Frostige 50er Jahre: Opel-Kühlschrank Frigidaire

Der Krieg war verloren, Deutschland lag in Trümmern. Auch die Opelwerke in Rüsselsheim und Brandenburg hatte es schwer getroffen, nicht zuletzt durch die von den alliierten Siegermächten veranlassten Demontagen. Doch wenigstens in Rüsselsheim begann man schnell mit dem Wiederaufbau. Die Stadt lag in der amerikanischen Besatzungszone, das Unternehmen gehörte einem amerikanischen Konzern – das war sicher hilfreich.
Es fehlte jedoch an Kaufkraft. Also musste sich Opel wenigstens zeitweise nach Alternativen zur Automobilproduktion umsehen – man entschied sich für Kühlaggregate. Doch wie war es dazu gekommen?
Opels Mutterkonzern General Motors hatte bereits im Jahre 1919 mit der Kühlschrankproduktion begonnen. Das GM-Tochterunternehmen Frigidaire wuchs in den Folgejahren zu einem der größten Haushaltsgerätehersteller der USA. Später stellte Frigidaire auch Kühlaggregate für gewerbliche Anlagen her. 1927 wurde in Berlin die erste deutsche Vertriebsfiliale gegründet, ab 1930 kam ebendort eine eigene Produktion hinzu.
Wie der Zufall so spielt: Aufgrund der starken Nachfrage musste Frigidaire einen zweiten deutschen Produktionsstandort aufbauen, die Wahl fiel auf Rüsselsheim.
Während der ersten Nachkriegsjahre belieferte Frigidaire ausschließlich die amerikanischen Besatzungstruppen. Erst ab 1948 gab es auch wieder zivile Käufer, der Währungsreform sei Dank. Ein Jahr darauf wurde Frigidaire direkt in die Adam Opel AG eingegliedert, das Produktionsprogramm reichte bald vom Speiseeisbereiter über Lufttrockner bis hin zu Großkühlgeräten für die Industrie.
Der amerikanische Stardesigner Raymond Loewy modernisierte 1954 das Kühlschrankdesign, auch die Technik wurde verbessert. Fortan eroberten Frigidaires als „Produkt der Adam Opel A.G.“ die westdeutschen Haushalte, erhältlich waren sie entweder mit 120 oder 200 Litern Inhalt. Auch im gewerblichen Bereich avancierte die Marke alsbald zum Marktführer.
Doch die Kühlschränke blieben nur eine Episode in der Opel-Historie. Auch andere Hersteller drängten in den Markt, bald gab es ein Überangebot. Zudem wuchs der Bedarf für die Fahrzeugproduktion bei Opel immer stärker an. Folgerichtig beendete Opel die Kühlschrankfertigung im Jahre 1959, drei Jahre später folgte das Aus für die gewerblichen Kühlaggregate.
Für Opel war es nicht schlimm, denn es herrschte genügend Nachfrage nach Automobilen. Aus den deutschen Frigidaire-Vertretungen entstanden in der Folgezeit mehrere erfolgreiche Unternehmen im Bereich Kältetechnik. Frigidaire selbst lebt als amerikanischer Hersteller von „Weißer Ware“ bis heute weiter, gehört inzwischen aber zum schwedischen Elektrolux-Konzern.

~ von opabo - 19. Oktober 2013.

2 Antworten to “Frostige 50er Jahre: Opel-Kühlschrank Frigidaire”

  1. Habe jetzt zum ersten mal ein gewerbliches Kühlaggregat von Opel gefunden. Erstaunlich auch, das es mit einem Vorwerkmotor ausgestattet ist.

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