Opel-Klassiker: Vectra (B)

•25. Juni 2022 • Kommentar verfassen

Mitte der Neunziger Jahre erschienen bei Opel gleich zwei neue Fahrzeuggenerationen in der Mittelklasse, der B-„Omega“ sowie der darunter angesiedelte B-„Vectra“ . Letzterer wirkte im Vergleich zu seinem Vorgänger etwas geglätteter und er war in mehr Motorversionen erhältlich.

Vor allem aber gab es ihn auch als Kombi – im Opel-Deutsch „Caravan“ geheißen. Von diesem ausgehend baute Opel-Veredler Irmscher wiederum ein gutes Dutzend „i30“ : 220-PS starke Geschosse, womit sich so mancher Sportwagen düpieren ließ. Preislich lagen diese allerdings deutlich über dem „i500“, welcher wiederum deutlich über den normalen „Vectra“-Preisen lag…

Gestaltung passabel, große Motorenauswahl, preislich ok – ergo verkaufte sich auch der B-„Vectra“ ganz ordentlich. Inzwischen sieht man kaum noch entsprechende Fahrzeuge, die Gebrauchtpreise sind genau wie beim Vorgänger trotzdem eher niedrig. Vielleicht liegt’s daran, dass die ersten beiden „Vectra“-Baureihen heutzutage absolut nach Kompaktklasse aussehen und nicht wie Mittelklassemodelle.

Nota bene: Vauxhalls „Vectra“-Schwestermodell wurde 2013 vom BBC-Automagazin „Top Gear“ aufgrund dessen vermeintlicher (?) Mittelmäßigkeit unter die „13 Worst Cars Of The Last 20 years“ gewählt (auf Platz 5). Boah.

Opel-Historie: Das ausländische Kapital wird angefeindet

•18. Juni 2022 • Kommentar verfassen

Bekanntlich konnte Opel noch rechtzeitig vor der Weltwirtschaftskrise unter die finanziell und technologisch schützenden Fittiche von General Motors schlüpfen. Das vermied aber dennoch weder Umsatzeinbrüche noch Entlassungen, was – wenig überraschend – für Unmut sorgte.

Auch aus anderen Gründen gab es kritische Töne gegenüber Opel. Der 1931 auf den Markt gebrachte „1.8 Liter“ , dessen Motor mit Hilfe von GM neu entwickelt worden war, sorgte offenbar derart für Furore, dass sich einige Sorgen um das Wohlergehen der einheimischen Mittelklasse-Wettbewerber machten.

Die Übernahme des mit Abstand größten deutschen Automobilherstellers durch ein ausländisches Unternehmen verärgerte natürlich auch die aufkommenden nationalistischen Politkreise in Deutschland. An deren entsprechender Polemik und Falschdarstellungen mangelte es anscheinend nicht, wie es ein mehrseitiger Artikel in der Werkszeitschrift „Opel-Geist“ vom 31.08.1932 indirekt belegt.

Denn unter der Überschrift „Kampf um die Wahrheit“ muss sich das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen hier tatsächlich de facto rechtfertigen, einem ausländischen Konzern zu gehören. Opels Übernahme durch GM wird hier ausführlich und zu recht als Gewinnsituation für beide Seiten dargestellt, auch die starke Exportsteigerung im Zusammenhang mit dem weltweiten GM-Vertriebsnetz wird angesprochen.

Nota bene: wenige Monate später waren die Nazis an der Macht und die große Gleichschaltung begann. Opel mit seinen ach so ‚bösen‘ ausländischen Besitzern avancierte zum zeitweise größten Devisenbringer im NS-Reich. Pecunia non olet…

Opel in der Populärkultur: „Start – Das Opel-Magazin“

•11. Juni 2022 • Kommentar verfassen

Irgendwann zu Beginn des Internetzeitalters prognostizierte irgendwer, dass das Ende der klassischen Printmedien eingeleitet worden sei. Was im Nachhinein vielleicht für reine Tageszeitungen teilweise zutreffend war, kann für Spezialzeitschriften und -magazine definitiv als Fehleinschätzung gewertet werden, wie es jede größere Bahnhofsbuchhandlung beweist. Gefühlt ist eher das Gegenteil eingetreten.

Ein leider doch eingestelltes Spezialheft war das von Opel ab 1983 herausgegebene (anfangs teilweise klein geschriebene) „start – das Opel-Magazin“ . Üblicherweise 1x pro Quartal erscheinend, war es entweder per Abonnement oder direkt beim Opel-Händler erhältlich, im Prinzip war es also eine Kundenzeitschrift. Die Titelstories drehten sich natürlich häufig um neue Modelle wie etwa den „Corsa“ in der Erstausgabe. Die weiteren Artikel handelten etwa von Personen mit Opel-Bezug, Opel-Technik, Rennsportthemen, Reiseberichten u.v.m. Bisweilen lagen auch gefaltete Poster mit Risszeichnungen neuer oder historischer Opel-Modelle bei, technische Daten auf der Rückseite inklusive.

Im neuen Jahrtausend wurde der Magazinname ein paarmal leicht abgeändert und es ging thematisch etwas in Richtung Lifestyle-Touch. Das kam vielleicht nicht mehr so gut an, war in der Herstellung zu teuer oder was auch immer, jedenfalls war mit der Ausgabe 01-2012 Schluss.

Gut erhaltenene gebrauchte Opel-Magazine lassen sich im Netz auf entsprechenden Verkaufsplattformen noch recht einfach nachkaufen, die Poster sollten ggf. aber schon noch mit an Bord sein.

Link zu einer Übersicht der Heftausgaben siehe hier

Opel-Persönlichkeiten: Max Lochner

•4. Juni 2022 • Kommentar verfassen

Manche Menschen werden schon als Kind oder Jugendliche mit einer bestimmten Automarke sozialisiert und kommen dann ihr Leben lang nicht mehr davon weg. Völlig anders war es offenbar bei Max Lochner. Der 1868 in Aachen geborene Fabrikantensohn lernte erst Violine und dann im väterlichen Tuchbetrieb, worauf eine Dienstzeit in der Artillerie folgte.

1905 zog er nach Mainz, um sich dort dem Pferdesport sowie dem Reiten ganz allgemein zu widmen. Eine Verbindung zu Automobil und Luftfahrt kam vermutlich durch seinen Bruder Erich zustande, welcher in beiden Bereichen aktiv war; Erich war durch seine Fliegerei übrigens auch mit August Euler bekannt (siehe entsprechenden Artikel).

Flugzeugkonstruktionen und Rennsportaktivitäten des Bruders könnten Max Lochner irgendwie dazu inspiriert haben, ein möglichst stromlinienförmiges Automobil zu entwerfen – denn dies tat er. Das Ergebnis erblickte 1912 das Licht der Welt und war im Auftrag Lochners von Opel hergestellt worden: das sogenannte „Opel-Ei“ (siehe entsprechenden Artikel). Auf Grundlage eines „13/30 PS“ war dieses Einzelstück eines der ersten stromlinienförmigen Automobile überhaupt, leider ist es seit dem Ersten Weltkrieg verschollen. Die Fahrzeugkosten von 120.000 Reichsmark wurden übrigens von Lochner selbst getragen – offenbar litt er nicht gerade an Geldmangel.

In den Folgejahrzehnten erfand Max Lochner noch allerlei, er starb 1949 in Mainz.

Opel-Zukunft: Vorerst (?) kein eigenes Ladenetz

•28. Mai 2022 • Kommentar verfassen

Bekanntlich hat sich Opel vorgenommen, ab 2028 in Europa ausschließlich elektrisch betriebene Fahrzeuge anzubieten. Das ist schon ein recht ambitioniertes Ziel, auch wenn aktuell fast alle Modelle schon als mindestens teilweise elektrifizierte Variante verfügbar sind.

Der hehre Vorsatz deckt sich naturgemäß mit ähnlichen Plänen des Stellantis-Mutterkonzerns; sämtliche Konzernmarken inklusive der jüngst mit dem FCA-Gruppe hinzugekommenen dürften früher oder später mit entsprechenden Enddaten operieren (müssen). Im Zusammenhang hiermit steht auch die Konzernentscheidung, künftig eigene Batteriewerke zu bauen (davon eines in Kaiserslautern), um entsprechend unabhängig werden zu können.

Zudem soll ein eigenes Ladenetz aufgebaut werden. Dieses sogenannte „Atlante“ -Projekt scheint aber zunächst auf die Iberische Halbinsel, Frankreich sowie Italien zu zielen (etwas un-öko ist dabei allerdings, dass in Frankreich der meiste Strom von Kernkraftwerken erzeugt wird).

Ein eigenes Opel-/Stellantis-Ladenetz für Mitteleuropa steht also erstmal nicht im Raum. Die Rüsselsheimer setzen offenbar eher auf heimische Ladepunkte sowie allgemeine öffentliche Schnellladestationen. Entsprechend liefert Opel bei seinen aktuellen E-Modellen von Haus aus Ladekabel für normale Haushaltssteckdosen mit aus und bietet optionales Zubehör zum Stromauftanken unterwegs an.

Opel-Historie: Hinterrad-Einzelaufhängung & Miniblock-Federn (1978)

•21. Mai 2022 • Kommentar verfassen

Als Opel 1978 mit dem „Senator“ sowie dessen Coupé-Schwestermodell „Monza“ ein letztes Mal die Oberklasse halbwegs erfolgreich angriff, war das schon eine Überraschung. Denn die nahe Verwandschaft zum biederen Mitteklasse-„Rekord“ war optisch zumindest beim „Senator“ unverkennbar.

Jedoch boten die beiden gut ausgestatteten neuen Opel ein viel besseres Preis-Leistungsverhältnis als ihre süddeutsche Konkurrenz. Hinzu kamen sehr laufruhige Sechszylinder-Motoren, welche allerdings ordentlich schluckten – so war damals kurz vor der zweiten Ölkrise nun mal.

Neben der Motordynamik wurde bei „Senator“ und „Monza“ häufig die Fahrwerksqualität gelobt. Hierzu trugen zwei technische Neuerungen an den Hinterrädern maßgeblich bei: bei Opel-Modellen dort erstmals verbaute einzelne Radaufhängungen in Kombination mit neu entwickelten, „Miniblock“ genannten Federn. Letztere waren in der Mitte bauchiger als an den Enden (also im Prinzip tonnenförmig), was eine Berührung der einzelnen Windungen unter Belastung verhinderte. Durch die zusätzliche Verjüngung der Federdicke jeweils zu den Enden hin entstand zudem eine progressive Federrate – je mehr Belastung, desto härtere Federung. Hut ab – einfach aber genial.

Opel-Derivate: Buick Regal

•14. Mai 2022 • Kommentar verfassen

Die US-amerikanische Automarke Buick gibt es bereits seit 1903, also schon ziemlich lange. Seit Ende der Neunziger Jahre existiert die Marke sogar gewissermaßen doppelt, nachdem Opels damaliger Mutterkonzern General Motors zusammen mit dem chinesischen Automobilhersteller SAIC Motor ein Gemeinschaftsunternehmen gründete, welches seine Fahrzeuge im Reich der Mitte fortan unter dem Namen Buick anbot.

Ein Jahr nach Erscheinen des neuen Opel-Flaggschiffs „Insignia“ brachte China-Buick den so gut wie baugleichen „Regal“ auf den Markt. Das Modell war neu, der Name allerdings schon seit den frühen Siebziger Jahren für einen US-Buick in Gebrauch.

Der „Regal“ wurde sowohl in Rüsselsheim (parallel zum deutschen Schwestermodell) wie auch in China gebaut. Irgendwie kompliziert… Auch nach dem Erscheinen der B-Version des „Insignia“ wurde dieser als „Regal“ weiter in Nordamerika (bis 2020) sowie bis heute in China angeboten.

Produziert wird er derzeit sowohl in Shanghai als auch (immer noch) in Rüsselsheim; die hiesige Produktion dürfte in 1-2 Jahren zeitgleich mit dem Anlaufen eines neuen „Insignia“-Modells auf PSA-Plattform enden. Wir sagen schon mal bye-bye.

Notiz am Rande: Von den gesamten Buick-Absätzen entfallen inzwischen ungefähr 80% auf den chinesischen Markt, der dortige Marktanteil ging in den letzten Jahren aber etwas zurück. Die Modellpalette von China-Buick ist zudem erheblich umfangreicher als die von US-Buick. Im Stammland hält sich die Traditionsmarke nur noch wenig über einem Prozent Marktanteil.

Opel-Klassiker: Corsa (A) Stufenheck

•7. Mai 2022 • Kommentar verfassen

Als Opel 1982 den neuen Kleinwagen „Corsa“ präsentierte, kamen die Rüsselsheimer ausnahmsweise mal als Nachzügler in das entsprechende Marktsegment. Denn die Konkurrenz aus Wolfsburg, Köln oder Frankreich war hier schon längere Zeit Zeit präsent. Wie auch immer, der neue kleine Opel fand bald erfolgreich Zuspruch und hält sich bis heute an der Spitze der Kleinwagen-Zulassungsstatistik.

Eine Modellversion hat dazu allerdings sicher nicht beigetragen, nämlich die Stufenheckausgabe der ersten „Corsa“-Baureihe. Diese wurde von Beginn an angeboten, zielte aber eher auf den südeuropäischen Markt und sollte dort vermutlich so eine Art Einsteiger-Familienauto darstellen.

Die Stufenheckversion gab es zunächst nur als Zweitürer und nannte sich „TR“. Gestalterisch stellte sie einen ziemlichen Fehlgriff dar, vor allem im Heckbereich. Die ab 1985 erschienene Viertürerausgabe wirkte in der Seitenansicht allerdings fast noch schlimmer; die separate Modellbezeichnung „TR“ entfiel.

Die Nachfrage nach Stufenheck-„Corsa“ war hierzulande niedrig, konsequenterweise wurde der Verkauf nach ein paar Jahren eingestellt und nur noch für den Export produziert; ab dem B-„Corsa“ gab es dann ausschließlich Schräghecks.

Aussehen hin oder her: heutzutage sind die Dinger superselten – und damit schon wieder interessant.

Opel-Historie: 100jähriges Firmenjubiläum (1962)

•30. April 2022 • Kommentar verfassen

Rekorde, Rekorde, Rekorde – als Opel 1962 seine 100jährige Firmengeschichte feierte, sah es bestens aus für das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen. An diesem Standort war man trotz mehrerer in den Jahren zuvor errichteter neuer Fertigungshallen voll ausgelastet. Opels Pkw-Produktion feierte in diesem Jahr einen neuen Höchststand (die Lkw-Produktion übrigens nicht), auch Mitarbeiterzahlen sowie Umsatz erreichten neue Spitzenwerte. Kein Wunder also, dass der damalige Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard vor weit über tausend Gästen höchstselbst die Festrede hielt.

Tatsächlich sah es 1962 für Opel nicht nur gut aus, es war auch wirklich ein Meilensteinjahr. Denn aufgrund fehlender Kapazitäten im bereits riesigen Stammwerk wurde im August des Jahres das neue, eine Milliarde DM teure Bochumer Werk eröffnet, um dort den künftigen Bestseller und Opel-Klassiker „Kadett“ (sowie später auch andere Modelle) zu bauen. Im Nachhinein betrachtet hätte man die Jubiläumsfeier eigentlich ins Folgejahr verlegen sollen, denn Umsatz, Pkw-Produktion sowie Beschäftigtenzahlen machten nach dem Bochum-Start einen fetten Sprung nach oben.

Nota bene: Opel zeigte auch im Jubiläumsjahr sein traditionelles soziales Herz und spendete etliche Millionen für gemeinnützige Zwecke. Daumen hoch!

Opel-Rennsport: Internationale Opel-Deutschland-Rundfahrt (1931)

•23. April 2022 • Kommentar verfassen

Die „Deutschlandtour“ dürfte wohl des Landes bekanntestes Etappenrennen im Straßenradsport sein, auch wenn sie bei weitem nicht das Standing von „Vuelta“, „Giro d’Italia“ oder gar „Tour de France“ aufzuweisen vermag. Wenn man die Vorläuferwettbewerbe mitzählt, ist sie immerhin recht alt, das erste entsprechende Rennen fand schon 1911 statt.

Die Teilnehmer der unregelmäßig ausgetragenen Vorläuferrennen kamen fast ausschließlich aus dem deutschsprachigen Raum. Das änderte sich 1931 mit der „Ersten Internationalen Opel-Deutschland-Rundfahrt“. Als Neuerung traten hier nicht Werks-, sondern Nationenteams an: jeweils sechs Teilnehmer aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Schweiz gingen an den Start, zudem gab es ein Mixed Team aus Luxemburg, den Niederlanden und Österreich.

Die Rundfahrt fand im Mai 1931 statt, es ging über 16 Etappen mit insgesamt knapp viertausend (!) Kilometern auf eher flachem Streckenprofil vom Start in Rüsselsheim (eh klar!) über Freiburg – München – Thüringen – Sachsen – Schlesien – Berlin – Norddeutschland – Ruhrpott und Rheinland zurück gen Ausgangspunkt. Die längste Etappe betrug fast dreihundert Kilometer, die Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers Erich Metze fast dreißig km/h. Das nötigt angesichts der damaligen Straßen- sowie Materialqualität erheblichen Respekt ab.

Nota bene: in den Folgejahren gab es keine Deutschland-Etappenrennen mehr, erst 1937 wieder. Zu diesem Zeitpunkt war Opels Fahrradproduktion bereits an NSU verkauft und die jahrzehntelang wettbewerbsprägenden Opel-Rennräder Geschichte. R.I.P.

Link: Daten, Bilder, Streckenkarte auf cycling4fans.de