Opel-Klassiker: Vorkriegs-Kadett

1936 konnte die Firma Opel mehrere Rekorde feiern. Die Automobilproduktion hatte die Einhunderttausendermarke überschritten, Opel war der größte Autohersteller Europas und für den Großteil der deutschen Exporterlöse verantwortlich. Über vierzig Prozent aller deutschen Autos sowie ein gutes Drittel aller deutschen Lastwagen stammten von Opel. Die im Vorjahr präsentierte und damals bahnbrechende selbsttragende Karosserie hatte sich bewährt.
Doch dies galt bislang nur für Mittel- und Oberklasse. Aber im Dezember 1936 erschien erstmals ein Wagen der Kompaktklasse mit einer solchen Karosserie: Opels neuer „Kadett“. Der Zweitürer sah aus wie ein gekürzter „Olympia“ und kostete als Limousine bzw. Cabrio nur 2100 Mark. Später folgte noch eine Billigversion für knapp 1800 Mark.
Obwohl die damalige Reichsregierung klar den sogenannten „KdF-Wagen“ (später als „Käfer“ bekannt) als Volks-Wagen favorisierte, wurde Opels erster „Kadett“ sofort zu einem Erfolg. Seine dreiundzwanzig Pferdestärken brachten das 760kg leichte Wägelchen auf immerhin fast hundert Stundenkilometer. Der „Kadett“ wurde unter anderem bereits mit Korrosionsschutz ausgestattet und verbrauchte nur 7-8 Liter je 100km, war also klar auf Langlebigkeit und Sparsamkeit hin konzipiert.

Bild: Opel-Klassiker Kadett (1938)

Opel-Klassiker Kadett (1938)

1938 wurde das Modell leicht überarbeitet, zudem erschien auch eine viertürige Version. Zu diesem Zeitpunkt hatte der „Kadett“ bereits einen Marktanteil von sagenhaften 59 Prozent in seiner Klasse erreicht. Das ist sicherlich ein Spitzenwert in der Opel-Historie. Als die Produktion auf Anweisung der NS-Regierung im Mai 1940 kriegsbedingt eingestellt werden musste, hatte Opel über hunderttausend Einheiten des „Kadett“ produziert.
Nach dem Krieg hätte Opel auf der Grundlage des „Kadett“ sicher schneller reüssieren können – jedoch kam es nicht dazu. Denn die Vereinbarungen der alliierten Siegermächte gestatteten der Sowjetunion auch Zugriff auf Industrien in den westlichen Besatzungsgebieten.
Nachdem die SU bereits die komplette „Blitz“-Produktion in Brandenburg/Havel demontiert und abtransportiert hatte, geschah nun dasselbe mit der Rüsselsheimer „Kadett“-Produktion. Fertigungsstraßen, Konstruktionszeichnungen, Gussformen – alles wurde mitgenommen. Ein trauriger Tag in der Opel-Geschichte.
So geschah es, dass der „Kadett“ ab 1947 fast baugleich als „Moskwitsch 400“ auf russischen Straßen rollte; 1959 wurde dieser dann von einer Eigenkonstruktion abgelöst. In (West-)Deutschland konzentrierte sich Opel hingegen zunächst auf Mittel- und Oberklassenfahrzeuge, erst ab 1962 gab es wieder einen „Kadett“. In der Kompaktklasse war Volkswagens „Käfer“ in der Zwischenzeit zum klaren Marktführer und Exportschlager avanciert.

~ von opabo - 1. Juni 2013.

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