Sonstiges: Die „Manta Verschwörung“

•20. Mai 2017 • Schreibe einen Kommentar

Ende der Sechziger Jahre arbeitete Opel an einem neuen Mittelklassemodell, hausinterne Bezeichnung „Projekt 1450“ . Die beiden daraus entstandenen Opel-Modelle waren „Ascona“ und „Manta“ , beide verkauften sich erfolgreich und hielten sich lange im Programm.
Doch warum wurde die kultige „Manta“-Baureihe nach über einer Million gebauter Einheiten überhaupt eingestellt und nicht von Zeit zu Zeit durch eine modernere Version weitergeführt? Konnte das mit rechten Dingen zugegangen sein oder steckt mehr dahinter?
Dieser Frage widmeten sich die beiden Filmstudenten Johannes Kümmel und Max Penk. In einem 2007 produzierten Kurzvideo präsentierten sie die sogenannte „Manta Verschwörung“. In dieser frei erfundenen Dokumentation – neudeutsch „Mockumentary“ genannt – behauptet ein gewisser „Herbert R.“, angeblich in den Siebziger Jahren bei Porsche im Vertrieb beschäftigt, dass die schwäbische Sportwagenschmiede durch den „Manta“ eine zu gefährliche Konkurrenz bekommen hätte. In der Konsequenz habe Porsche sodann den Komiker Karl Dall engagiert, um hundert Manta-Witze zu erfinden, in die Welt zu setzen und so den Ruf des Rivalen zu ruinieren.
Das Video (Link siehe unten) wirkt auf den ersten Blick auch recht glaubwürdig, angeblich fielen tatsächlich etliche auf diese köstliche Idee herein.
Im wirklichen Leben bot der „Manta“ auch in seiner sportlichsten Version keine echte Konkurrenz für Porsche. Erst in den Neunzigern konnte der „Calibra“ Turbo 4×4 etwa dem „968“ Paroli bieten – zum halben Preis.
Hier der Link zum Video: Mockumentary „Projekt 1450 – Die Manta Verschwörung (2007)“

Opel-Veredler: Karl Deutsch (Köln)

•13. Mai 2017 • Schreibe einen Kommentar

Wie so viele andere (ehemalige) Karosseriebauer hatte auch die Kölner Firma Karl Deutsch ihre Wurzeln in einer Stellmacherei. In diesem Fall war es die Firma J.W. Utermöhle, welche 1913 von Karl Deutsch übernommen und 1916 auch nach ihm umbenannt wurde.
Während des Ersten Weltkrieges lebte das Unternehmen von Armeeaufträgen, man baute Lastanhänger für Armeefahrzeuge. Danach fertigte Deutsch Karosserien für verschiedene Hersteller, vor allem Citroën und Ford.
Die Deutsch-Werke waren zu Beginn nicht auf Cabriolets spezialisiert, was sich im Laufe der Jahre aber änderte. Ein herausragendes Beispiel dafür bildete – Überraschung! – ein Opel, nämlich der 51x von Deutsch auf Grundlage des Opel-Klassikers „1,8 Liter“ hergestellte wunderschöne „Moonlight Roadster“ .
Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges liefen die Deutsch-Geschäfte offenbar gut, Ende der Dreißiger Jahre hatte das Unternehmen mehrere hundert Mitarbeiter. Wie die folgenden Kriegsjahre dann wirtschaftlich überstanden werden konnten ist unklar – vermutlich bekam man Rüstungsaufträge oder lebte von Reparaturen. Die Produktionsanlagen wurden in dieser Zeit jedenfalls ziemlich beschädigt.
Nach Kriegsende brachte die wiederaufgenommene Ford-Fertigung auch die Deutsch-Produktion zurück ins Geschäft, was angesichts der damaligen Einkommen und vergleichsweise teuren Cabriolets doch etwas erstaunt.
Firmengründer Karl Deutsch verstarb 1957, die Geschäfte wurden von Sohn Werner weitergeführt. Unterdes schneiderte das Unternehmen auch Borgward- und Opel-Modelle luftig um. In letzterem Fall betroffen waren „Kadett“ (B), „Rekord“ (A, C) sowie „Commodore“ (A), es handelte sich aber jeweils nur um wenige Exemplare.
Für einen ordentlichen Umsatz war das spätestens nach der Borgward-Pleite nicht genug, zudem soll die Qualität der Deutsch-Umbauten in den Sechziger Jahren nachgelassen haben. 1971 wurde die Geschäftstätigkeit eingestellt.
Von den relativ vielen Deutsch-Fahrzeugen der Vorkriegszeit dürften heutzutage nur noch extrem wenige existieren, Opels „Moonlight Roadster“ hat in wenigstens einem Exemplar überlebt.

Opel-Historie: Abschied vom Werkstoff Holz (20er Jahre)

•6. Mai 2017 • Schreibe einen Kommentar

Als Opel 1924 als erster deutscher Automobilhersteller die Fließbandproduktion aufnahm, bedeutete das eine echte Zeitenwende. Produktionsabläufe mussten umgestellt werden, (teure) Spezialmaschinen ersetzten Handwerker, zeitaufwändige Manufakturprozesse wurden durch maschinelle Fertigung ersetzt.
Revolutionär war auch die Umstellung auf den Werkstoff Stahlblech. Denn bis dato wurden Fahrzeugaufbauten überwiegend aus Holz hergestellt.
Der neue Werkstoff brachte eine Vielzahl von Vorteilen. Die Verbindung von Karosserie und Chassis wurde nun besser – verschweißte Teile halten nun mal besser als geklebte oder verschraubte. Das Fahrzeuggewicht verringerte sich deutlich. Stahlblech konnte in Pressmaschinen nahezu beliebig umgeformt oder ausgestanzt werden.
Und nicht zuletzt bedeutete die enorme Zeitersparnis in der Produktion höhere Fertigungskapazitäten sowie niedrigere Kosten je Einheit (von der Anschaffung der ganzen Maschinen mal abgesehen).
In den Folgejahren verschwand der Werkstoff Holz nach und nach aus Opels Produktionsprozessen und Fahrzeugen. Mit der Einführung der ersten selbsttragenden Karosserie beim Opel-Klassiker „Olympia“ 1935 war wohl endgültig Schluss.
Eine kleine Ausnahme bildete die allgemeine Rohstoffverknappung während des Zweiten Weltkrieges, welche beim hochgeschätzten Lkw „Blitz“ zu teilweise aus Hartfaserplatten gefertigten Fahrerhäusern führte.

Opel-Klassiker: Olympia A (1967-70)

•29. April 2017 • Schreibe einen Kommentar

Nachdem Opels „Kadett A“ bereits recht gut in den Markt gestartet war und die Rüsselsheimer damit eine erfolgreiche Rückkehr in das Kleinwagensegment feiern konnten, legte Nachfolger „B“ erst richtig los. Die Baureihe verkaufte sich insgesamt ungefähr 2,7 Millionen Mal, das lag sicher auch an ihrer erheblichen Modellvielfalt.
Eine sehr gelungene „B“-Variante war der ab Herbst 1967 angebotene „Olympia A“. Mit der speziellen Namensgebung wollte Opel vermutlich eine Art Zwischenmodell zwischen „Kadett“ und „Rekord“ platzieren. Zudem erinnert sie natürlich auch an den gleichnamigen Opel-Klassiker.
Wie auch immer, tatsächlich bedeutete der „Olympia A“ eine nochmalige Aufwertung der „LS“-Version des „B“. Diverse Zusatzausstattungen machten das Modell komfortabel, der Einstiegspreis lag bei knapp siebentausend Mark (damals ungefähr ein durchschnittlicher Jahres-Nettolohn).
Die Karosserieform des „Olympia A“ war im Vergleich zum „Kadett B“ deutlich fließender, zudem wies er mehr Chromelemente auf. Im Frontbereich war – analog zur US-Version des „Kadett B“ – der Kühlergrill optisch leicht um die vorderen Kotflügelecken herumgeführt.

Opel-Klassiker Olympia A

Kadett-Eleganz dank Fließheck: Opel-Klassiker Olympia A

Erhältlich waren „Olympia A“ als zwei- oder viertürige Limousine sowie als – besonders elegant ausgefallenes – Coupé. Dieses war auch die einzige Modellvariante, welche mit einem 1,9-Liter-Motor lieferbar war. Dessen 90 PS bedeuteten bei einem Leergewicht von unter neunhundert Kilo verhältnismäßig viel Leistung. Gut 160 km/h Spitze waren der Dank, das war damals ziemlich flott.
Bei Einstellung der Modellreihe 1970 hatten sich gut achtzigtausend Einheiten verkauft, die heutigen €-Gebrauchtpreise für (seltene) top erhaltene Fahrzeuge liegen ungefähr beim doppelten der damaligen DM-Preise.
Faktischer Nachfolger und echtes Zwischenmodell zwischen „Kadett“ und „Rekord“ wurde der „Ascona“ .

Sonstiges über Opel: Mittlerer Einheits-Pkw „Typ mPl“

•22. April 2017 • Schreibe einen Kommentar

Bereits Mitte der Dreißiger Jahre begannen die Nationalsozialisten mit der Aufrüstung der Wehrmacht. Dies geschah anfangs noch verdeckt, da der Versailler Friedensvertrag erhebliche Einschränkungen vorsah. So nutzte die Wehrmacht bis dato hauptsächlich umgebaute zivile Fahrzeuge, was etwa im Bereich Geländegängigkeit zu erheblichen Schwierigkeiten führte.
Um hier Abhilfe zu schaffen und nicht zuletzt auch wegen einer Typen- und damit Ersatzteilvereinheitlichung entwickelte das Heereswaffenamt mehrere sogenannte „Einheits-Pkw“ in den Versionen leicht/mittel/schwer.
Die mittlere Variante wurde ab 1937 bei Auto Union/Horch in Zwickau produziert, motorisiert waren sie mit einem V8-Motor von Horch. Aufgrund fehlender Produktionskapazitäten wurde bald auch das Chemnitzer Wanderer-Werk mit der Fertigung beauftragt, hier wurde alternativ auch der Sechszylinder-Triebwerkblock von Opels Lkw-Klassiker „Blitz“ eingebaut.
Die meisten der „Mittleren Einheits-Pkw“ waren offen, sie dienten üblicherweise dem Mannschaftstransport. Es gab aber auch Ausführungen als Funkwagen (geschlossen), Propagandafahrzeug (etwa für Filmaufnahmen), Vorwarnerkraftwagen u.a.
1940 wurde die Fahrzeugkonstruktion etwas vereinfacht, zudem musste nun auch Opel in seinem Brandenburger Lkw-Werk einige Produktionsstraßen für die Komplettmontage zur Verfügung stellen. Bis 1943 wurden hier die sogenannten „Opel Typ mPl“ montiert.
Die „Einheits-Pkw“ wurden von der Truppe größtenteils abgelehnt, sie waren zu schwer und zu wenig geländegängig. Ab 1943 wurde die Produktion deshalb eingestellt, das Militär setzte fortan lieber auf Modelle von Mercedes oder Steyr, „Blitz“ und andere Lkw sowie bei den leichteren Fahrzeugen natürlich auf den legendären VW „Typ 82“.
Die Produktionszahlen der „Typ mPl“-Versionen sind nicht bekannt, es waren aber sicher einige tausend Komplettfahrzeuge. Hinzu kommen noch die an Wanderer gelieferten Motoren.

Opel-Historie: Overdrive

•15. April 2017 • Schreibe einen Kommentar

In den Fünfziger Jahren fanden US-amerikanische Einflüsse gerne mal den Weg in die Modelle des Rüsselsheimer Traditionsunternehmens. Weißwandreifen, Panoramascheibe oder Haifischmaul prägten viele Nachkriegs-Opel. Aber auch im nicht-sichtbaren Bereich siedelte sich bisweilen nordamerikanische Technik an, so etwa beim Opel-Klassiker „Kapitän“ .
Denn ab der 1957er Version des alten Seebären gab es optional einen sogenannten „Overdrive“ zu bestellen. Dieses ursprünglich vom US-Automobilzulieferer Borg-Warner entwickelte Getriebe bot die Möglichkeit, im dritten Gang per Lenkrad-Schalthebel einen weiteren Schongang zuzuschalten. Dies führte nach Aktivierung zwar zu Einschränkungen beim Drehmoment, sorgte aber (bei dauerhafter Reisegeschwindigkeit) zu deutlich niedrigerer Drehzahl und damit wiederum zu ungefähr zehn Prozent weniger Benzinverbrauch.
Für den geforderten Aufpreis von 650 DM an sich recht sinnvoll, könnte man meinen. Doch offensichtlich waren Ende der Fünfziger entweder die Benzinpreise zu niedrig oder die Bedienung zu umständlich – im Spätherbst 1960 stellte Opel sein „Overdrive“-Angebot bereits wieder ein.
De-facto-Nachfolgerin ab Dezember 1960 war die sogenannte „Hydra-Matic“ , ein komplettes Dreigang-Automatikgetriebe (Aufpreis knapp 1300 DM). Sie war in der Handhabung sicherlich praktischer als der „Overdrive“, sorgte allerdings auch für einen höheren Verbrauch.
Nach der zweiten Ölkrise zu Beginn der Achtziger Jahre versuchte es Opel nochmal mit dem „Overdrive“ – die Gelegenheit schien günstig. „Rekord“ sowie „Commodore“ ließen sich entsprechend ordern. Doch trotz vergleichsweise stark gestiegener Spritkosten blieben nennenswerte Bestellungen erneut aus, der „Overdrive“ wurde bis auf Weiteres beerdigt.
Falls Opel sich allerdings irgendwann mal als Reisebushersteller versuchen sollte, könnte ein „Overdrive“-Getriebe jedoch wieder eine Option sein – „Scania“ & Co machen es vor.

Opel-Persönlichkeiten: Walter Rietig

•8. April 2017 • Schreibe einen Kommentar

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten dauerte es auch für die Arbeiterschaft nicht lange bis zu den ersten Schikanen. Freie Gewerkschaften und Streikrecht wurden alsbald abgeschafft, teilweise wurden Normen erhöht, in vielen Betrieben etablierte sich ein SpitzelUNwesen.
So auch bei Opel. Aber das bedeutete dennoch nicht, dass die im NS-Sinne beabsichtigte totale Gleichschaltung auch tatsächlich funktionierte. 1936 etwa kam es im Rüsselsheimer Opelwerk trotz des Verbots zu einem (kleineren) Streik, welcher allerdings lediglich die Entlassung der gut 250 beteiligten Arbeiter zur Folge hatte.
Da Opel durch seinen hohen Exportanteil als einer der größten Devisenbringer Deutschlands für das NS-Regime sehr wichtig und zudem durch den US-Mutterkonzern General Motors latent verdächtig war, warfen die braunen Machthaber nun erst recht ein besonderes Auge auf das Traditionsunternehmen. Nicht ganz grundlos, denn es gab wohl mehrere illegale – d.h. nicht zur Einheitsorganisation „DAF“ gehörige – Betriebsgruppen im Werk.
Möglicherweise gab es zunehmende Unruhe unter den Opelanern, jedenfalls wurde 1942 ein Exempel statuiert – vielleicht auch konstruiert. Das Opfer war Walter Rietig, ein langjähriger Opel-Arbeiter. Rietig wurde wegen regimekritischer Äußerungen sowie Kontakten zu Zwangsarbeitern denunziert und verhaftet. Nachdem er ein Gestapo-Verhör durchlitten hatte, unterschrieb er ein Geständnis, widerrief es allerdings eine Woche später.
Das nützte jedoch nichts mehr, er wurde nach Berlin verbracht und dort vor den NS-„Volksgerichtshof“ geführt. Entlastungszeugen waren nicht zugelassen, Rietig wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Die Bekanntgabe der Exekution erfolgte angeblich ausschließlich in den Opel-Werken – klares Ziel Abschreckung.
Vor seinem ehemaligen Wohnhaus Wolfsgartenstraße 54 in Langen befindet sich inzwischen ein „Stolperstein“ .
Quelle u.a.: Chronik Walter Rietig