Opel-Zukunft: Quiche statt Burger [Update August 2017]

Als vor einigen Wochen die ersten Gerüchte über Gespräche zwischen Opels Mutterkonzern General Motors und der französischen Groupe PSA durch die Medien waberten, war die Aufregung groß. Bedrohte Arbeitsplätze, mögliche Werksschließungen und eine unsichere Zukunft für den Rüsselsheimer Traditionskonzern wurden thematisiert.
Die Verhandlungen über den Opel-Verkauf gingen offensichtlich recht flott über die Bühne, bis Ende 2017 soll er juristisch abgeschlossen sein. Das bedeutet in der Tat einen riesigen Einschnitt – und zwar vor allem für GM.
Man mag’s eigentlich kaum glauben. Denn damit würden sich die Detroiter so gut wie komplett aus dem europäischen Markt verabschieden, zudem vermutlich Pensionsverpflichtungen und Schulden Opels übernehmen. In bislang nicht von Opel abgedeckten Märkten wie etwa Lateinamerika käme ein veritabler Konkurrent hinzu.
Für Opel wiederum muss die Übernahme durch PSA hingegen nicht unbedingt ein Nachteil sein – kommt darauf an, wie unabhängig das Unternehmen weiterhin agieren kann. Potenzielle Synergieeffekte durch die Fusion gibt es sicher, natürlich könnte es auch zu Rationalisierungen kommen. Aber Chancen bietet der Zusammenschluss definitiv.

Stichwort Werksschließungen:
Opel/Vauxhall/PSA haben mehrere Motorenwerke in Europa – hier könnten Zusammenlegungen Sinn machen.
In England existieren derzeit zwei Produktionsstandorte, derjenige in Luton könnte mittelfristig auf der Streichliste stehen – hier werden im Prinzip nur Kleintransporter gebaut. Verlagerung auf den Kontinent möglich.
Eine Komplettschließung beider Werke dürfte trotz „Brexit“ und künftiger EU-Einfuhrzölle für britische Produkte unwahrscheinlich sein, Großbritannien ist der derzeit größte Absatzmarkt für Opel/Vauxhall.

Stichwort Arbeitsplätze:
So oder so stehen in der Automobilbranche in den nächsten Jahren einschneidende Veränderungen an. Erstens durch anstehende Fortschritte in Robotik und Automatisierung. Zweitens zumindest potenziell durch weitere gesetzgeberische Restriktionen im Hinblick auf Emissionsreduzierungen – Stichwort Elektromobilität. Hier werden die Karten ganz neu gemischt, möglicherweise auch durch branchenfremde Mitbewerber. Vielleicht wird das aber auch alles ein riesiger Flop. Ergebnis offen – auch für Opel.

Stichwort unsichere Zukunft für den Rüsselsheimer Traditionskonzern:
Die Groupe PSA kauft Opel sicher nicht, um die Marke vom Markt zu nehmen. Sie kaufen sich im Gegenteil Marktanteile und Image hinzu – und dies offenbar vergleichsweise günstig. Natürlich wird man sich auf die Hebung von Synergieeffekten konzentrieren, aber die von den jeweiligen Marken des neuen Gesamtkonzerns abgedeckten Märkte überschneiden sich trotz ähnlicher Modellpalette bislang eher wenig.

Vorläufiges Fazit:
Die öffentliche Aufregung um den Opel/Vauxhall-Verkauf ebbte hierzulande erstaunlich schnell wieder ab – in England sieht das schon etwas anders aus. Ein böses Erwachen könnte es in ein paar Jahren aber vor allem in Detroit geben.

[Update] Laut Opel-Pressemitteilung vom 01.08.2017 wurde der Verkauf von Opel & Vauxhall zu diesem Datum und damit vorzeitig abgeschlossen. In den folgenden 100 Tagen solle die Geschäftsleitung nun einen Zukunftsplan erarbeiten. Erstes Zwischenziel sei ein operativer Gewinn von zwei Prozent bis 2020. Die Zusammenarbeit mit General Motors werde fortgesetzt, betroffen seien die Bereiche Elektromobilität sowie die Fertigung von Buick- und Holden-Modellen bei Opel (hier dürfte es sich hauptsächlich um umgelabelte Varianten von „Astra“ sowie „Insignia“ handeln). On y va!]

~ von opabo - 1. April 2017.

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