Opel im Ersten Weltkrieg

Dritter August 1914. Kaum hatte das Deutsche Reich dem damaligen „Erbfeind“ Frankreich den Krieg erklärt, begann das deutsche Militär auch schon mit der Requirierung von Privatfahrzeugen aller Art. Angeblich wären beinahe die im Opel-Werk Rüsselsheim befindlichen Fahrzeuge beschlagnahmt worden – vielleicht ist dies der Grund für die hastige Werksschließung nur einen Tag nach Kriegsausbruch.
Tausende Opel-Arbeiter wurden abrupt arbeitslos, über die Hälfte von ihnen war bald darauf auf dem Weg an die Front. Die verbliebene Belegschaft konnte ab Oktober desselben Jahres jedoch wieder aufatmen, denn viele der eingezogenen Fahrzeuge waren defekt und mussten fachgerecht repariert werden.
Produziert wurden bis Kriegsende hauptsächlich Lastwagen, vor allem der sogenannte „Regel-Lastwagen“ war beim Heer sehr beliebt. Zirka hundert der Drei- bis Viertonner verließen monatlich das Opel-Werk, Privatautos wurden hingegen kaum noch nachgefragt. Opel avancierte mithin zum größten deutschen Lastwagenproduzenten und Fahrzeug-Hauptlieferanten des Reichsheeres, auch Flugzeugmotoren wurden in Rüsselsheim gebaut.
Eine zunehmende Schwierigkeit stellte das Fehlen geeigneter Fachkräfte dar. Viele der Opel-Arbeiter standen im Militärdienst. Frauen und Kriegsgefangene mussten die Lücken ersetzen, gegen Kriegsende halfen selbst Einarmige bei der Produktion aus.
Auch Rohstoffmangel wurde im Laufe des Krieges mehr und mehr zum Problem. Die deutschen Kolonien waren kurz nach Kriegsbeginn von den Gegnern besetzt worden, vor allem Kautschuk und Buntmetalle waren äußerst knapp. Die Lastwagen wurden nur noch mit Eisenrädern ausgeliefert, Fahrräder mit Presspapier anstelle von Gummireifen.
Die Entwicklung bei Opel schlief aber trotz der schwierigen Bedingungen nicht ein, unter anderem präsentierte man 1916 den ersten Opel-Sechszylindermotor. Auch sonst blieb Opel aktiv, etwa mit dem Bau der „Opel-Bahn“ vor den Toren Rüsselsheims oder einer kontinuierlichen Standardisierung seiner Produktion.
Bei Kriegsende 1918 lag das Deutsche Reich darnieder, Opel hingegen hatte wie auch andere Hersteller mit seinen Lastwagen gut verdient. Selbst Opels Motorpflüge brachten viel Umsatz, denn der Preis für Pferde stieg während der Kriegsjahre um mehrere hundert Prozent. Immerhin war der Konzern nie zum klassischen Rüstungsbetrieb mutiert, Granaten oder Munition hatte man hier nicht fertigen müssen.
Von den eingezogenen Arbeitern waren 191 gefallen, etliche waren verwundet oder verkrüppelt aus dem Feld zurückgekehrt. Auch die Opel-Familie selbst war betroffen, denn Ludwig, der jüngste der Opel-Söhne, fiel 1916 an der Ostfront.
Insgesamt führte der Erste Weltkrieg zu geschätzt siebzehn Millionen Toten, über zwanzig Millionen Verwundeten, einigen Millionen Vermißten, erheblichen geopolitischen und gesellschaftlichen Umwälzungen, Hyperinflation plus Massenarbeitslosigkeit sowie letztlich auch zum Zweiten Weltkrieg.
Treffender als der große französische Staatsmann Charles de Gaulle hat es wohl niemand ausgedrückt: „Es gab Sieger und Besiegte, wir alle haben verloren“. Dem bleibt nichts hinzuzufügen.
Link: Foto des Opel-Regel-Lastwagens im Sinsheimer Technikmuseum

~ von opabo - 14. September 2013.

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