Opel-Historie: GM-Übernahme #4 – Aufschwung & Anfeindungen

Die Weltwirtschaftskrise nach dem berüchtigten New Yorker Börsenkrach 1929 hatte auf viele deutsche Automobilhersteller nachhaltige Auswirkungen – sie gingen Pleite. Opel hingegen überlebte, nicht zuletzt dank der Übernahme seitens General Motors. Trotzdem waren die Umsätze zunächst nicht gerade prickelnd, 1932 wurden inklusive Nutzfahrzeugen nur noch knapp 21.000 Fahrzeuge verkauft.
Dann kam die schicksalhafte Reichstagswahl 1933. Die Nazis wurden stärkste Partei und kamen an die Regierung. Das hatte auch für Opel einschneidende Auswirkungen. Die allgemeine Unterwanderung der deutschen Betriebe durch NS-Organisationen machte natürlich auch vor den Rüsselsheimer Werkstoren nicht halt. Freie Gewerkschaften wurden verboten, der Betriebsrat in Rüsselsheim wurde von einem NS-nahen „Vertrauensrat“ abgelöst. Laut Deutschland-Berichten der Sopade von 1935 wurden die Opel-Arbeiter zunehmend schikaniert, Toilettengänge etwa waren nur noch mittels Ab- und Rückmeldung gestattet, auch kleine Zwischenmahlzeiten bedeuteten eine halbe Stunde Arbeitszeitabzug.
Im Gegensatz dazu half die von den Nazis propagierte Volksmotorisierungkampagne zusammen mit der zeitweisen Abschaffung der Kfz-Steuer wiederum, den allgemeinen Automobilabsatz anzukurbeln, also auch den vom Marktführer Opel. Die auch dank GM-Unterstützung teilweise richtungsweisenden neuen Modelle taten ein Übriges – Produktion, Umsatz und Beschäftigtenzahlen stiegen bis 1938 konstant an.
Ebenso florierte der Export, Opel war einer der größten Devisenbringer des Dritten Reiches. Die Gewinne wurden überdies meist reinvestiert, da der Transfer ins Ausland NS-seitig verboten worden war. Opel war also ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Regime.
Die andere Seite der Medaille bestand aus etlichen NS-Schikanen gegenüber dem im ausländischen Besitz befindlichen Traditionsunternehmen. Die Nazis versuchten wiederholt, Opels Bedeutung auf dem Inlandsmarkt zu schmälern. Angeblich mischten sich weit über zweihundert (!) Regierungsstellen in die inneren Abläufe Opels ein.
Als vom Rüsselsheimer Werk kurz vor Kriegsbeginn eine teilweise Umstellung der Produktion auf Munitionsfertigung verlangt wurde, lehnte Opel – ganz sicher auch im Sinne der US-Eigner – durchaus tapfer ab. Dabei blieb es zwar tatsächlich bis Kriegsende, aber für die kommenden Jahre war es mit Einflussmöglichkeiten seitens GM erstmal vorbei.

~ von opabo - 10. Februar 2018.

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