Opel-Historie: Overdrive

In den Fünfziger Jahren fanden US-amerikanische Einflüsse gerne mal den Weg in die Modelle des Rüsselsheimer Traditionsunternehmens. Weißwandreifen, Panoramascheibe oder Haifischmaul prägten viele Nachkriegs-Opel. Aber auch im nicht-sichtbaren Bereich siedelte sich bisweilen nordamerikanische Technik an, so etwa beim Opel-Klassiker „Kapitän“ .
Denn ab der 1957er Version des alten Seebären gab es optional einen sogenannten „Overdrive“ zu bestellen. Dieses ursprünglich vom US-Automobilzulieferer Borg-Warner entwickelte Getriebe bot die Möglichkeit, im dritten Gang per Lenkrad-Schalthebel einen weiteren Schongang zuzuschalten. Dies führte nach Aktivierung zwar zu Einschränkungen beim Drehmoment, sorgte aber (bei dauerhafter Reisegeschwindigkeit) zu deutlich niedrigerer Drehzahl und damit wiederum zu ungefähr zehn Prozent weniger Benzinverbrauch.
Für den geforderten Aufpreis von 650 DM an sich recht sinnvoll, könnte man meinen. Doch offensichtlich waren Ende der Fünfziger entweder die Benzinpreise zu niedrig oder die Bedienung zu umständlich – im Spätherbst 1960 stellte Opel sein „Overdrive“-Angebot bereits wieder ein.
De-facto-Nachfolgerin ab Dezember 1960 war die sogenannte „Hydra-Matic“ , ein komplettes Dreigang-Automatikgetriebe (Aufpreis knapp 1300 DM). Sie war in der Handhabung sicherlich praktischer als der „Overdrive“, sorgte allerdings auch für einen höheren Verbrauch.
Nach der zweiten Ölkrise zu Beginn der Achtziger Jahre versuchte es Opel nochmal mit dem „Overdrive“ – die Gelegenheit schien günstig. „Rekord“ sowie „Commodore“ ließen sich entsprechend ordern. Doch trotz vergleichsweise stark gestiegener Spritkosten blieben nennenswerte Bestellungen erneut aus, der „Overdrive“ wurde bis auf Weiteres beerdigt.
Falls Opel sich allerdings irgendwann mal als Reisebushersteller versuchen sollte, könnte ein „Overdrive“-Getriebe jedoch wieder eine Option sein – „Scania“ & Co machen es vor.

~ von opabo - 15. April 2017.

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