Opel-Persönlichkeiten: Max Valier, Raketenpionier

Kennzeichnend für die ersten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts waren die teilweise rasanten Entwicklungssprünge in vielen technischen Bereichen. Grenzenlose Fortschritte und kühnste Visionen schienen greifbar nah zu sein.
Passend zum Zeitgeist veröffentlichte der Physiker Hermann Oberth zu Beginn der Zwanziger Jahre ein Buch über die Eroberung des Weltraums durch den Menschen. Dieses Werk, betitelt „Die Rakete zu den Planetenräumen“, wurde rasch ein Erfolg und fand viele begeisterte Leser, darunter Wernher von Braun, Fritz von Opel sowie den Südtiroler Max Valier.
Valier war ein sehr vielseitiger Mensch. Er studierte unter anderem mehrere naturwissenschaftliche Fächer, war während des Ersten Weltkrieges Testpilot und schrieb Science-Fiction-Romane.
Im Zusammenhang mit Oberths Buch fand Valier sein Thema. Er träumte von der Eroberung des Weltraums mittels Raketentechnik. Doch die fehlenden finanziellen Mittel hinderten ihn an einer Umsetzung dieser Visionen.
Erst als der rennsportbegeisterte Fritz von Opel 1927 von den Plänen Valiers hörte, kam Bewegung in die Sache. Valier erhielt endlich Geld für seine Raketenversuche, Opel dafür die Reklamerechte.
Zusammen mit dem norddeutschen Ingenieur Friedrich Wilhelm Sander, der Seenotrettungsraketen herstellte, entwickelte Valier alsbald Raketen für Opels Versuchsfahrzeug „RAK1„. Dieses Gefährt sah zwar noch halbwegs aus wie ein Auto, hatte aber gar keinen Motor. Der Antrieb saß im Heck – es waren Valiers und Sanders Raketen.
Nachdem ein paar geheime Versuchsfahrten auf der Opel-Rennbahn bei Rüsselsheim mit Kurt C. Volkhart als Fahrer zufriedenstellend verlaufen waren, erfolgte am 11. April 1928 die erste öffentliche Vorführung von Opels „RAK1“ . Obwohl nur knapp die Hälfte der angebrachten Raketen zündete, beschleunigte das Gefährt vor den staunenden Zuschauern binnen acht Sekunden auf hundert km/h.
Die Presse reagierte euphorisch und sah Opels Raketen-Renner bereits als Vorläufer eines „Weltenraumschiffes“. Fritz von Opel war ebenfalls derart begeistert, dass er sich beim stark überarbeiteten Nachfolger „RAK2“ selbst ans Steuer setzte.
Dieses aerodynamisch ausgefeilte und mit Tragflächen zur Auftriebsminderung versehene Geschoss startete am 23. Mai desselben Jahres auf der Berliner AVUS. Im Heck waren 24 Feststoffraketen montiert, die 120 Kilogramm Sprengstoff enthielten. Dieser zeigte deutlich seine Wirkung und pushte den „RAK2“ zwischenzeitlich auf über 230 km/h Spitze.
Einer der ersten Gratulanten beim erfolgreichen Rekordjäger Fritz von Opel, der bei der gefährlichen Fahrt noch nicht einmal eine Mütze auf dem Kopf getragen hatte, war Max Valier.

Bild Max Valier im Raketenauto

Max Valier im RAK6, Quelle: Bundesarchiv Bild 102-01338/Georg Pahl

Doch ihm missfielen die grellen Werbeeffekte, er wollte schließlich Raketen für Weltraumflüge bauen. Deshalb beendete er die Zusammenarbeit mit Opel und konstruierte fortan mit anderen Partnern raketengetriebene Fahrzeuge. So errang er etwa mit dem Raketenschlitten „RAK BOB II“ einen Geschwindigkeitsrekord auf dem zugefrorenen Starnberger See. Der Rekordbob brachte es im Februar 1929 auf sensationelle 400 km/h, kollidierte danach allerdings mit einem Bootssteg.
Erneute finanzielle Engpässe folgten, mehrere Projekte scheiterten. Während eines Laborversuchs mit neuen Brennstoffen wurde Max Valier, dem die ständige Lebensgefahr bei seinen Versuchen sicher stets bewusst war, im Mai 1930 durch eine Explosion tödlich verletzt. Er gilt heute als der Raumfahrt erstes Todesopfer.
Link: Fotos und Video der RAK2-Rekordfahrt 1928

~ von opabo - 26. Juli 2014.

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