Opel-Historie: Kritische Nachkriegsphase (1945-48)

Zum Kriegsende im Mai 1945 befand sich Opel de facto im Jahre Null. Seit 1940 hatten die Rüsselsheimer keine zivilen Pkw mehr bauen dürfen, statt dessen mussten sie Komponenten für Militärflugzeuge produzieren.
Im Werk Brandenburg war der von der Wehrmacht äußerst geschätzte Lkw „Opel Blitz“ in mehreren Varianten hergestellt worden.
Beide Werke wurden im Kriegsverlauf jedoch stark zerstört, zudem waren viele Opel-Mitarbeiter im Krieg umgekommen oder zumindest stark geschwächt zurückgekehrt.
Doch womit sollten sie produzieren? Viele Maschinen waren unter Schuttmassen begraben, Materialien für die Herstellung von Fahrzeugen existierten kaum.
1945 ging in die Opel-Historie als das Jahr ein, in dem kein einziges Fahrzeug produziert wurde.
Man behalf sich auf Anordnung der US-Besatzungsbehörden nolens volens mit Reparaturarbeiten von Vorkriegs-Modellen sowie der Produktion des Kühlschranks „Frigidaire“.
Daneben wurden natürlich nach und nach die Trümmer von den Werksgeländen beseitigt. Immerhin fanden sich unter den Schutthalden ab und an auch noch einige brauchbare Maschinen, so dass die Opel-Belegschaft im Juli 1946 endlich wieder einen Grund zum Feiern hatte: der erste Nachkriegs-„Blitz“, ein Anderthalbtonner, verließ das notdürftig wiederhergestellte Werk.
Doch kurz darauf folgte ein neuer Rückschlag in der Opel-Geschichte. Die Anlagen und kompletten Konstruktionsunterlagen für die Produktion des Vorkriegs-„Kadett“ sowie das ganze Brandenburger Lkw-Werk mussten auf Beschluss der alliierten Siegermächte demontiert und als Reparationsleistung in die Sowjetunion verschafft werden.
Eine Gesamtdemontage aller Rüsselsheimer Produktionsanlagen wurde nur auf Widerstand der US-Regierung verhindert. Es wäre sicher das Ende für das deutsche Tradionsunternehmen gewesen.
So kam es anders. Die Nachfrage nach Lastwagen war erheblich größer als das Angebot. Immerhin rollten bis Jahresende ’46 über achthundert neue „Blitz“ auf die Straßen.
Im Folgejahr startete auch wieder eine sehr bescheidene Pkw-Produktion bei Opel. Gerade mal zwanzig modifizierte 1,5-Liter-„Olympia“ konnten hergestellt werden, ein Exemplar kostete 6785 Mark – das bedeutete damals ein kleines Vermögen. Auch nach der Währungsreform im Mai 1948 blieb ein eigenes Auto für die meisten Deutschen vorerst noch ein Traum.
Doch Opels Mutterkonzern General Motors hatte nach zunächst starken internen Bedenken gegen eine weitere Unterstützung der Rüsselsheimer Tochter schließlich doch grünes Licht gegeben. Am ersten November 1948 verkündeten die Detroiter offiziell die erneute Übernahme der Unternehmensführung bei Opel.
Das brachte mit einem Schlag nicht nur eine Menge Kapital, sondern auch Know-How zurück in die Firma. Zudem waren kurz zuvor einige Produktionsbeschränkungen aufgehoben worden, Opel durfte nun auch wieder hubraumstärkere Personenfahrzeuge herstellen.
Die Dynamik des sogenannten „Wirtschaftswunders“ in Westdeutschland tat ein Übriges. 1948 produzierte Opel bereits wieder gut sechstausend Pkw bzw. gut siebentausend Lkw, und danach ging es erst richtig ab.
Opel war erneut wiederauferstanden. To be continued…

~ von opabo - 14. Juni 2014.

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