Opel-Historie: Beginn der Spritzlackierung (1925)

Die seit Anfang der Zwanziger Jahre stark angestiegene Nachfrage nach Automobilen stellte Opel vor ein Problem. Denn bis dato wurden die Fahrzeuge eher mühselig in Handarbeit gefertigt, häufig mussten Passungenauigkeiten nachgefeilt werden. Karosserieaufbauten bestanden überwiegend aus Holz, zu deren Konstruktion brauchte es ausgebildete Handwerker.
Doch nachdem Wilhelm und Friedrich Opel 1922 während einer USA-Reise die weit fortschrittlicheren Detroiter Produktionsmethoden kennen gelernt hatten, setzten sie ihre Erkenntnisse alsbald in die Tat um und schrieben damit zugleich ein neues Kapitel in der bewegenden Opel-Historie.
Denn fortan hielten moderne US-amerikanische Werkzeug- und Schleifmaschinen, Hochdruckpressen, Förderketten und last but not least auch Fließbänder Einzug in die Rüsselsheimer Werkshallen. Letztere waren extra dafür während einer mehrwöchigen Werksschließung umgebaut worden.
Doch auch wenn so nach Bewältigung der ersten Anlaufschwierigkeiten sehr viele Arbeitsvorgänge bei Opel von Stunden auf Minuten reduziert werden konnten, blieb immer noch ein Nadelöhr: die Lackierung.
Zwar konnte Opel durch die zunehmende Verwendung von Stahlteilen auf die zuvor sehr zeitaufwändige Holzlackierung größtenteils verzichten. Doch auch der seit 1922 nach dem Vorbild Henry Fords eingesetzte sogenannte „Japanlack“ benötigte noch zwei Tage für den Trockenvorgang.
Abhilfe kam mal wieder aus den USA. Dort hatte General Motors seit 1923 erfolgreich ein neues Verfahren eingesetzt. Mit dem auf Kunstharzbasis entwickelten Nitrolack konnten Lackierungen mittels Spritzpistole vergleichsweise einfach aufgetragen werden. Das bedeutete einen geradezu enormen Zeitgewinn bei der Produktion – zuvor hatte man nolens volens mit Pinseln arbeiten müssen.
Ab 1926 wurden Nitrolack plus Sprühpistole auch bei Opel zum Standard – zum Wohle von „Laubfrosch“ & Co. Zwei Jahre später folgte der Einsatz von Trockenöfen zum beschleunigten Aushärten der Lackierung.
Ganz ohne Nachteile waren Nitrolacke aber auch nicht. Durch ihren hohen Lösungsmittelanteil waren sie für die Arbeiter potenziell gesundheitsschädlich, zudem litten sie unter Witterungsempfindlichkeit. Ohne regelmäßige Nachpolituren kam man kaum aus, sollte der Wagenglanz nicht allzu rasch verblassen.
Ab Mitte der 50er Jahre wurden die Nitrolacke in der Autoindustrie durch die beständigeren Alkydharzlacke abgelöst.

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~ von opabo - 31. Mai 2014.

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