Sonstiges: Hyundai/Kia-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim

Ach ja, die Neunziger Jahre. Turbulent waren sie, auch für Opel. Zunächst ein Wiedervereinigungsboom – die Marke war in den ’neuen‘ Bundesländern offenbar sehr beliebt. Recht so. Ein weiteres Werk in Eisenach kam hinzu. Zudem tolle neue Modelle wie etwa der spätere Opel-Klassiker „Calibra“. Ok, es gab auch den „Agila“ – na ja.
Leider setzten sich aber auch die im Vorjahrzehnt begonnenen Qualitätsprobleme fort, Opels Zuverlässigkeits-Image begann zu bröckeln. Und es kamen weitere Wettbewerber hinzu: erste koreanische Modelle erschienen auf den europäischen Märkten, anfangs noch belächelt.
Doch zumindest einige Koreaner erwiesen sich als lernfähig. Anstatt eines einheitlichen Designs für alle Märkte passten sie ihre Modelle bald dem jeweiligen Regionalmarkt an – also vor allem Nordamerika, Asien und eben Europa.
Die Ende der Neunziger Jahre fusionierten Marken Kia und Hyundai zogen noch eine weitere Konsequenz. Denn im Jahre 2003 eröffneten sie das neue „Hyundai Motor Europe Technical Center“ / Hmetc (= Europäisches technisches Entwicklungszentrum) – und zwar in Rüsselsheim.
Gründe für die Standortwahl in der Nachbarschaft zum immerhin zweitältesten deutschen Automobilhersteller waren vielleicht auch die Nähe zu den Europazentralen der Marken in Frankfurt bzw. Offenbach sowie zum Rhein-Main-Flughafen. Aber sich derart in Stammsitznähe einer zunehmend kriselnden Traditionsmarke zu platzieren hatte möglicherweise auch noch andere Gründe – deren vorhandenes Know-How zum Beispiel. Lästig für Opel, aber legitim. Und – das muss man auch zugestehen – gut für den Automotive-Standort Rüsselsheim.
Tatsächlich arbeiten im Hmetc inzwischen einige früher bei anderen deutschen und europäischen Automotiveherstellern beschäftigte Fachleute, sicher auch nicht wenige ehemalige Opelaner. Die aktuell gut dreihundert Hmetc-Mitarbeiter sind für die technische Entwicklung europäischer Modelle zuständig und im Falle Hyundai auch für deren entsprechendes Design verantwortlich (die europäische Kia-Designzentrale sitzt in Frankfurt).
Seit einigen Jahren verfügen die beiden Hersteller auch über jeweils eigene europäische Produktionswerke (in der Slowakei bzw. in Tschechien).

[Update Juli 2022]

Inzwischen sind auch die chinesischen Fahrzeughersteller Chery und Geely vor Ort – im direkt neben Rüsselsheim gelegenen Raunheim nämlich. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt…

Chery kennt man in Europa wohl kaum, in der fernöstlichen Heimat sind sie aber eine Hausnummer. Geely kommt ebenfalls aus China und hat in den letzten Jahren kleinere europäische Marken eingekauft, darunter Volvo und Lotus.

~ von opabo - 8. August 2020.

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