Badge-Engineering: Opel als Heiratsschwindler

Um es gleich vorneweg zu sagen: Es ist keine Schande und auch bei anderen Herstellern üblich. Nur übertreiben sollte man es nicht. Gemeint sind Modelle, welche scheinbar als eigenständige Baureihe einer Marke auf den Markt gebracht werden, in Wahrheit aber umbenannte und lediglich leicht veränderte Varianten einer anderen Marke sind. Das Ganze nennt sich „Badge-Engineering“ und bedeutet frei übersetzt etwa „Markennamen-Retusche“.
Im Falle Opels gab es in den ersten Jahrzehnten vereinzelt Motoren vom Mutterkonzern GM, für die „KAD-Reihe“ etwa. 1969 nahm man gar den Bedford „CF“ und benannte ihn zum Opel „Bedford Blitz“ um. Es sollte wohl ein schlapper Versuch sein, ohne viel Aufwand einen würdigen Nachfolger des hauseigenen Lkw-Klassikers auf den Markt zu bringen. Schwamm drüber, kann mal passieren. Ansonsten aber entwickelte Opel seine Fahrzeuge selbst.
Das änderte sich in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Geländewagen wurden allmählich schick und Opel hatte keinen im Angebot. Kurzerhand entschloss sich GM, aus dem Isuzu „Wizard“ einen Opel „Frontera“ zu machen. Gebaut wurden die Dinger von Vauxhall – und zwar witzigerweise im ehemaligen Bedford-Werk in Luton.
Später folgte dann noch der „Monterey“, auch ein in England gefertigter Isuzu-Ableger. Beide Modelle waren nicht besonders erfolgreich.
Ebenfalls in den neunziger Jahren versuchte GM, den europäischen Kunden seinen Pontiac „Trans Sport“ als Opel „Sintra“ anzudrehen. Das Trumm war bestenfalls langweilig und bekam in diversen Crashtests eher schlechte Beurteilungen – folglich wurde das Modell nach nur drei Jahren wieder eingestellt. Made in Luton…
Etwas besser machte es der Opel „Agila“. Dieser Kompakt-Van war in Wirklichkeit ein Suzuki und wurde in Polen gebaut. Sein namensgleicher Nachfolger, welcher etwas kleiner und gefälliger geriet, ist ebenso japanischen Ursprungs und wird in Ungarn gefertigt. Multikulti bei Opel…
Aber damit nicht genug. Auch im Jahre 2000 blickte Opels „Speedster“ das Licht der Welt. Dieser Roadster sollte vermutlich Mazda und BMW Konkurrenz machen, aber er blieb relativ erfolglos. Vielleicht lag es am plastikähnlichen Aussehen das Wagens – vielleicht aber auch daran, dass er in Wirklichkeit ein in England produziertes Lotus-„Elise“-Derivat darstellte.
Der Nachfolger des „Speedster“, der „GT Roadster“, sah zwar deutlich besser aus und trug wenigstens motormässig Opel-Gene in sich, verkaufte sich aber dennoch nicht besonders gut. Produktionsort war Wilmington in den USA.
Seit 2007 gibt es den Opel „Antara“. Dieses „Sports Utility Vehicle“ (SUV) kann optisch durchaus gefallen, ist allerdings in Wirklichkeit ein leicht veränderter Chevrolet „Captiva“. Gebaut werden die beiden Schwestermodelle in Südkorea.
Das haben sie gemeinsam mit dem Opel „Mokka“, einem derzeit halbwegs erfolgreichen Kompakt-„SUV“. Der „Mokka“ ist teilweise identisch mit dem Chevrolet „Trax“ bzw. dem Buick „Encore“.
Nota bene: es geht natürlich auch umgekehrt, der „Astra“ wird seit einigen Jahren in den USA als Saturn- bzw. Buick-Modell angeboten, auch der „Insignia“ erscheint abgewandelt als ein Buick. In Down Under werden die beiden unter der GM-Marke „Holden“ offeriert.
Weitere Ableger anderer Marken sind / waren die Kleintransporter „Arena“, „Vivaro“ und „Movano“. Da in diesem Segment aber generell kreuz und quer kooperiert wird, kann man das vernachlässigen.
Vorläufiges Fazit: In den letzten Jahren ist die Zahl derjenigen Opel-Modelle, welche faktisch GM-Derivate sind, stark gestiegen. Das bereitet Anlass zur Sorge – die Rüsselsheimer Tradionsmarke könnte weiter ausgehöhlt werden. Jüngstes Beispiel ist der potenziell zukunftsfähige Elektro-Hybrid „Ampera“ – de facto ein Chevrolet „Volt“.
Mit der französischen PSA-Gruppe (Peugeot, Citroën) kooperiert GM bereits. Zukünftig könnten zumindest Kleinwagen von Opel auch Bauteile dieser beiden Hersteller enthalten. Wie viel Opel steckt dann überhaupt noch in einem Opel?

~ von opabo - 7. September 2013.

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