellsten Opel-Serienauto avancierte.
Offenbar war das Opels Ingenieuren noch nicht genug. Denn zwei Jahre später folgte der „Omega 3000 24V“ , dessen Motor deutlich überarbeitet worden war. Zylinderkopf aus Alu, Vierventiltechnik und vor allem das neue „Dual Ram“ -System sorgten für eine nette Leistungserfrischung. 204 Pferde sowie ein in niedrigen Drehzahlen besseres Drehmoment waren die Folge dieses zweistufig geschalteten Saugrohrsystems.
Das war schon mal eine Ansage, denn die Limousinenversion schaffte damit gut 240 Spitze – das war auf Augenhöhe mit z.B. einem Porsche 944! Die Kombiversion brachte es immerhin auch noch auf 230km/h.
Die Produktion des „24V“ lief 1993 aus. Gebrauchte Fahrzeuge gibt es immer noch vergleichsweise günstig, wenngleich meist mit hohen Laufleistungen.

Opel-Historie: Zugang zum weltweiten GM-Vertriebsnetz (1932)

•26. August 2017 • Schreibe einen Kommentar

Im Oktober 1931 wurden für Opel entscheidende Weichen gestellt. Zunächst machte der neue Mutterkonzern General Motors von seinem Optionsrecht für die restlichen zwanzig Prozent der Firmenaktien Gebrauch – Opel gehörte jetzt komplett den Amis. Alsbald folgte deren Entscheidung, der deutschen Tochter ab 1932 das eigene weltweite Vertriebsnetz zur Verfügung zu stellen.
Das war vielleicht die wichtigste Entscheidung, welche General Motors in der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg für die Rüsselsheimer traf. Denn aufgrund der Weltwirtschaftskrise war der Autoabsatz in Deutschland massiv abgesackt, das traf trotz führender Qualität auch Opel.
Durch die Möglichkeit, das bereits in über einhundert Ländern existierende GM-Vertriebsnetz zu nutzen, konnte Opel so das Schlimmste verhindern. Der Exportanteil des Unternehmens stieg von klar unter zehn Prozent im Jahre 1929 auf über dreißig Prozent drei Jahre später. Opel exportierte in Folge bis zu dreimal so viele Fahrzeuge wie alle anderen deutschen Hersteller zusammen.
In den Jahren danach sank Opels prozentualer Exportanteil aufgrund der verbesserten Binnennachfrage zwar zeitweise wieder ab, auf Stückzahlen bezogen stieg er bis zur erzwungenen Produktionseinstellung 1940 aber weiterhin konstant an.

Opel-Veredler: Baur (Stuttgart)

•19. August 2017 • Schreibe einen Kommentar

Karosserie- und Fahrzeugbauer fristen in der öffentlichen Wahrnehmung häufig ein Schattendasein. Bei der Stuttgarter Firma Baur war das eventuell anders. Denn das bereits 1910 gegründete Familienunternehmen hat bei markanten Modellen mehrerer Hersteller mitgewirkt.
Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelte und fertigte Baur Cabriolets, unter anderem für DKW und Horch. Nach dem Wiederaufbau der im Krieg total zerstörten Werksanlagen lebte Baur zunächst von Reparaturaufträgen. In den Fünfziger Jahren begann dann die jahrzehntelange Verbindung zu BMW.
Von BMW-Modellen ausgehend entwickelte Baur nun seine typischen, mit Überrollbügel sowie zweigeteiltem Dach versehenen Cabriolets. Ebendieses Prinzip findet man auch beim Opel „Kadett Aero“ , welcher Mitte der Siebziger Jahre von Baur entwickelt und gefertigt wurde.
Ausnahmsweise kein Cabriolet, aber dennoch äußerst gelungen war ein weiteres durch Baur geprägtes Opel-Derivat, nämlich der „Bitter CD“ . Dieses auf Grundlage des Opel-Klassikers „Diplomat“ entwickelte Modell war ein elegantes Luxuscoupé, von dem – ebenfalls in den Siebzigern – immerhin knapp vierhundert Exemplare entstanden. Weitere Opel-Abkömmlinge von Baur gab es hernach nicht mehr.
Im Folgejahrzehnt produzierte Baur Rohbaukarossen für Audi und Porsche sowie weiterhin Cabrioversionen der BMW Dreier-Reihe. In den Neunziger Jahren lief es dann nicht mehr so gut für die schwäbische Traditionsfirma, deren vergleichsweise teure Modelle waren kaum noch gefragt. Ende 1998 musste Baur Insolvenz anmelden.

Opel-Historie: Erste Werkführungen (1929)

•12. August 2017 • Schreibe einen Kommentar

Im Juni 1929 gab es bei Opel in Rüsselsheim eine kleine Neuerung, welche nicht wirklich wichtig, aber kennzeichnend für die grundsätzlich innovative Haltung des Unternehmens war. Denn ab diesem Zeitpunkt boten die Rüsselsheimer für interessierte Besucher Werkführungen an. Nach vorheriger Terminabsprache gab es fortan die Möglichkeit, an Arbeitstagen ausgewählte Abteilungen zu durchlaufen. Die Führungen begannen um 9 bzw. 13h und dauerten 1,5-2 Stunden.
Für die Firma stand dabei die Förderung des Vertrauens in die eigenen Produktversprechungen im Vordergrund. Hatten die Rüsselsheimer damals etwa klammheimlich Angst vor der eigenen Reklame-Courage?
Jedenfalls ging Opel hiermit auch ein gewisses Risiko ein, denn da das Unternehmen im Bereich der Fließbandfertigung hierzulande ja absoluter Vorreiter gewesen war, bot sich hier für Wettbewerber potenzieller Nachhilfeunterricht.
Anscheinend war das Interesse an diesen Führungen denn auch recht groß, es gab sogar extra aus dem Ausland angereiste Teilnehmer. Natürlich waren auch ehemalige Werksangehörige unter den Besuchern.
Wie lange sich dieses für heutige Verhältnisse selbstverständlich anmutende Angebot hielt, ist nicht bekannt. Nach der NS-Machtübernahme dürften die Opel-Werkführungen aber irgendwann in den Dreißiger Jahren gestoppt worden sein – die „Feind-hört-mit“-Paranoia der Nazis machte auch vor Opels Werkstoren nicht halt.