Opelwerk Azambuja/Portugal (GM)

•18. Februar 2017 • Schreibe einen Kommentar

Warum sich General Motors dafür entschied, ab 1963 im nördlich von Lissabon gelegenen Azambuja ein Fertigungswerk zu betreiben, wird möglicherweise immer ein Rätsel bleiben. Spekulationen verkneift man sich vielleicht besser – immerhin war Portugal zum damaligen Zeitpunkt ein sehr armes Land ohne nennenswerte automobile Zulieferindustrie und zudem seit Jahrzehnten eine Militärdiktatur. Vom fehlenden gemeinsamen europäischen Markt mal ganz zu schweigen.
Einige Jahrzehnte später – Portugal war inzwischen eine Demokratie und auch EU-Mitglied – mutierten die Azambuja-Fertigungsanlagen jedenfalls zu einem kleineren Opel-Werk. Denn ab 1989 wurde hier der „Kadett Combo“ gebaut. Das Modell war bis dato bei Vauxhall im englischen Ellesmere Port montiert worden.
Die „B“- und „C“-Versionen des inzwischen auf „Corsa“ -Basis gebauten Kastenwagen-Klassikers liefen dann komplett in Azambuja vom Band – zumindest bis 2006. In diesem Jahr entschied sich General Motors, das Werk stillzulegen und die „Combo“-Produktion komplett ins spanische Zaragoza zu verlegen. Begründung: zu hohe Kosten, Produktionszahlen (zirka 75.000 Einheiten/Jahr) zu klein um kosteneffizient zu sein, logistische Nachteile aufgrund der europäischen Randlage (welche unzweifelhaft bereits 1963 bestand…) .
Trotz europaweiter Solidaritätsdemos von GM-/Opel-Mitarbeitern sowie Forderungen der portugiesischen Regierung, ausgezahlte Subventionen in Millionenhöhe zurückzuerstatten, wurde die Werksschließung durchgezogen. Betroffen waren ungefähr 1150 Mitarbeiter, sie wurden mit Abfindungen und weiteren Zahlungen entschädigt.
P.S. Man mag’s kaum glauben – 1963 gründete auch Ford in Azambuja eine Fertigungsanlage – direkt neben dem GM-Werk. Sie wurde im Jahre 2000 von GM übernommen.

 

Opel-Historie: Lenkradschaltung

•11. Februar 2017 • Schreibe einen Kommentar

Nachdem die US-Militärregierung Opel 1946 die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Fahrzeugproduktion gegeben hatte (anfangs bis zu einem Hubraum von maximal 1,5 Liter), legten die Rüsselsheimer nach und nach drei Vorkriegs-Klassiker wieder auf. Zunächst natürlich den „Blitz“ – es gab ja auch ordentlich Trümmerschutt wegzuschaffen. Es folgten 1947 der „Olympia“ und im Jahr darauf der „Kapitän“ . Alle drei Modelle waren mit ihren Vorkriegsversionen so gut wie identisch.
Ab 1950 folgten kontinuierlich technische und gestalterische Modernisierungen der Pkw-Modelle. Eine ganz auffallende Neuerung betraf den Schalthebel: die Lenkradschaltung (korrekter: Lenkstockschaltung) fand ihren Einzug bei Opel. Sie sparte Platz, war bequem, verströmte Eleganz und wirkte – last but not least – ein bisschen amerikanisch.
Bis Ende der Sechziger Jahre wurden Opels Pkw-Modelle entsprechend ausgestattet. Ausnahmen waren nur der „Kadett“ sowie die Sechszylinder-„Rekord“. Die B-/C-Versionen des „Rekord“ gab es optional mit Mittelschaltung.
Die Ablösung begann 1968 mit den B-Versionen der legendären „KAD“-Reihe – eigentlich unverständlich, da eine Lenkradschaltung gerade zu Oberklasselimousinen sehr gut passt.
„GT“, „Commodore“, „Ascona“ und so weiter – sie alle bekamen die bis heute übliche Mittelschaltung eingebaut. Als die C-Baureihe des „Rekord“ 1971 abgelöst wurde, bedeutete das auch das Aus für die Lenkradschaltung bei Opel.

Opel-Klassiker: 1,8 Liter (1931-33)

•4. Februar 2017 • Schreibe einen Kommentar

Ende der Zwanziger Jahre hatte sich Opel auch in der Mittelklasse als Platzhirsch etabliert, nicht zuletzt durch die Erfolgsmodelle „7/34 PS“ bzw. „8/40 PS“. Kennzeichnend für diese beiden Modelle war vor allem ein bei vergleichsweise kleinem Hubraum eingebauter Sechszylindermotor.
Es folgten GM-Übernahme, Börsencrash, Wirtschaftskrise. Eine schwierige Zeit, in der sowohl Produktionszahlen, Umsatz und auch die Mitarbeiterzahl Einbußen erlitten.
Anfang der Dreißiger Jahre erschienen dann zwei neue Modelle, die bei Opel für einen nachhaltigen Reboot sorgten. Beide wurden Ende 1930 in Frankfurt am Main offiziell präsentiert. Das eine Modell war der „1,2 Liter“, das andere der neue „1,8 Liter“ – mehr oder weniger Nachfolger der früheren Sechzylinder-Modelle.
Der „1,8 Liter“ sorgte in der Folge für wahre Begeisterungsstürme in der Presse. Manche sorgten sich sogar ernsthaft um die künftige Konkurrenzfähigkeit der restlichen deutschen Hersteller.
Tatsächlich verkaufte sich der „1,8 Liter“ trotz Wirtschaftskrise halbwegs ordentlich – in den drei Produktionsjahren liefen gut 32.000 Einheiten vom Band, davon mehr als 10% in der luxuriöseren „Regent“-Version (nicht zu verwechseln mit dem leider eingestampften „Regent“-Achtzylinder!).
Der Erfolg des „1,8 Liter“ basierte dabei nicht mal auf allermodernster Technologie. Vielmehr bewirkten das gefällige Äußere, der extra in den USA entwickelte laufruhige Motor, eine sehr gute Abstimmung sowie zupackende Servo-Bremsen den Verkaufserfolg. Das relativ niedrige Gewicht des „1,8 Liter“ sorgte im Zusammenspiel mit dem Sechszylinder zudem für eine flotte Fahrdynamik.

Klappsitz im Heck : Opel-Klassiker 1,8 Liter als 2+2-Version

Klappsitz im Heck: Opel-Klassiker 1,8 Liter als 2+2-Version

Eine weitere Ursache seiner Popularität waren die vielen verschiedenen Modellvarianten. Erhältlich war „1,8 Liter“ natürlich sowieso als zwei- bzw. viersitzige Limousinenversion. Hinzu kamen ein zwei- bzw. viersitziges Cabriolet, ein offener Sport-Zweisitzer und ein Touringmodell mit Faltdach.
Dann gab es eben noch die besser ausgestatteten „Regent“ -Versionen sowie jeweils eine „Sonnen“ -Variante der Limousinen. Damit brachte Opel übrigens das Schiebedach nach Deutschland.
Die Preisspanne der „1,8 Liter“ bewegte sich von klar unter dreitausend bis viertausend Reichsmark – immer noch halbwegs erschwinglich. Inzwischen dürften sehr gut erhaltene Fahrzeuge das 5-6fache in Euro kosten.

Sonstiges: Corsa-Lizenzbau in Weißrussland

•28. Januar 2017 • Schreibe einen Kommentar

Anfang 2014 annektierte Russland die ukrainische Halbinsel Krim – hiesige Medien berichten schon lange nicht mehr darüber. Wenig später entflammte in der Ostukraine ein militärischer Konflikt zwischen pro- und antirussischen Milizen. Eine Folge dieser Geschehnisse war unter anderem ein Wirtschaftsboykott Russlands durch mehrere Länder, welcher wiederum zu einem anhaltenden Rubelverfall führte.
Betroffen wurden hier unter anderem auch ausländische Autohersteller, welchen nun die Wahl zwischen starken Preiserhöhungen und -subventionen blieb. Oder einem Komplettrückzug aus dem – potentiell – großen russischen Markt. Diese schmerzhafte Entscheidung fällten etwa General Motors und Opel.
Doch ganz aus Russland verschwunden ist Opel dennoch nicht. Denn seit 2014 montiert der weißrussische Automobil- und Nutzfahrzeughersteller Unison den hierzulande inzwischen abgelösten Opel-Klassiker Corsa „D“ in Lizenz. Und da Weißrussland genau wie Russland Mitglied der „Eurasischen Wirtschaftsregion“ ist, können die Belarus-Corsa zollfrei gen Russland exportiert werden.
Ein kleines russisches Hintertürchen bleibt für Opel also vorerst offen – klein deshalb, da sich die Corsa-Produktion bei Unison nur auf ein paar tausend Einheiten pro Jahr beläuft. Außerdem gilt der Lizenzvertrag vorerst nur bis 2017.
Zumindest 2015 wurde wohl auch der „Mokka“ kurzfristig bei Unison montiert, Stückzahlen sind nicht bekannt.

Opel-Persönlichkeiten: Manuel Reuter

•21. Januar 2017 • Schreibe einen Kommentar

Nachdem Opel wie auch andere Hersteller bei der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft zu Beginn der Neunziger Jahre kurzfristig ausgestiegen war, fuhren nur Alfa Romeo und Mercedes um den Titel. Die Rüsselsheimer änderten ihre Meinung jedoch ziemlich schnell und kehrten bereits 1994 wieder zur DTM zurück.
Opel entschied sich vermutlich deshalb für einen Wiedereinstieg, weil man sich mit dem  inzwischen verfügbaren V6-Motor des Opel-Klassikers „Calibra“ mehr Chancen ausrechnete. Einer der „Calibra“-Werksfahrer war Manuel Reuter.
Der in Mainz und damit in Opel-Nähe geborene Reuter hatte szenetypisch mit dem Kartsport begonnen, wechselte dann später in die Formel Ford und danach zur DTM. Hier startete er zunächst ebenfalls für Ford, um dann 1993 zu Opel zu wechseln.
Im ersten Jahr mit dem V6-„Calibra“ lief es für ihn und Opel eher ernüchternd. Mercedes dominierte die Meisterschaft und gewann, die Folgesaison verlief kaum anders. Die Rennserie wurde für die Teams dabei immer kostspieliger, das Ende zeichnete sich ab. 1995 wurde die Serie in DTM/ITC umbenannt, im Folgejahr hieß das Ganze nur noch ITC – danach kam das Aus.
Dabei war diese letzte Saison eine der spannendsten überhaupt. Die drei Werksteams fuhren auf Augenhöhe, zum Schluss triumphierten Reuter und Opel mit dem V6-„Calibra“. Dieser legendäre „Cliff-Calibra“ mit seinen fast 500 PS genießt inzwischen längst Kultstatus in der Fanszene.
1996 war überhaupt ein gutes Jahr für Reuter, er gewann hier nämlich auch das extrem prestigeträchtige 24-Stunden-Rennen von Le Mans – allerdings mit einem TWR-Porsche. Dem Tourenwagensport und Opel blieb er aber weiterhin treu und fuhr in den Folgejahren mit einem „Vectra“ im Super-Tourenwagen-Cup mit.
Nachdem die DTM im Jahre 2000 wiederbelebt wurde, kehrten auch Opel und Reuter zurück, diesmal mit dem „Astra V8 Coupé„. Reuter wurde am Saisonende Vizemeister, in den Folgejahren ging es DTM-mäßig dann aber bergab. 2003 gewann er im Team mit anderen Fahrern (und wieder mit dem „Astra V8 Coupé“) aber nochmal ein großes Rennen, nämlich die 24 Stunden auf dem Nürburgring.
2005 beendete Reuter seine aktive Fahrerkarriere. Seitdem betätigte er sich unter anderem als Opel-Markenbotschafter, bei Opels „OPC“-Modellentwicklung, in der DTM Driver Association sowie als aktiver Triathlet.

Opel-Werke: Karosseriewerk K 40 (Rüsselsheim)

•14. Januar 2017 • Schreibe einen Kommentar

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren Opels Produktionsanlagen im Rüsselsheimer Stammwerk stark zerstört worden, das Lkw-Werk in Brandenburg (Stadt) war gar komplett vernichtet. Demontagemaßnahmen für Reparationsleistungen kamen hinzu, zudem waren viele ehemalige Opel-Mitarbeiter im Krieg umgekommen. In den ersten Nachkriegsjahren sah die Zukunft für Opel also ziemlich ähnlich aus wie die für Deutschland überhaupt: bestenfalls unsicher.
Opels Mutterkonzern General Motors ließ sich denn auch ein Weilchen Zeit, ehe Ende 1948 offiziell die Entscheidung pro Opel verkündet wurde. Dann ging es allerdings zügig weiter: Finanzmittel, Know-How und ein weltweites Händlernetz standen fortan wieder zur Verfügung. Die Kriegsschäden im Rüsselsheimer Werk wurden beseitigt, neue Produktionshallen entstanden.
Und was kaum jemand für möglich gehalten hätte, trat ein. Westdeutschland feierte sein „Wirtschaftswunder“ und wurde in den folgenden Jahren zum zweitgrößten Automobilproduzenten und sogar größten Automobilexporteur der Welt. Das merkte man natürlich auch bei Opel.
Auch wenn die Produktionskapazitäten hier im Vergleich zur Vorkriegszeit bereits stark gestiegen waren, deuteten sich zu Beginn der Fünfziger Jahre kommende Engpässe an. Deshalb begann man 1954 mit dem Bau des neuen Karosseriewerkes K 40, um hiermit die geplante Produktion von tausend Fahrzeugen pro Tag stemmen zu können.
Die Bauzeit betrug zwei Jahre, im Sommer 1956 lief die Produktion in der neuen Halle an. Opels gesamte Produktionsfläche hatte sich jetzt um fast ein Drittel gesteigert. K 40 war zum damaligen Zeitpunkt übrigens der größte industrielle Neubau Westdeutschlands – da ging was.
Obwohl Opel seine Produktionskapazitäten nun stark erhöht hatte, blieb K 40 nur ein Zwischenschritt. Denn trotz Verdoppelung (!) des Ausstoßes allein zwischen 1954-58 stieg die Nachfrage weiterhin an – weitere Ausdehnungsmöglichkeiten des Stammwerkes waren durch dessen Lage zwischen Main, Eisenbahnlinien sowie der Stadt Rüsselsheim allerdings begrenzt.
Ein weiterer Standort musste her…

Opel-Historie: Korkmaschinen

•7. Januar 2017 • Schreibe einen Kommentar

Die Opel-Geschichte begann bekanntlich mit dem Bau von Nähmaschinen, welche sich recht bald eines exzellenten Rufs erfreuten. Weniger bekannt ist vielleicht, dass das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen eine Zeit lang auch Produkte für das landwirtschaftliche Umfeld herstellte, Milchwagen und Motorpflüge etwa.
In diesem Zusammenhang steht auch eine kurze Zeitspanne gegen Ende des 19. Jahrhunderts, in der Opel Korkmaschinen produzierte. Diese sogenannten „Kapselateure“ wurden nach dem „System Dupré“ gebaut und fanden in den nahen Weinbaugebieten Rheinhessens oder der Moselregion guten Absatz.
Da die Nachfrage saisonal naturgemäß erheblich schwankte und Opel inzwischen erfolgreich mit der Fahrradproduktion begonnen hatte, trennte sich das Unternehmen aber bald wieder von diesem Geschäftszweig.
Zwei ehemalige Werksangehörige übernahmen das komplette Produktionsmaterial sowie das Vertriebsnetz. Die daraus entstandene Firma nannte sich „Kellereimaschinenfabrik W. Blöcher“ und existierte in Folge noch mehrere Jahrzehnte. Zum Wohl!