Getriebewerk Straßburg (GM)

Die 60er Jahre waren für Opel sicher eines der dynamischsten Jahrzehnte der Firmengeschichte. Der Absatz lief rund, neue Modelle wie „Kadett“ oder „GT“ wurden sofort zu Erfolgen. Der Produktionsstandort Rüsselsheim war total ausgelastet, neue Werke mussten her.
Sie entstanden in Bochum (1962), Kaiserslautern (1966) sowie im elsässischen Straßburg (1967). Dieses Werk war allerdings nicht Opel zugeordnet, sondern gehörte direkt zum Mutterkonzern General Motors. Hintergrund war vermutlich der Umstand, dass die hier entwickelten und produzierten Automatikgetriebe für die Marken des ganzen GM-Konzerns bestimmt waren.
Zu Beginn der Werksgeschichte wurden aber wohl hauptsächlich Automatikgetriebe für kleinere und damit de facto europäische Fahrzeuge, also Opel und Vauxhall, hergestellt. Im Laufe der Zeit änderte sich das allerdings, mehr und mehr fertigte man für andere Firmen in Fremdproduktion, zum Beispiel auch für BMW.
Was sich leider auch sehr stark änderte, war die Zahl der Mitarbeiter. Von mehreren tausend zu Hochzeiten reduzierte sich die Zahl der am Standort Beschäftigten im Laufe der Jahre zusehends, Rationalisierung war angesagt.
Richtig turbulent wurde es dann im Gefolge der weltweiten Finanzkrise 2007. Bekanntlich meldete GM Insolvenz an, Prozesse und Standorte des Weltkonzerns mussten durchleuchtet werden. Für Straßburg sprach die vorhandene Profitabilität des Werkes, dagegen vermutlich die starken französischen Gewerkschaften sowie der hohe Anteil von Drittkunden.
Jedenfalls wurden die damaligen 1700 Mitarbeiter mit ihrem Werk 2009 in die Motors Liquidation Company (MLC) ausgegliedert, eine Nachfolgeorganisation der insolventen General Motors. Ziel war eine Prüfung von Verkaufsoptionen.
Anscheinend wirkte keine der ermittelten Optionen interessant genug für GM, denn zwei Jahre später wurde der Standort Straßburg wieder zurückgekauft. Die Zahl der Mitarbeiter hatte sich inzwischen allerdings auf gut tausend reduziert. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt…
GM war in der Zwischenzeit unter anderem dank einer stattlich-staatlichen Finanzspritze und verbesserter US-Konjunktur langsam wieder auf die Beine (respektive Räder) gekommen. Also alles gut? Mitnichten, denn Ende 2012 kündigte GM den endgültigen Verkauf des Werkes inklusive Entwicklungsabteilung an den belgischen Investor Punch Metals International an. Der Vertrag soll auch ein langfristiges Lieferabkommen mit dem Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG sowie eine weitere mehrjährige Abnahmezusage seitens GM beinhaltet haben.
Das ergab summa summarum Vorteile für beide Seiten: Produktion gesichert für den Standort, Randprozesse ausgelagert für GM. To be continued…(?)

~ von opabo - 16. Mai 2015.

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