Opel-Historie: Elektro-Großversuch auf Rügen (1992-96)

1992. Nach der Wiedervereinigung boomte zumindest die westdeutsche Wirtschaft. Auch für die Autobauer, auch für Opel. Helmut Kohl war als Bundeskanzler gefühlt in Stein gemeißelt, das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) leitete damals Heinz Riesenhuber. Von einem Atomausstieg träumten zu jener Zeit höchstens die Grünen und auch das Stichwort Klimawandel hätte kaum jemanden hinter dem Ofen [sic!] hervorgelockt.
Auf der äußerst reizvollen und deshalb zumindest in den Sommermonaten auch äußerst stark verkehrsgeplagten vorpommerschen Insel Rügen startete ein mehrjähriger, BMFT-geförderter Großversuch mit Elektroautos. Hintergrund: deren Alltagstauglichkeit zu eruieren.
Am Start waren mehrere Hersteller, unter anderem auch Opel. Die eingesetzten Fahrzeuge waren dabei durchweg nicht eigens konzipierte, sondern lediglich auf Elektroantrieb umgerüstete konventionelle Modelle wie etwa die Caravan-Version des Opel-Klassikers „Astra“ (F). Zudem wurden auch verschiedene Energiespeicher und Ladetechniken getestet.
In den folgenden vier Jahren rollten die insgesamt sechzig eingesetzten Elektromobile gut eine Million Kilometer über Rügens Straßen. Der erhoffte Schub für die neue Technologie blieb allerdings aus, denn häufige Ausfälle sowie – Überraschung – niedrige Reichweite nebst langen Ladezeiten waren im Vergleich mit konventionellen Antrieben offenbar nicht überzeugend genug. Zudem stammte der bezogene Strom teilweise aus Atom- und Kohlekraftwerken, was die „Ökobilanz“ verhagelte.
Die zehn eingesetzten sogenannten „Astra Impuls“ wurden von den Rüsselsheimern nach Abschluss des Großversuchs 1996 immerhin weiter zu Testzwecken eingesetzt.
Fazit: Entsprechende Großversuche zur Elektromobilität werden alle Jahre wieder durchgeführt, das sagt eigentlich schon alles. Opel plant spätestens seit der PSA-Übernahme verstärkt mit zukünftig zumindest optional elektrifizierter Modellpalette, dazu zwingen schon die kommenden EU-Abgasnormen.
Aktuell kostet ein – durchaus ansprechender – „Ampera-e“ aber unsubventioniert über 40.000€, ein konventionell angetriebener „Corsa“ in der Basisversion noch nicht mal ein Drittel. Und wer sein Elektrofahrzeug nicht an einer hauseigenen, sondern an einer öffentlichen Ladestation auf’tanken‘ will, wird unter Umständen ein ordentliches Preis-Wunder erleben.

~ von opabo - 4. Mai 2019.

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