Opel-Erfolge: Streckenweltrekord mit einer Gallone (1973)

Schon mal was vom „Shell Eco-Marathon“ gehört? Hierbei handelt es sich um eine Konkurrenz, welche ursprünglich 1939 in der US-amerikanischen Kleinstadt Wood River (Illinois) entstanden war. Mehrere Shell-Wissenschaftler hatten darum gewettet, welches ihrer Autos mit lediglich einer Gallone (das sind gerundet 3,785 Liter) am weitesten käme. Der Gewinner, ein gewisser R.J. Greenshields, schaffte es auf knapp fünfzig Meilen.
Der Wettkampf wurde fortan als „Shell mileage marathon“ jährlich wiederholt, die Regeln wurden immer mal modifiziert. Wichtig war damals, dass die eingesetzten Fahrzeuge auf Basis eines Serienmodells beruhen mussten.
1973, also passenderweise im Jahre der ersten Ölpreiskrise, pulverisierte ein umgebauter Opel „P1 Caravan“ mit dem Fahrer B.E. Visser den bestehenden Rekord und stellte mit höchst erstaunlichen 376,59 gefahrenen Meilen einen Rekord auf, welcher mehrere Jahrzehnte (!) halten sollte. Wie gesagt, verbraucht wurde lediglich EINE Gallone Sprit. Das Fahrttempo war dabei beschaulich, so zirka dreißig Meilen/Stunde.
Den „P1“ hatte man natürlich erheblich umgebaut, so hatte er nur noch zwei Gänge, Kettenantrieb sowie ein Spezialsystem, welches das Benzin vor dem Eintritt in den (sehr stark isolierten) Motor verdampfte, um ein besseres Luft-Benzin-Mischungsverhältnis zu erhalten. Das angestrebte Ideal lag hier bei einem Verhältnis von 15 zu 1. Zudem wurde zwecks Gewichtserleichterung das halbe Dach weggeschnitten, wodurch das Fahrzeug eher wie ein kleiner Pick-Up wirkte. Die beiden hinteren Antriebsräder hatte man durch ein paar mittig angebrachte Zwillingsräder ersetzt (Fotos siehe Link).
Das Opel-Rekordfahrzeug hat bis heute überlebt. Interessant wäre es zu wissen, ob dieser Erfolg bei Opel selbst überhaupt noch bekannt ist. In jedem Fall ist es beeindruckend und erstaunlich, dass derartige Niedrigstverbräuche bereits vor beinahe fünfzig Jahren machbar waren, wenngleich nicht unter realen Alltagsbedingungen.
Fazit: Ein toller Erfolg, aber hatte der irgendwelche nachhaltigen Auswirkungen? Offenbar nicht– trotz zweiter Ölpreiskrise, erheblich gestiegenen Benzinpreisen und einem Planeten am Rande des Klima-Kollaps. Ach ja: die legendäre Umweltstudie „Die Grenzen des Wachstums“ war 1973 übrigens auch schon erschienen. Ein Wahnsinn.
P.S. Der „Mileage marathon“ (inzwischen „Eco marathon“) wurde in den Achtziger Jahren zunächst auf europäische, später auf weltweite Austragungsorte verlagert. Aktuelle Teilnehmerfahrzeuge sind inzwischen meist originäre Konstruktionen aus Ultraleicht-Materialien wie Kevlar & Co., wo grade noch Platz für den Fahrer ist.
Link: Umfangreiche Informationen, Bilder und ein Video (auf Englisch) zum Thema P1-Rekordfahrt

~ von opabo - 9. Mai 2020.

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