Opel 2020 – ein vorläufiges Fazit

Wie war das Jahr? Pandemisch beeinflusst natürlich, was man an den starken Einbrüchen der Verkaufszahlen vor allem im zweiten Quartal sehen kann. Klar, davon waren alle Mitbewerber auch betroffen, allerdings hatten die Rüsselsheimer offenbar einen überdurchschnittlichen Rückgang der Verkäufe zu verkraften.

In Deutschland etwa verzeichnet Statista ohne Dezember einen Absatzrückgang von 36% im Vorjahresvergleich. Der November 2020 war im Vorjahresvergleich immerhin wieder besser, sogar die seit längerem unbefriedigenden „Insignia“ -Umsatzzahlen legten etwas zu.

In Europa (hier: die meisten EU-Länder plus Norwegen, Schweiz, Island, Großbritannien) verzeichnete Opel laut carsalesbase bis inklusive Oktober 2020 eine weiteren Rückgang der Marktanteile und wird vermutlich die 5%-Marke nicht mehr schaffen. Das ist schon heftig, Mitte der Neunziger Jahre lagen Opel/Vauxhall noch bei über zwölf Prozent Anteil. Damals hatten die Rüsselsheimer eben auch deutlich mehr Modellvielfalt im Angebot.

Stichwort Modelle: der neue „Corsa“ scheint die Erwartungen zu erfüllen, dessen „e“-Version erhielt gar die Auszeichnung „Goldenes Lenkrad“ in der Kleinwagenklasse. Auf Ähnliches hoffen darf man im kommenden Jahr, wenn der äußerlich offenbar sehr gelungene neue „Mokka“ an den Start geht. Die vor einiger Zeit verkündete neue Designlinie mit „Kompass“ und „Vizor“ scheint also tatsächlich umgesetzt zu werden.

Auch der halbwegs gut laufende SUV „Crossland“ erhielt jüngst ein entsprechendes moderates Facelift. In diesem Segment schlägt sich Opel überhaupt ganz gut, die drei Rüsselsheimer SUV-Musketiere „Crossland“, „Mokka“ sowie „Grandland“ stehen hier eben nicht für hausinterne Kannibalisierung, sondern für markeninterne Auswahl. Ein Blick zurück in Opels Mittelklasseangebot der Neunziger Jahre empfiehlt sich auch hier.

Auf Basis der „Corsa“-Plattform mal ähnlich loszulegen wäre sicherlich nicht verkehrt, nach wie vor vermisst man den niedlichen kleinen Imagebringer „Adam“ doch sehr im Portfolio. Allein die Farbauswahl! Vielleicht steht dem Ganzen schlicht die anstehende Fusion der PSA-Gruppe mit Fiat Chrysler im Wege – der zukünftige Markennachbar Fiat hat ja gefühlt außer dem knuddeligen kleinen „500“ nichts Weltbewegendes am Start.

Und überhaupt 2021, was darf man erhoffen? Abgesehen vom bereits präsentierten neuen „Mokka“ hauptsächlich den neuen „Astra“ – das Opel-Traditionsmodell nun erstmals auf PSA-Plattform, soll im Spätsommer/Frühherbst anrollen und muss ein Treffer werden, der „Astra“ verkauft sich ja leider seit Jahren weit unter Wert. Gerüchteweise könnte ein kräftiger Hybridmotor im Angebot sein, eventuell als „OPC“ – das würde letzthin fehlende Sportlichkeit in das Marken- und Modellimage zurücktransferieren.

Die schlimmsten „Brexit„-Befürchtungen scheinen kurz vor Toresschluss hinfällig geworden sein, was sicher gut für die britischen Standorte ist (oder zumindest einen). Trotzdem werden die Mitarbeiterzahlen insgesamt sicher weiter sinken, wenn die Verkäufe nicht wieder anziehen – operativer Gewinn hin oder her. Hier spielen auch die avisierten neuen Märkte außerhalb Europas eine wichtige Rolle, Opel wurde regional einfach seit langem viel zu sehr eingeschränkt.

Es bleibt also weiter spannend. Und wacklig. Einen Marken-Impfstoff bräuchte man… 😉

[Update Januar 2021]

Laut Statista lagen die Neuzulassungen von Opel in Deutschland im Jahre 2020 bei knapp 68% im Vergleich zum Vorjahr (146.219 Pkw im Vergleich zu 215.864). Von den Top Ten der Marken hatte nur Ford einen prozentual vergleichbaren Rückgang zu verzeichnen.

[Update April 2021]

Laut Statista lagen Opels letztjährige Neuzulassungen in Europa (EU, EFTA, GB) bei zirka 490.000 Fahrzeugen, was einem Rückgang von ungefähr 40% entspricht.

~ von opabo - 26. Dezember 2020.

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