Opel-Historie: Das ausländische Kapital wird angefeindet

Bekanntlich konnte Opel noch rechtzeitig vor der Weltwirtschaftskrise unter die finanziell und technologisch schützenden Fittiche von General Motors schlüpfen. Das vermied aber dennoch weder Umsatzeinbrüche noch Entlassungen, was – wenig überraschend – für Unmut sorgte.

Auch aus anderen Gründen gab es kritische Töne gegenüber Opel. Der 1931 auf den Markt gebrachte „1.8 Liter“ , dessen Motor mit Hilfe von GM neu entwickelt worden war, sorgte offenbar derart für Furore, dass sich einige Sorgen um das Wohlergehen der einheimischen Mittelklasse-Wettbewerber machten.

Die Übernahme des mit Abstand größten deutschen Automobilherstellers durch ein ausländisches Unternehmen verärgerte natürlich auch die aufkommenden nationalistischen Politkreise in Deutschland. An deren entsprechender Polemik und Falschdarstellungen mangelte es anscheinend nicht, wie es ein mehrseitiger Artikel in der Werkszeitschrift „Opel-Geist“ vom 31.08.1932 indirekt belegt.

Denn unter der Überschrift „Kampf um die Wahrheit“ muss sich das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen hier tatsächlich de facto rechtfertigen, einem ausländischen Konzern zu gehören. Opels Übernahme durch GM wird hier ausführlich und zu recht als Gewinnsituation für beide Seiten dargestellt, auch die starke Exportsteigerung im Zusammenhang mit dem weltweiten GM-Vertriebsnetz wird angesprochen.

Nota bene: wenige Monate später waren die Nazis an der Macht und die große Gleichschaltung begann. Opel mit seinen ach so ‚bösen‘ ausländischen Besitzern avancierte zum zeitweise größten Devisenbringer im NS-Reich. Pecunia non olet…

~ von opabo - 18. Juni 2022.

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