Opel-Raketenfahrzeuge: RAK 1

Im Jahre 1923 erschien ein heutzutage vermutlich nur sehr wenigen bekanntes Buch, welches in der Folgezeit jedoch einige Auswirkungen hatte. Denn „Die Rakete zu den Planetenräumen“ von Hermann Oberth beschrieb umfangreich die Prinzipien eines mit Flüssigbrennstoff angetriebenen Raketenantriebes und übte hiermit nachhaltigen Einfluss auf spätere Raketenpioniere wie etwa Wernher von Braun, Fritz Sänger oder auch Max Valier aus. Ein weiterer Leser war der notorisch technikbegeisterte Fritz von Opel. Und das sollte auch für das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen direkte Folgen haben.
Denn Valier träumte nicht nur von Weltraumflügen, sondern konnte sich auch Schienen- oder Straßenfahrzeuge vorstellen, die dann mit Feststoff-Raketenantrieb versehen wären. Das passte wiederum hervorragend zu Fritz von Opel, der nicht nur ein passionierter Rennfahrer war, sondern auch für werbewirksame Opel-Aktivitäten stets aufgeschlossen war.
Die beiden trafen sich 1927 und schnell wurde eine Vereinbarung getroffen. Opel würde Forschung und Entwicklung von Raketenfahrzeugen finanzieren und bekäme im Gegenzug dazu die vollständigen Werbe- und Nutzungsrechte zur Verfügung. Anfang 1928 war es dann soweit. Nach vorherigen Prüfstand-Tests wurde ein motorloses Chassis am Heck mit einem Stahlkasten versehen, der zehn Seenot-Rettungsraketen der Firma Sander enthielt.
Der ehemalige Rennfahrer Kurt C. Volkhart durfte das Vehikel steuern und schaffte beim zweiten Versuch auf der werkseigenen Opel-Bahn immerhin 75 km/h Spitze. Genau wie dieser Test wurden einen Monat später auch die ersten beiden Versuche mit dem inzwischen fertig konstruierten Opel-Raketenwagen RAK 1 zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit gewagt.
Nachdem alles zufriedenstellend geklappt hatte, fand am 11.April 1928 dann die offizielle Premiere statt. Opel präsentierte mit dem RAK 1 den ersten raketengetriebenen Wagen der Welt. Vor den Augen diverser Zeitungsvertreter und privater Zuschauer zündete Volkhart die Raketen. Angestrebt war eine vollständige Umrundung der gut eineinhalb Kilometer langen Opel-Bahn. Da nicht alle Raketen zündeten, gelang das leider nicht – trotz erheblicher Rauch- und Lärmentwicklung.
Aber immerhin ergaben Messungen, dass der schnittig gestaltete RAK 1 nur zirka acht Sekunden gebraucht hatte, um bis auf 100 km/h zu beschleunigen – das war schon sensationell genug und für Opel ein ziemlicher Werbeerfolg. Einige Tage später wiederholte man den Versuch, diesmal zündeten tatsächlich alle Raketen – eine zerriss allerdings und spuckte glühend heiße Stahlstücke aus.
Glücklicherweise wurde niemand verletzt, Fahrer Volkhart hatte davon übrigens überhaupt nichts mitbekommen. Ein dritter Start, diesmal mit Fritz von Opel am Steuer, verlief ereignislos. Es folgte RAK 2

~ von opabo - 10. September 2016.

2 Antworten to “Opel-Raketenfahrzeuge: RAK 1”

  1. Sehr interessant! Ich kannte bislang nur den Opel RAK 2. Verwirrenderweise gibt es laut Wikipedia noch ein Flugzeug Opel RAK1, mit dem immerhin der erste bemannte Raketenflug durchgeführt wurde.

    • Stimmt, aber das ist ein Opel-Sander RAK.1. Da kommt auch noch ein Artikel – irgendwann. Es gab mehrere RAK, aber einige dann nicht mehr in Opel-Kooperation.Valier entwickelte gar einen RAK-BOB, der unbemannt auf Eis 400 (!) Spitze schaffte, bevor er mit irgendwas kollidierte. Gefährlich, die Dinger.

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