Opels Motorräder: Eine verpasste Chance

Nachdem die Fahrradproduktion bei Opel überaus erfolgreich gestartet war, begann die Firma im Jahre 1901 auch mit der Herstellung erster Motorräder. Die Modelle waren zu Beginn allerdings eher Fahrräder mit Hilfsmotor, so leistete Opels erstes „Motorzweirad“ noch nicht mal zwei PS.
Die Modelle wechselten rasch, blieben aber in den ersten Jahren immer noch sehr fahrradähnlich. Immerhin erreichten sie durch ihr geringes Gewicht schon Geschwindigkeiten von bis zu 40km/h, was die Fahrer auf den damals unbefestigten Straßen sicher ordentlich durchrüttelte. Noch vor dem ersten Weltkrieg stellte man die Motorradproduktion aufgrund zu geringer Verkaufszahlen wieder ein.
In der wirtschaftlich schweren Zeit nach dem verlorenen Krieg war ein Automobil für die meisten Leute unerschwinglich. Ergo nahm Opel 1919 die Produktion von leichten Motorrädern wieder auf. Unter anderem konstruierte man den „Opel Renner“, ein Sportmotorrad mit immerhin gut 200 Kubik Hubraum und damals moderner Wasserkühlung. Da jedoch die Nachfrage der hauseigenen Automobile bald wieder anstieg und Produktionskapazitäten fehlten, wurde die Motorradproduktion Mitte der Zwanziger Jahre erneut eingestellt.
Doch noch hatte Opel seine Kräder nicht aufgegeben. Man sah die zunehmende Popularität schwerer Motorräder mit Interesse und suchte eine externe Produktionsstätte zu übernehmen. 1928 war es soweit: die sächsischen „Elite-Werke“ wurden aufgekauft.
Fast zeitgleich hatte Opel die Exklusivrechte zur Produktion des sogenannten „Neander-Rahmens“ vom Dürener Konstrukteur Ernst Neumann-Neander erworben. Dieser Einheitsrahmen konnte Motoren mit verschiedenen Hubraumgrößen aufnehmen, Opel entschied sich für einen 500-Kubik-Motor.

Bild: Opel-Klassiker Motoclub

Opel-Klassiker Motoclub: Zweirad-Avantgarde!

Das Beste zum Schluss: 1929 erblickte die bildschöne und avantgardistische „Motoclub 500“ das Licht der Welt. Sie wurde aus genietetem Preßstahl gefertigt, was die Montagezeit deutlich verringerte. Der Rahmen war zudem galvanisch beschichtet, um Korrosion zu unterbinden.
Die „Motoclub“ gab es in zwei Varianten, die stärkere „Super Sport“ bot dabei 22PS Leistung und erreichte ordentliche 120km/h Spitze. Auffallend war zudem der starke Kontrast zwischen den silberfarbenen Metallteilen und den knallroten Sitzen bzw. Reifen. Die etablierte Konkurrenz – NSU und DKW – staunte über den zunehmenden Verkaufserfolg der Neander-Kräder.
Trotz 6000 verkaufter „Motoclub“ war nach der Opel-Übernahme durch General Motors im Gefolge der Weltwirtschaftskrise jedoch endgültig Schluss für die Motorradproduktion, obwohl bereits ein Nachfolgemodell in Planung war.
Top erhaltene „Motoclub“-Exemplare erzielen heutzutage Preise von ca. 20.000€ und zählen damit zu den teuersten Gebrauchtmotorrädern überhaupt.

~ von opabo - 16. März 2013.

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